Datum09.06.2026 01:51
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Karim Khan, wurde wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe mit sofortiger Wirkung suspendiert. Eine Mitarbeiterin hatte ihm wiederholte Bedrängung vorgeworfen. Die Vertragsstaaten werden über eine mögliche Amtsenthebung entscheiden. Khan ruht bereits seit einem Jahr vorläufig und bestreitet die Vorwürfe. Er war seit 2021 im Amt und erließ Haftbefehle gegen u.a. Putin und Netanjahu, was zu diplomatischen Spannungen führte.
InhaltKarim Khan lässt sein Amt als IStGH-Chefankläger bereits seit rund einem Jahr ruhen, Hintergrund sind Vorwürfe sexueller Übergriffe. Nun wurde er mit sofortiger Wirkung von seinem Dienst suspendiert. Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes (IStGH), Karim Khan, ist wegen des Verdachts auf sexuelle Übergriffe mit sofortiger Wirkung von seinem Dienst suspendiert worden. Eine endgültige Entscheidung über eine mögliche Amtsenthebung sollen die Vertragsstaaten auf einer Sondersitzung treffen. Das teilte das Präsidium der Vertragsstaaten des Gerichts in Den Haag in einer Erklärung mit. Die Sondersitzung soll so bald wie möglich stattfinden. Behalten Sie den Überblick: Jeden Werktag gegen 18 Uhr beantworten SPIEGEL-Autorinnen und -Autoren die wichtigsten Fragen des Tages im Newsletter "Die Lage am Abend" – hintergründig, kompakt, kostenlos. Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail. 2024 hatte eine Mitarbeiterin dem britischen Juristen sexuelle Übergriffe vorgeworfen: Er soll sie über einen längeren Zeitraum wiederholt bedrängt und zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Eine Kommission der Vereinten Nationen hatte die Vorwürfe untersucht. Diese hatte im Dezember 2025 ihren Bericht vorgelegt. Er wurde bisher nicht veröffentlicht. Drei Richter des Weltstrafgerichts hatten auf der Grundlage der Untersuchung ein Rechtsgutachten vorgelegt. Auch dieses wurde nicht veröffentlicht. Khan lässt sein Amt seit gut einem Jahr vorläufig ruhen (mehr dazu hier ). Der 56-Jährige wollte zurückkommen, wenn die Vorwürfe geklärt sind. Er bestreitet alle Vorhaltungen. Khan war seit 2021 Chefankläger und hatte unter anderem einen Haftbefehl gegen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin erlassen. Vor allem wegen des Haftbefehls gegen Netanyahu erhöhten die USA ihren Druck auf das Gericht und verhängten Sanktionen gegen Mitarbeiter und Richter. Im SPIEGEL-Gespräch verteidigte Khan 2024 den Haftbefehl gegen Netanyahu – hier können Sie es nachlesen . 125 Staaten haben den Grundlagenvertrag des Strafgerichtshofes unterzeichnet, darunter alle EU-Staaten. Die USA, Russland und Israel gehören dem Gericht nicht an.