Libanesisches Fernsehen zeigt zum ersten Mal Interview mit Israeli

Datum07.06.2026 19:13

Quellewww.spiegel.de

TLDRErstmals gab ein israelischer Journalist, Barak Ravid, ein Interview im libanesischen Fernsehen. Er sprach über die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah sowie Waffenruhe-Bemühungen. Ravid bewertete die Ablehnung eines Vorschlags durch die Hisbollah als taktischen Zug. Das Interview gilt als bedeutend, da der Kontakt mit Israelis im Libanon verboten ist. Ravid deutete Veränderungen im Land wegen einer "geschwächten iranischen Achse" an, trotz anhaltender militärischer Auseinandersetzungen.

InhaltIm Libanon steht seit Jahrzehnten jeglicher Kontakt mit Bürgern des jüdischen Staats unter Strafe. Nun hat erstmals ein israelischer Journalist ein Interview im Fernsehen gegeben. Zum ersten Mal hat ein jüdischer Israeli ein Interview im libanesischen Fernsehen gegeben. Der Kontakt gilt der libanesischen Justiz zufolge als Kollaboration mit einem Feindstaat, da sich beide Staaten völkerrechtlich im Kriegszustand befinden. Der Journalist und Nahostexperte Barak Ravid sprach mit LBCI-Moderator Toni Mrad über die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah sowie über Bemühungen um eine dauerhafte Waffenruhe. Auf die Frage nach aktuellen Verhandlungen sagte Ravid, die Gespräche seien noch im Gange. Die Ablehnung des jüngsten Waffenruhevorschlags durch die Hisbollah bewertete er als taktischen Schachzug, um die eigene Verhandlungsposition in den von den USA vermittelten Gesprächen zu stärken. Das Boykottgesetz im Libanon vom 23. Juni 1955 verbietet jegliche direkte oder indirekte Interaktion von libanesischen Staatsbürgern oder Unternehmen mit israelischen Entitäten, Bürgern oder im Interesse Israels handelnden Personen. In einem Post auf der Onlineplattform X schrieb Ravid, das Interview zeige Veränderungen im Land wegen einer "geschwächten iranischen Achse". Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Der 46 Jahre alte Ravid gilt als außerordentlich gut vernetzt. Seine Schwerpunktthemen sind die amerikanisch-israelischen Beziehungen sowie die Diplomatie mit Schwerpunkt Nahost. Er arbeitet als Korrespondent für das US-Nachrichtenportal Axios, als politischer Kommentator für den US-Sender CNN sowie das israelische Nachrichtenportal Walla und den Fernsehsender Channel 12 News. Zwischen Israel und dem Libanon herrscht seit Mitte April offiziell eine Waffenruhe. Dennoch hat Israels Militär am Wochenende erneut die Vororte der Hauptstadt Beirut angegriffen. Die Armee habe "Terroristen-Hauptquartiere" als Reaktion auf den Beschuss Israels durch die Hisbollah angegriffen, teilten Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz mit. Die iranischen Revolutionswächter hatten gewarnt, ein Angriff auf Beirut würde erneut einen umfassenden Krieg entfachen. Mehrere Angriffe auf israelische Truppen hatte unterdessen die Hisbollah für sich beansprucht. Bei einem israelischen Angriff auf ein Militärfahrzeug im Südlibanon sind nach Angaben der libanesischen Armee zwei Offiziere und ein Soldat getötet worden. Die Armee erklärte auf X zudem, Israel greife anhaltend den Libanon und seine Bevölkerung an. Dies ziele darauf ab, alle Bemühungen um eine Lösung zu vereiteln, die eine Wiederherstellung der Stabilität, einen umfassenden Waffenstillstand und den Rückzug Israels aus den besetzten libanesischen Gebieten ermöglicht. Die libanesische Armee ist in dem Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz keine aktive Kriegspartei und verhält sich neutral. Im Libanon wurden nach offiziellen Angaben im jüngsten Krieg mehr als 3600 Menschen getötet und 11.000 weitere verletzt.