Datum07.06.2026 15:23
Quellewww.zeit.de
TLDRBundespräsident Steinmeier hat seine Haltung zu einer deutschen Olympia-Bewerbung für 2036 geändert. Ursprüngliche Bedenken wegen der historischen Belastung durch die Nazi-Spiele 1936 sind gewichen. Er vertraut nun darauf, dass das Datum verantwortungsvoll behandelt würde. Deutschland prüft Bewerbungen für 2036, 2040 oder 2044, wobei München, Berlin und die Region Köln/Rhein-Ruhr im Gespräch sind. Die Entscheidung des DOSB über den Austragungsort steht bevor.
InhaltSich 100 Jahre nach Olympia in Nazi-Deutschland erneut für die Sommerspiele zu bewerben, hielt der Bundespräsident bisher nicht für angemessen. Nun äußert er sich anders. Der Bundespräsident hat seine Haltung zu einer Bewerbung Deutschlands Olympischen Sommerspiele im Jahr 2036 geändert. Frank-Walter Steinmeiers ursprünglich geäußerte Bedenken, Olympia genau 100 Jahre nach den Spielen unter Adolf Hitler in Deutschland stattfinden zu lassen, seien zwar nicht verschwunden, berichtete das ARD-Hauptstadtstudio unter Berufung auf das Bundespräsidialamt. Der Bundespräsident sei mittlerweile aber fest davon überzeugt, dass alle Beteiligten mit diesem Datum verantwortungsvoll umgehen würden. Für eine deutsche Olympia-Bewerbung sind derzeit die Jahre 2036, 2040 oder 2044 im Gespräch. 1936 hatte das nationalsozialistische Deutschland die Olympischen Sommerspiele ausgetragen und als Propagandaveranstaltung missbraucht. Im Februar hatte der Spiegel einen Sprecher des Bundespräsidialamts mit den Worten zitiert, der Bundespräsident sehe "das Jahr 2036 als historisch problematisch für eine deutsche Bewerbung an". Daher hatte der Steinmeier zunächst nur mögliche Olympische Spiele und Paralympics 2040 oder 2044 in Deutschland begrüßt. Der ARD-Sendung Bericht aus Berlin sagte Steinmeier: "Wir haben großartige Sportstätten. Wir haben eine sportbegeisterte Bevölkerung. Ich wünsche mir sehr, dass nach München 1972 endlich wieder Olympische Spiele in Deutschland stattfinden." Die Welt habe seit dem Sommermärchen 2006 in Erinnerung, dass die Deutschen gute Gastgeber von sportlichen Großveranstaltungen seien. Vor 20 Jahren fand die Fußball-WM in Deutschland statt. Über die Stadt oder Region, die sich für die Olympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 bewerben werden, will das Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im am 26. September einer Mitgliederversammlung in Baden-Baden entscheiden. Für 2036 galt ursprünglich Katar als aussichtsreicher Kandidat. Durch den Iran-Krieg und die Angriffe auf Katar gibt es allerdings Bedenken, ob die Spiele dort zurzeit wirklich sicher seien. Deshalb könnten die Spiele 2036 doch Richtung Europa gehen. Allerdings hat auch Indien Interesse angemeldet. Für die Austragung in Deutschland bewerben sich neben München die Region Köln/Rhein-Ruhr und Berlin. Eine Bewerbung Hamburgs war am negativen Votum der Bevölkerung gescheitert. Der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke sagte dem Bericht zufolge, er habe Steinmeier stets so verstanden, dass dieser persönlich Olympische und Paralympische Spiele 2040 oder 2044 in Deutschland favorisiere, aber eine Bewerbung für 2036 nicht ausschließe. "Daher ist der DOSB umso erfreuter, dass dies nun explizit klargestellt wurde", betonte Fricke. Eine breite politische Unterstützung der Bewerbung sei enorm wichtig auf internationaler Bühne. Die Sommerspiele 2028 werden in Los Angeles ausgetragen, 2032 ist Brisbane in Australien der Gastgeber.