Datum07.06.2026 18:28
Quellewww.spiegel.de
TLDRNeue Blinker für Fahrräder sollen die Sicherheit erhöhen, aber der Praxistest fällt gemischt aus. Nach neuen Regeln dürfen Blinker an Fahrrädern montiert werden. Getestete Systeme von Abus, Motogadget und Busch+Müller sind insbesondere bei Dunkelheit eine Verbesserung. Allerdings ersetzen sie rechtlich keine Handzeichen. Die Montage kann aufwendig sein, die Bedienung gewöhnungsbedürftig. Größere Sichtbarkeit wird erzielt, doch die Wahrnehmung durch Autofahrer ist nicht garantiert.
InhaltBlinker sollen das Radfahren bequemer machen. Doch fühlt man sich damit sicherer? Wir haben es getestet und sind mit gemischten Gefühlen abgebogen. "Guck mal, Mama, das Fahrrad blinkt!" Die Blinker an meinem E-Bike fallen auf. Nicht nur Kindern auf dem Radweg. Auch erwachsene Radfahrer schauen an der Ampel mal skeptisch, mal anerkennend auf meine gelb blinkenden Lenkerenden. Doch wichtiger ist mir die Aufmerksamkeit der Fahrerinnen und Fahrer der Autos und LKWs um mich herum. Ob die wahrnehmen, dass ich hier nach links abbiegen will? Sollte ich lieber trotzdem die Hand raushalten? Dabei steht das Sicherheitsversprechen im Zentrum der Mitte 2024 in Kraft getretenen Änderung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StvZo): Blinker dürfen seitdem an Fahrrädern – E-Bikes, S-Pedelecs und herkömmlichen "Bio-Bikes" – montiert werden. Sie sollen die Sichtbarkeit und damit die Sicherheit von Radfahrenden verbessern. Dieser Text enthält mit dem Hinweis "Anzeige" gekennzeichnete Affiliate-Links, über die der Verlag, aber nie der Autor individuell, bei Verkäufen eine geringe Provision vom Händler erhält. Ob das tatsächlich so ist? "Es gibt dazu zwar keine Zahlen, wir gehen aber auch davon aus, dass Blinker sich positiv auf die Sicherheit der Radfahrer und Radfahrerinnen auswirken können", sagt Kai Grünberg vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC). Für ihn sind zwei Aspekte zentral: Handzeichen können – anders als Blinksignale – im Dunklen übersehen werden. Und Radfahrende müssen nicht mehr die Hand vom Lenker nehmen. Tatsächlich reicht der Druck auf einen am Lenker angebrachten Taster, um den Blinkvorgang auszulösen. Zumindest die von uns getesteten Systeme schalten das Blinksignal nach einigen Sekunden selbsttätig ab. Für mich als langjährigen Motorradfahrer fühlt sich das nach ein paar Kilometern Radfahren im dichten Stadtverkehr normal an. Bis ich hinter mir den Lastwagen höre und die Hand rein intuitiv weit hinausstrecke. Das hat auch mit zwei der getesteten Systeme zu tun: Sowohl die Turntec T2 von Busch & Müller als auch die BLNKR von Motogadget werden an die Lenkerenden montiert und strahlen nach vorn und hinten. Allerdings können die Enden des Lenkers im ungünstigen Fall vom eigenen Körper nach hinten verdeckt werden. Etwa, wenn die Straße einen leichten Bogen nach rechts macht, während man nach links abbiegen will. Es gibt Nachrüstsysteme, die gesonderte Blinklichter für vorn und hinten vorsehen. Etwa von Busch & Müller und Velorian. Deren Montage ist allerdings aufwendiger und sollte im Fachgeschäft erfolgen. Wir haben diese Systeme nicht getestet. Jedoch einen Helm, der ebenfalls Blinklichter für vorn und hinten hat. Bei Dunkelheit sind die getesteten Blinksysteme auf jeden Fall ein Sicherheitsgewinn. Der einfachste Einstieg gelingt mit dem Helm E-Hyp. Doch rechtlich gesehen ersetzt er keine Handzeichen. Das können nur die Turntec T2. Sie sind von Laien montierbar und arbeiten in der Praxis problemlos. Nur die ungewöhnlichen Taster stören. Die BLNKR sind besser bedienbar. Ohne Zulassung in Deutschland ist deren Betrieb auf deutschen Straßen jedoch rechtlich unsicher. Zudem ist die Montage aufwendig. Diese Blinksysteme haben wir getestet: Busch & Müller Turntec T2. UVP: 124,90 Euro. Motogadget BLNKR. UVP: 169 Euro. Abus Hyp-E. UVP: 199,95 Euro, inkl. Visier, Ohrenschutz und Bremslicht 299,95 Euro. Der Nachrüstsatz von Busch & Müller besteht aus zwei Elementen, die links und rechts in die Enden des Fahrradlenkers gesteckt und fixiert werden. Sie tragen außen die blinkenden LEDs und werden mit einem Kabel