Datum08.06.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Phototriennale in Hamburg lockte trotz schlechten Wetters viele Besucher an. Elf Ausstellungen in acht Museen sowie zahlreiche Veranstaltungen in Galerien beleuchten das Oberthema "Bündnisse, Unendlichkeit, Liebe – Im Angesicht des Fremden". Besondere Aufmerksamkeit erregten ein Vorfall beim Ironman, bei dem Metallsplitter Reifen beschädigten, und die Obduktion des Buckelwals Timmy an der dänischen Küste.
InhaltDie Elbvertiefung am Montag – mit einem Vorfall beim Ironman, der Obduktion des Buckelwals Timmy und einer neuen Jacke für Alfons aus dem NDR in Hamburg ist die Triennale der Photographie gestartet. Acht Museen zeigen den Sommer über elf Fotoausstellungen, dazu kommen etliche Veranstaltungen in Galerien und Offspaces. Es gibt viel zu sehen! Kurz wirkte es, als würde die Eröffnung am vergangenen Donnerstag ins Wasser fallen. Gewitterwolken zogen über die Stadt, am Nachmittag prasselten in Ottensen Hagelkörner auf den Asphalt. Doch als abends in der Innenstadt entlang des Klosterwalls die Ausstellungen öffneten – um 17 Uhr in der Kunsthalle, um 18 Uhr im Kunsthaus, um 19 Uhr im Kunstverein und um 20 Uhr in den Deichtorhallen –, da war das Wetter halbwegs stabil, und es herrschte ein großes Gewusel. Vor den Türen standen vielerorts Menschentrauben mit Getränken, und die Schlange vor den Deichtorhallen reichte bis zum Haus der Photographie und zurück. 2.000 Gäste wurden gezählt, sagte Intendant Dirk Luckow. Der Brite Mark Sealy ist der künstlerische Leiter der diesjährigen Phototriennale. Er stellte die Hauptausstellung in den Deichtorhallen zusammen und bestimmte für alle Häuser ein Oberthema: Alliance, Infinity, Love – In the Face of the Other, auf Deutsch etwa "Bündnisse, Unendlichkeit, Liebe – Im Angesicht des Fremden". Für Sealy ist die Fotografie nicht bloß ein künstlerisches, sondern ein soziales Medium. Es geht ihm um die schier endlosen Möglichkeiten, die sich eröffnen, wenn sich Menschen zusammentun, über die Grenzen von Klassen, Staaten und Identitäten hinweg. Früher hätte man wohl gesagt: um Solidarität. Die Museen sind unterschiedlich ehrgeizig, mit ihren jeweiligen Ausstellungen diesem Oberthema zu entsprechen. Zudem ist die formale Vielfalt hoch, von Schwarz-Weiß-Dokumentarfotografie bis hin zu abstrakten Farbexperimenten. Trotzdem ist mein Eindruck nach drei rastlosen Tagen auf der Phototriennale: Es ergeben sich interessante Bezüge und Resonanzen zwischen den Häusern. Was im Einzelnen zu sehen ist, darauf werde ich in den kommenden Tagen noch eingehen. Bis dahin würde ich Sie gerne ermutigen, auch die weniger bekannten Kunstorte zu besuchen, etwa die Ausstellung über Ökologie im Frappant in Altona oder über den Rechtsruck in der Gleishalle im Oberhafen. In diesen Offspaces sieht man Arbeiten von jungen, kaum bekannten Fotografinnen und Fotografen – und "häufig die Kunst, die später einmal groß wird", schreibt die Kunsthistorikerin Anne Simone Kiesiel (Z+). Anders als in den großen Museen herrscht hier eine schnellere Rotation, beide Ausstellungen werden kommendes Wochenende schon wieder abgehängt. Deshalb lohnt es sich, sie bei der Planung des Triennale-Besuchs zu priorisieren. Und: Der Eintritt ist dort frei. Kommen Sie gut in die neue Woche! Ihr Oskar Piegsa Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de. Der Senat will Lücken im Sexualstrafrecht schließen und bringt dafür drei Anträge in die Justizministerkonferenz ein, die am kommenden Donnerstag und Freitag in der Speicherstadt tagt. Laut Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne) geht es unter anderem um ein "Nur Ja heißt Ja"-Modell sowie längere Verjährungsfristen. Dennis Thering bleibt Landeschef der CDU in Hamburg. Beim Parteitag im Bürgerhaus Wilhelmsburg erhielt er am Sonnabend 86,4 Prozent der Stimmen, ein Gegenkandidat war nicht angetreten. Hamburg hat den höchsten Anteil an Organspenderinnen und -spendern in Deutschland. Das geht aus Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation hervor. Rechnerisch kommen demnach 35 Spenderinnen und Spender auf eine Million Einwohnerinnen und Einwohner. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 13,1. In Hamburg warten derzeit 158 Menschen auf eine Organspende, 150 der 159 benötigten Organe sind Nieren. Vom 14. Juli bis 20. August fahren zwischen Hauptbahnhof und Altona keine Fernzüge. Grund dafür sind Brückenarbeiten, teilte die Bahn mit. Auch die S-Bahn-Linien S2, S5 und S7 sind betroffen, hier werden die Züge vom 17. Juli bis 13. August durch Busse ersetzt. Aus den Polizeimeldungen: In Lohbrügge hat in der Nacht auf Sonntag ein Jugendlicher einen Unfall verursacht und acht Autos beschädigt. Er verlor die Kontrolle über seinen Pkw, einen Führerschein hatte er nicht. Und in St. Georg ist ein Mann niedergestochen und schwer verletzt worden. Er soll versucht haben, eine Frau auszurauben, als ein unbekannter Dritter einschritt und das Messer zog. Alle drei Personen sollen zur Drogenszene