Datum08.06.2026 12:37
Quellewww.zeit.de
TLDRPapst Leo XIV. warnte im spanischen Parlament vor weltweiter Aufrüstung und dem Einsatz künstlicher Intelligenz in Waffensystemen. Er bezeichnete die zunehmende Militarisierung als "besorgniserregend" und betonte, Entscheidungen über Leben und Tod dürften nicht automatisierten Systemen überlassen werden. Der Papst rief zu mehr Diplomatie, Völkerrecht und Gerechtigkeit auf, verurteilte Kriege und forderte eine humanere Migrationspolitik. Er mahnte zudem Respekt im politischen Diskurs und warnte vor gesellschaftlicher Polarisierung.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Im spanischen Parlament“. Lesen Sie jetzt „Papst Leo warnt vor Aufrüstung und KI: "Besorgniserregend"“. Papst Leo XIV. hat im spanischen Parlament vor einer zunehmenden Militarisierung und dem Einsatz künstlicher Intelligenz in Waffensystemen gewarnt. Es sei "besorgniserregend, dass sich an verschiedenen Orten der Welt, auch in Europa, die Aufrüstung erneut als fast unvermeidliche Antwort auf die Instabilität der internationalen Lage darstellt", sagte der Papst am dritten Tag seines Spanien-Besuchs. Die Welt befinde sich in einer "tiefen geistigen und kulturellen Krise", die sich in Gewalt, Polarisierung und gegenseitigem Misstrauen äußere. Das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken forderte deshalb mehr Orientierung an Diplomatie und Völkerrecht. Aufrüstung und Kriege seien keine Lösung. Wahre Sicherheit entstehe durch Gerechtigkeit, Dialog, die Achtung des Völkerrechts und eine Politik, die das Wohl der Menschen über Kriegsinteressen stelle, sagte der 70 Jahre alte US-Amerikaner. Mit Blick auf die militärische Nutzung künstlicher Intelligenz betonte er, Entscheidungen über Leben und Tod dürften niemals automatisierten Systemen überlassen werden. Mit Verweis auf seine jüngst veröffentlichte Enzyklika "Magnifica humanitas" betonte Leo, technologische Entwicklung sei niemals neutral. Sie nehme "die Züge derjenigen an, die sie konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen". Entscheidend sei, welchen Platz der Mensch in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen einnehme. Leo sprach auch die "tragische Migrationskrise" an. Die Situation von Migranten und Flüchtlingen erfordere eine Politik, die den Menschen in den Mittelpunkt stelle und Fluchtursachen bekämpfe. Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Religion, Sprache oder sozialer Lage verletze den Grundsatz der gleichen Würde aller Menschen. Das Thema sei keine bloße demografische oder wirtschaftliche Frage, sondern vor allem eine moralische und rechtliche Herausforderung für die internationale Gemeinschaft. Der Papst forderte sichere und legale Zugangswege sowie eine stärkere Bekämpfung der Fluchtursachen. Zum Abschluss seines Spanien-Besuchs will er auf den Kanarischen Inseln Migranten treffen. Zudem warnte Leo vor gesellschaftlicher Polarisierung und rief zu mehr Respekt im politischen Diskurs auf. Unterschiede dürften nicht zur Abwertung politischer Gegner führen, sondern müssten demokratisch ausgehandelt werden. Nach der Rede erhielt der Papst minutenlangen Applaus, begleitet von "Bravo"- und "Viva"-Rufen. Die Standing Ovations hätten laut Medien sieben Minuten gedauert. Kommentatoren des Senders RTVE und weiterer Medien bezeichneten den Auftritt als "historisch" und verwiesen auf die erste Rede eines Papstes im spanischen Parlament. Zudem habe Leo gezeigt, dass er den Kurs seines Vorgängers Franziskus fortsetzen wolle und klare Worte zu den drängendsten Problemen der Gegenwart finde, hieß es. © dpa-infocom, dpa:260608-930-190013/1