verbunden, das durch den Hohlraum des Lenkers verläuft. Das linke Element enthält einen Akku, der die Blinker mit Strom versorgt. Geschaltet werden die Blinker per Druck auf jeweils einen Ring, der links sowie rechts zwischen Licht und Lenker hervorragt. Einmal Drücken startet das Blinken, ein weiterer Druck beendet es. Drückt man während des Blinken den Ring auf der gegenüberliegenden Seite, wird der aktive Blinker gestoppt und der andere aktiviert. In der Voreinstellung blinkt jede Seite 15 Mal, bevor sie sich abschaltet. Diese Blinkdauer kann individuell von fünf bis 30 Blinksignalen eingestellt werden. Steht man länger an einer roten Ampel, drückt man den Ringtaster anderthalb Sekunden lang, damit das Blinksignal eingeschaltet bleibt, bis man es per erneutem Druck deaktiviert. Warnblinken, also das Blinken auf beiden Seiten, aktiviert man, indem man beide Taster gleichzeitig drückt. Der Akku hat im Test mehrere Wochen durchgehalten. Zum Aufladen über USB-C bringt man entweder das Fahrrad in die Nähe einer Steckdose, holt eine Powerbank oder demontiert das linke Blinkerteil. Das ist durch Drehen und vorsichtiges Lösen des Kabels werkzeuglos möglich. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die beiden Ringtaster: Da sie von den Händen gesehen außen sitzen, muss man sie mit den Handtellern drücken. Dank ihrer Stromversorgung lassen sich die Turntec T2 nicht nur an E-Bikes, sondern im Prinzip an allen Fahrrädern einsetzen. Aber die am Fahrrad montierten Lenker stellen eine nicht zu unterschätzende Hürde dar: Sie müssen einen Innendurchmesser zwischen 17,5 und 19,5 Millimetern aufweisen, damit sich die Blinkelemente einschieben und fixieren lassen. Zudem darf der Lenker nicht zu sehr gekrümmt sein. Das schließt nicht nur Dropbar-Lenker wie die am Rennrad aus, sondern auch einige City-Bikes. Nicht zuletzt müssen die Enden der Lenker zu öffnen sein. Sollten die Griffe Ihres Fahrrads keine abnehmbaren Lenkerkappen haben, brauchen Sie für die Blinkermontage neue Griffe. Fazit: Die Turntec T2 sind nicht perfekt, aber eine praktikable Lösung für Fahrräder mit passendem Lenker. Wer unkompliziert Blinker nachrüsten möchte, wird ist hier richtig. Als einziges Set im Test erfüllen die T2 alle Anforderungen der StVZO. Die BLNKR von Motogadget sind ebenfalls für die Montage am Lenker gedacht, verfolgen aber einen anderen Ansatz: Die blinkenden LEDs sind in Fahrradgriffe integriert, gegen die man die vorhandenen Griffe austauscht. Aufgrund des genormten Lenkerdurchmessers passt das bei vielen Fahrrädern, aber nicht bei Modellen mit Drehgriffschaltung. Anders als die Turntec T2 haben die BLNKR keinen eigenen Akku. Die Stromversorgung erfolgt über den Akku des E-Bikes. Motogadget bietet Adapter für den Anschluss an zwei Serien von Bosch-Antrieben an sowie ein Kabel mit offenen Enden, für das man einen 12-Volt-Anschluss finden muss. Für die Montage an Bosch-Systemen muss der Kunststoff-Deckel des Motorgehäuses entfernt werden. Eigentlich keine große Sache. Aber zum einen ist die zumeist freie Buchse für die Stromversorgung bei vielen E-Bikes ab Werk nicht beschaltet und kann nur von einem Händler aktiviert werden. Zum anderen muss man das Kabel vom Motor bis zum Lenker führen. Eine Verlegung innerhalb des Rahmens ist die sauberste Lösung, ist für Laien aber kaum zu meistern. Am besten lässt man daher auch das von einer Fahrradwerkstatt erledigen. Sonst muss man das Stromkabel außen am Rahmen entlangführen. Wir haben für den Test auf eine Alternative zurückgegriffen, die Motogadget weder anbietet noch empfiehlt: Ein kleiner 12-Volt-Akku aus dem Elektronikmarkt war bei uns für die Stromversorgung zuständig. Er versorgte die BLNKR über mehrere Wochen zuverlässig, sofern man ihn beim nächtlichen Parken per Schalter von den Blinkern trennte. Denn die BLNKR ziehen stetig etwas Strom. So wenig, dass das bei einem großen E-Bike-Akku keine Rolle spielt. Unser kleiner Zusatzakku jedoch war nach einer Woche Parken leer. Die Taster zur Betätigung der Blinker befinden sich bei den BLNKR-Modellen von den Händen aus gesehen innen und sind bequem mit dem Daumen erreichbar. Die