gehören. Rund 50 Teilnehmer des Ironman-Wettbewerbs wurden gestern durch Raddefekte gestoppt. Das teilte die Polizei mit. Der Wettkampf besteht aus 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und einem anschließenden Marathonlauf. Doch bereits beim Radrennen war für mehrere Teilnehmer vorerst Schluss. Auf einem Teil der Strecke in Bergedorf lagen mehrere Metallsplitter auf dem Asphalt, die ihre Reifen beschädigten. Nach Angaben der Polizei waren diese Splitter nur millimetergroß, also kaum zu sehen. Über Verletzte war bis gestern Abend nichts bekannt. Wie die Splitter auf die Rennstrecke gelangten, ist noch unklar. Mutmaßungen, es handele sich um einen Anschlag auf das Rennen oder um einen Sabotageversuch, wies ein Polizeisprecher als "Spekulation" zurück. Der Ironman hatte durch weitreichende Straßensperrungen im Vorfeld für Unmut gesorgt. Im Rahmen des Ironman wird der EM-Titel bei den Frauen vergeben, doch das Profifeld des Rennens war durch die Metallsplitter nicht betroffen. Siegerin wurde die Norwegerin Solveig Løvseth, die nach 8:11:11 Stunden das Ziel auf dem Hamburger Rathausmarkt erreichte. 1:18 Minuten später kam die Deutsche Laura Philipp an. Dritte wurde Katrine Christensen aus Dänemark. Einen Wal zu zerschneiden, ist Knochenarbeit. Bis in die Nacht arbeiteten die Forscher an der dänischen Küste, um das Tier zu zerlegen, das als "Timmy" bekannt geworden war. Die ZEIT-Reporterin Dagny Lüdemann war dabei, lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem Artikel. Es zischt beim ersten Schnitt in die aufgeblähte Haut des Walkadavers. Wie ein Ballon, dem die Luft ausgeht, fällt die faltige, von Furchen durchzogene Bauchdecke zusammen, während ein fauler Gestank über den Strand weht. "Das riecht, als hätte einer drei Wochen nicht geduscht", sagt ein Junge hinter der Absperrung, als ein dänisches Fernsehteam ihn interviewt. Die Reporter, Influencerinnen und Insulaner, die eben noch ganz dicht am Flatterband standen, gehen freiwillig ein paar Schritte zurück. So hat am Donnerstagnachmittag auf der kleinen dänischen Ferieninsel Anholt die Obduktion des Buckelwals begonnen, der als "Timmy" oder "Hope" berühmt wurde. Der Wal, der Anfang März in der Ostsee aufgetaucht war, mehrfach strandete und schließlich von einer Privatinitiative in die Nordsee geschleppt wurde, war vor gut zwei Wochen hier am Nordstrand tot angespült worden. Seither liegt der Kadaver rücklings im Sand und verwest. Gut 40 Menschen sind an den Strand gekommen, um mitzuerleben, wie ein Team aus dänischen Spezialisten – darunter Tiermediziner und Biologinnen der Uni Kopenhagen und Walexperten vom dänischen Naturkundemuseum – den Kadaver vermessen, seine Organe freilegen und Proben sichern. Das Team obduziert regelmäßig angespülte Meeressäuger an den Stränden Dänemarks. Mehr als sechs Stunden dauert die Prozedur. Bagger sind aufgefahren, um die Überreste des Wals in drei Container zu verladen. Alles an Knochen und Walfleisch, was nicht als Probe für die Wissenschaft dient, wird später in der Tierkörperbeseitigung auf dem Festland entsorgt. Von der Untersuchung versprechen sich gerade in Deutschland viele Menschen Antworten. Finden sich noch Reste des Fischernetzes im Maul oder Magen, in dem sich der Wal verfangen hatte? Lässt sich erkennen, ob er erstickte, nachdem ihn die Privatinitiative in die Nordsee entließ? Gibt es Verletzungen, die er sich während des Transports zugezogen haben muss? Was die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihrer Obduktion herausgefunden haben – unter anderem, dass Timmy ein Weibchen ist –, lesen Sie in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Der Stoff, aus dem Alfons ist 26 Jahre lang suchte Emmanuel Peterfalvi eine Ersatzjacke für seine Kunstfigur Alfons, die durch Auftritte im NDR bekannt wurde. Gefunden hat er sie da, wo alles begann. ZEIT-Redakteur Peter Dausend hat hier die Geschichte von Suchen und (Wieder-)Finden aufgeschrieben. → Zum Artikel (Z+) Bis zum 21. Juni läuft noch das 18. Hamburger Theater Festival. Mit im Programm ist eine Inszenierung von Franz Kafkas Der Bau, produziert vom Burgtheater Wien. Das Stück ist eine Parabel über eine Gesellschaft, die permanent Risiken schafft, indem sie ebendiese zu verhindern sucht – eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Wir verlosen fünfmal zwei Karten für die zweite Vorstellung des Stücks am Samstag, dem 13. Juni, ab 20 Uhr im St. Pauli Theater. Schreiben Sie uns bis morgen, 12 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff "sich selbst erfüllend" an hamburg@zeit.de. Die Gewinner werden von uns direkt benachrichtigt. Viel Glück! Am Backtresen im Bioladen fragt eine Frau, ob das sehr kleine Brot ein Pfund schwer ist. Die junge Bedienung schaut auf das Brot im Regal und antwortet: "Das sind 500 Gramm." Darauf die Kundin: "Aber das ist doch ein Pfund." Fast empört antwortet die Verkäuferin: "Also für mich sind das 500 Gramm!" Gehört von Gudrun Frohnert Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.