Papst Leo XIV. in Spanien: Papst mahnt »Treue zum Völkerrecht« an

Datum06.06.2026 15:31

Quellewww.zeit.de

TLDRPapst Leo XIV. mahnte bei seinem Spanienbesuch zur Treue zum Völkerrecht, zu Frieden und Dialog. Er rief Politiker auf, die Menschen nicht zu spalten und Friedensrufen Gehör zu schenken. Er bedauere, dass die Friedensbotschaft naiv oder provokativ klinge. Leo XIV. lobte Spaniens Geschichte der Begegnung und bot der Kirche zur Versöhnung an. Er warnte vor Vorurteilen im digitalen Zeitalter und plädierte für Investitionen in Bildung und Zivilgesellschaft, sowie die Vereinbarung von Autonomie und Einheit.

InhaltLeo XIV. hat zu Frieden und Dialog aufgerufen. Er bedauere, dass "die Botschaft des Friedens für manche naiv und für andere provokativ klingt", sagte er in Spanien. Papst Leo XIV. hat die Staats- und Regierungschefs der Welt dazu aufgerufen, die Menschen nicht durch "sterile Vereinfachungen" zu spalten, um an Popularität zu gewinnen. In einer Rede zum Auftakt seiner einwöchigen Spanienreise am Samstag forderte er die Politiker ferner auf, den Friedensrufen der Welt Gehör zu schenken. Er bedauere, dass "die Botschaft des Friedens in diesen Zeiten leider für manche naiv und für andere provokativ klingt", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Leo XIV. wurde zu Beginn seiner Spanienreise von König Felipe VI. und Königin Letizia empfangen. Unter dem Motto "Erhebt den Blick" will das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken nach der Hauptstadt Madrid auch Barcelona und die Kanarischen Inseln besuchen und auch obdachlose Menschen treffen. Er hoffe, mit seinem Besuch ein Beispiel für die Achtung jedes einzelnen Menschen zu setzen, hieß es. In dem überwiegend katholischen Land werden zu Veranstaltungen unter freiem Himmel Hunderttausende Menschen erwartet. Allein in Madrid sind nach Angaben der Behörden mehr als 14.000 Polizisten zu Leos Sicherheit im Einsatz. Für den US-Amerikaner, der seit Mai vergangenen Jahres an der Spitze der katholischen Kirche steht, ist es der erste Besuch in einem größeren europäischen Land außerhalb Italiens. "Ich lade alle dazu ein, die spaltenden und polarisierenden Narrative ihrer gesellschaftlichen Realität und Geschichte beiseitezulassen, um durch die fruchtbare Wertschätzung der Komplexität sterile Vereinfachungen zu überwinden", sagte Leo in einer Rede vor König Felipe VI. im Königlichen Palast in Madrid. Die Welt sehne sich "aus tiefster Verzweiflung nach Frieden". Spaniens Geschichte lehre, "dass nicht die Kultur der Konfrontation, sondern die der Begegnung Wohlstand schafft", sagte der Papst auch unter Verweis auf die historische Präsenz des Islam auf der Iberischen Halbinsel und den Dialog zwischen Christen, Muslimen und Juden. Die katholische Kirche sei bereit, "sich in den Dienst der Zukunft eines Volkes zu stellen, das nach Versöhnung und Frieden sucht". Leo XIV. warnte, im digitalen Zeitalter verschärften sich Vorurteile, während kritisches Denken geschwächt werde. Er verlangte einen Kurswechsel bei Investitionen in Bildung und Forschung sowie in die Zivilgesellschaft. Ohne Basken und Katalanen beim Namen zu nennen, rief er dazu auf, "die Forderungen nach Autonomie und Einheit in Einklang zu bringen". Die Spanier sollten "den Prozess der europäischen Einigung vorantreiben – nicht im Gegensatz zu anderen Mächten, sondern als Geschenk für die ganze Menschheitsfamilie". Die erste Rede des Papstes in Spanien wurde mit stehendem Applaus bedacht. König Felipe VI. hatte zuvor in einer Begrüßungsrede das Eintreten des Papstes gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche gelobt.