Drucktaster sind klein, aber auch mit Handschuhen trifft man sie gut. Auch die BLNKR schalten sich nach einigen Sekunden Blinklicht selbst ab. Neben dem Blinklicht können sie auch ein (schwaches) Positionslicht als Dauerlicht zeigen. Vermutlich haben die BLNKR deshalb keine Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes erhalten. Positionslichter sind in Deutschland nicht zulässig. Auch wenn sie sich – wie im Falle der BLNKR – abschalten lassen. Fazit: Bedienung und Sichtbarkeit sind gut, auch die Verarbeitung wirkt solide. Die Kabelverlegung ist jedoch eine Herausforderung. Dass die BLNKR keine Zulassung haben, ist rechtlich Problem. Angeboten werden sie nur bei Hersteller Motogadget selbst. Ein Blinker muss nicht am Fahrrad montiert sein. Auch in den Helm integriert kann er die Fahrtrichtung anzeigen. Die strengen Vorgaben der StVZO müssen Lichter am Helm nicht erfüllen. Diese gelten nur für Installationen am Zweirad selbst. Von Abus haben wir den HYP-E ausprobiert: Ein Helm mit vorn und hinten integrierten LED-Streifen, die mehrere Funktionen erfüllen: Als zusätzliche weiße Front- und rote Rückleuchte, die – anders als angeschraubte oder gesteckte Rücklichter – je nach Einstellung blinken können und auch dürfen. Ein Bremslicht ist ebenfalls integriert. Für dessen Funktion wird jedoch ein Sensor für den Handbremshebel benötigt. Da er nur übergeschoben wird, ist die Installation binnen Sekunden erledigt. Zum Aktivieren des gelben Blinklichts wird ein Doppel-Signaltaster mit einem Gummiband am Lenker befestigt. Der Taster ist per Funk mit dem Helm verbunden und ein Druck auf "L" oder "R" löst das entsprechende Blinksignal aus. Eine Rückkopplung erfolgt optisch am Schalter mit einem leichten Blinken, akustisch (ähnlich wie im Auto) per Klickgeräusch im Helm. Das Blinksignal schaltet sich nach 40 Sekunden oder einem erneuten Druck auf den Taster ab. Wer das Klickgeräusch nicht mag, kann es dauerhaft abstellen. Der Helm wirkt äußerst solide, trägt sich bequem und kann mit einem Visier als Windschutz für die Augen sowie wärmenden Ohrenpolstern aufgewertet werden. Außerdem ist er nach der strengen, niederländischen NTA-Norm zertifiziert und auch für schnelle S-Pedelecs geeignet. Zusammen mit dem integrierten Licht und dem Akku kommt er in der Größe "L" auf ein Gewicht von 767 Gramm. Im Vergleich zu Helmen ohne Elektronik ist das viel, aber noch tragbar. Im dichten Hamburger Straßenverkehr fühle ich mich mit dem Helm sicher. Dennoch scheinen mir die oben besprochenen Richtungsanzeiger an den Enden der Lenker bei Tageslicht deutlicher zu sein als der an den Seiten blinkende Helm. Auf potenziell gefährlichen Straßenabschnitten neige ich dazu, trotz Blinkhelm die Hand herauszuhalten. Was ich rechtlich gesehen auch tun muss, da der HYP-E keinen echten Fahrtrichtungsanzeiger ersetzt. Fazit: Der blinkende Fahrradhelm ist die einfachste Methode, um beim Radfahren mit Fahrtrichtungsanzeigern ausgestattet zu sein. Rein rechtlich ersetzt Handzeichen aber nicht. Trotzdem ist sein Blinklicht bei Dunkelheit ein Zugewinn an Sicherheit. Über welche Produkte wir im Tests-Ressort berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen von den Herstellern. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen. Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen werden uns in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen. Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. Wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind, kaufen wir in einigen Fällen auf eigene Kosten Testgeräte. In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und langfristige Leihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen, bevor sie zurückgegeben werden. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen. Oft werden solche Produkte und Rezensionsexemplare zum Beispiel am Ende eines Jahres gesammelt und im Rahmen eines firmeninternen Flohmarktes verkauft, wobei die Erlöse für gemeinnützige Zwecke gespendet werden. Teilweise werden Rezensionsexemplare auch direkt an gemeinnützige Einrichtungen gespendet. 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