Datum07.06.2026 04:30
Quellewww.zeit.de
TLDRKim Yo-jong, die einflussreiche Schwester von Kim Jong-un, erklärte Nordkoreas Status als Atommacht für endgültig und nicht verhandelbar und wies jegliche Drohungen zurück. Sie dementierte jüngste Berichte über eine gemeinsame Haltung Chinas und der USA zur Denuklearisierung. Diese Äußerungen erfolgen vor dem Besuch des chinesischen Präsidenten. Nordkorea plant eine massive Erhöhung der Raketenproduktion und Nuklearmaterialien. Dies steht im Gegensatz zu diplomatischen Bemühungen der USA.
InhaltDie einflussreiche Schwester von Machthaber Kim Jong-un lehnt Verhandlungen über das Atomprogramm des Landes ab. Drohungen werde Nordkorea nicht hinnehmen. Die einflussreiches Schwester von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat Verhandlungen über Nordkoreas Atomprogramm eine Absage erteilt. "Unser Status als Atommacht ist absolut nicht verhandelbar", sagte Kim Yo-jong am Sonntag nach Angaben von Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA. Das international weitgehend isolierte Land werde "keinerlei Drohungen hinnehmen". Der Status des Landes als Nuklearwaffenstaat sei eine "unumkehrbare Realität – unabhängig davon, ob andere ihn anerkennen oder nicht", sagte die 38-Jährige. Zudem wies Kim Yo-jong Behauptungen aus den USA als "falsch" zurück, wonach Chinas Präsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump bei einem Gipfeltreffen im Mai das Ziel der Denuklearisierung bestätigt hätten. Die jüngsten Aussagen sind Teil einer Reihe von Machtdemonstrationen kurz vor einem angekündigten Staatsbesuch von Chinas Staatsoberhaupt am Montag. Ebenfalls am Sonntag hatte Machthaber Kim Jong-un beim Besuch einer Munitionsfabrik angekündigt, die Raketenproduktionskapazität seines Landes in den nächsten fünf Jahren um das 2,5-fache zu erhöhen, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Zudem hatte er diese Woche einen deutlichen Ausbau der nordkoreanischen Nuklearstreitkräfte angeregt. Die Produktionskapazität für waffenfähiges Nuklearmaterial habe sich in den vergangenen fünf Jahren bereits mehr als verdoppelt und solle "exponentiell" steigen, hatte Kim laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA angekündigt. Nordkorea unterliegt wegen seines Atom- und Raketenprogramms seit zwei Jahrzehnten UN-Sanktionen. Erst am Freitag hatte ein Sprecher des US-Außenministeriums gegenüber der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap gesagt, die Vereinigten Staaten blieben offen für einen Dialog mit Nordkorea "ohne Vorbedingungen" und hielten "weiterhin an dem Ziel einer vollständigen Denuklearisierung Nordkoreas fest". Kim Yo-jongs Worte erteilen derlei diplomatischen Bemühungen für eine nukleare Abrüstung nun jedoch eine klare Absage. Die Schwester des nordkoreanischen Machthabers zählt zu den engsten Vertrauten von Kim Jong-un. Sie gilt zudem als eines der wichtigsten Gesichter in der Außenpolitik des abgeschotteten Landes. China ist Nordkoreas einziger formeller Bündnispartner auf Grundlage eines gegenseitigen Beistandsvertrags. Der chinesische Präsident wird Nordkorea nun erstmals seit 2019 wieder besuchen. Im April war bereits Chinas Außenminister Wang Yi erstmals seit 2019 in Pjöngjang zu Gast gewesen und hatte angekündigt, dass Peking "den Dialog und die praktische Zusammenarbeit auf allen Ebenen verbessern" wolle. Zudem sprach er über die traditionelle "in Blut geschmiedete Freundschaft" zwischen beiden Ländern. Die Staaten kämpften gemeinsam während des Koreakriegs von 1950 bis 1953. Zuletzt hatten China und Russland im UN-Sicherheitsrat weitere Strafmaßnahmen gegen Nordkorea blockiert. Die Regierung in Pjöngjang treibt ihr Atomwaffen- und Raketenprogramm indes weiter voran. Seit 2009 verwehrt die nordkoreanische Regierung IAEA-Inspektoren den Zugang zu den Nuklearanlagen im Land. 2023 verankerte Nordkorea seinen Status als Atommacht auch in seiner Verfassung. Seinen ersten Atomtest hatte Nordkorea im Jahr 2006 ausgeführt. Seither löst Nordkorea immer wieder mit Waffentests weltweit Besorgnis aus.