Migration und Flucht: EU-Kommissar Brunner sieht Rückgang irregulärer Einreisen

Datum07.06.2026 03:02

Quellewww.zeit.de

TLDREU-Migrationskommissar Magnus Brunner meldet einen deutlichen Rückgang irregulärer Einreisen nach Europa um bis zu 55 Prozent in zwei Jahren. Dies sei auch auf Maßnahmen in Transitländern und veränderte Bedingungen in Herkunftsländern zurückzuführen. Brunner bekräftigt das Recht auf Asyl, betont aber auch die Notwendigkeit von Rückführungen abgelehnter Asylsuchender, wofür Strafen und die Zusammenarbeit mit Drittstaaten, einschließlich geplanter Rückkehrzentren, vorgesehen sind. Kritiker warnen vor einer Kriminalisierung der Migration. Das neue europäische Asylsystem tritt bald in Kraft.

InhaltEnde der Woche tritt das neue europäische Asylsystem in Kraft. Magnus Brunner beobachtet schon jetzt weniger Schutzsuchende an EU-Grenzen. Warnungen weist er zurück. Die Zahl irregulär eingereister Einwanderer in Europa ist dem EU-Migrationskommissar Magnus Brunner (ÖVP) zufolge erneut zurückgegangen. Brunner sprach in einem Interview mit der Funke Mediengruppe von einem Rückgang um 55 Prozent in zwei Jahren – "auf manchen Routen, wie über den Westbalkan, sogar um 90 Prozent in drei Jahren". Zwischen Januar und April 2026 hätten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rund zwei Drittel (67 Prozent) weniger Menschen versucht, ohne gültige Dokumente oder Einreiseerlaubnis von der Türkei auf die griechischen Inseln in die EU zu gelangen. Bereits im ersten Quartal 2025 waren irreguläre Zuwanderungsversuche um 30 Prozent gesunken. Experten machen für den Rückgang der Einreiseversuche außer der EU-Politik auch Maßnahmen in Transitländern wie Libyen und Tunesien verantwortlich. Außerdem haben sich in einigen Herkunftsländern die Migrationsbedingungen verändert. Zugleich gibt es laut Brunner erste Erfolge bei den Rückführungen abgelehnter Asylsuchender aus der EU in deren Herkunftsländer. Diese seien im vergangenen Jahr von 21 Prozent auf knapp 30 Prozent gestiegen, sagte der gebürtige Österreicher. "Das ist aber noch viel zu wenig." Wer Rückkehrbescheide ignoriere, müsse künftig mit Konsequenzen rechnen, sagte Brunner in einem Interview mit dem Deutschlandfunk: "bis zu Gefängnis, bis zu Einreiseverboten für die Zukunft". Ausgebaut werden soll dafür die Zusammenarbeit mit sogenannten Drittstaaten. Vorgesehen sind sogenannte Rückkehrzentren außerhalb der Europäischen Union. Dorthin sollen abgelehnte Asylbewerber abgeschoben werden, die nicht in ihre Herkunftsländer zurückkehren könnten. Menschenrechtsorganisationen und Kirchenverbände hatten die geplanten Asylrechtsverschärfungen und Abschiebezentren kritisiert. Sie fürchten eine "Kriminalisierung der Migration". Brunner wies Warnungen vor rechtlichen Grauzonen zurück. Man arbeite in den Rückkehrzentren – auch Return Hubs genannt – mit Organisationen wie dem UN-Flüchtlingshilfswerk zusammen. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte sich wiederholt für solche Rückkehrzentren ausgesprochen. Neben Deutschland und Österreicht befürworteten auch EU-Staaten wie Dänemark die Einrichtung der Abschiebezentren in Drittstaaten. Der EU-Kommissar sprach wenige Tage vor dem Inkrafttreten des gemeinsamen europäischen Asylsystems (GEAS) am 12. Juni. Er betonte: "Das Recht auf Asyl bleibt bestehen. Daran gibt es keinen Zweifel." Deutschland sei Vorreiter bei der Umsetzung dieser Reform, sagte der ÖVP-Politiker. Ziel des gemeinsamen europäischen Vorgehens sei, Kontrolle über die Migration nach Europa zurückzugewinnen. Mitgliedsländer müssten sich zunächst darauf vorbereiten, in den kommenden zwölf Monaten an den EU-Außengrenzen insgesamt 60.000 Asylanträge zu prüfen, sagte Brunner. Davon hänge ab, ob der Solidaritätsmechanismus zwischen den 27 EU-Ländern aufgehe. Ländern wie Polen oder Ungarn, die die neuen Asylregeln bisher ablehnen, müsse man die Vorteile besser erklären. Das System könne das Vertrauen der Bevölkerung in legale Migration stärken, "die wir für unsere Arbeitsmärkte brauchen".