Datum06.06.2026 14:54
Quellewww.spiegel.de
TLDREin US-Mediziner, der sich mit dem Bundibugyo-Ebolavirus im Kongo infizierte, wurde in der Berliner Charité erfolgreich behandelt und ist nun entlassen. Nach zwei Wochen ohne nachweisbares Virus wurde die Isolation aufgehoben. Der Patient erhielt experimentelle Therapien und äußerte Dankbarkeit. Der Ausbruch im Kongo, gegen dessen Virustyp es keinen Impfstoff gibt, ist weiterhin schwer einzudämmen.
InhaltEin US-Mediziner steckte sich mit dem Ebola-Virus an. In einem Spezialflugzeug kam er nach Berlin und wurde auf einer Sonderisolierstation der Charité behandelt. Nun ist der 39-Jährige wieder mit seiner Familie vereint. Nach gut zwei Wochen Behandlung in der Berliner Charité ist der US-amerikanische Ebola-Patient aus dem Krankenhaus entlassen worden. Bei dem 39-Jährigen, der sich in der Demokratischen Republik Kongo infiziert hatte, sei seit dem 30. Mai kein Virus mehr nachgewiesen worden, teilte die Klinik am Samstag mit. Nach international üblichen Kriterien habe das zuständige Gesundheitsamt die Isolationsanordnung daher aufgehoben. Der US-Arzt war am 20. Mai in der Charité aufgenommen worden. Nach Angaben der Universitätsklinik war bei ihm der seltene Bundibugyo-Typ des Ebolavirus per PCR-Test nachgewiesen worden. Seine Ehefrau und vier Kinder kamen kurz darauf nach Berlin. Sie waren als "Hochrisikokontakte" eingestuft, hatten aber keine Symptome und befanden sich in einem getrennten Teil der Station in Quarantäne. Mehr zur Behandlung von Ebolapatienten auf Sonderisolierstationen in Deutschland lesen Sie hier . Eine Charité-Mitteilung zitierte den US-Patienten: "Meine Dankbarkeit lässt sich mit Worten nicht angemessen beschreiben." Er sei unter anderem mit experimentellen Therapien behandelt worden, die gegen diese Virusart erprobt werden. Er denke auch an die Menschen im Kongo, "die nicht die Möglichkeit haben, eine solche Versorgung zu erhalten". Das Ebolavirus wird durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. In der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika, wo der US-Amerikaner tätig war, ist der jüngste Ebolaausbruch schwer einzudämmen. Gegen den Bundibugyo-Typ gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff. Warum Fachleute besorgt sind, lesen Sie hier . Der Amerikaner war von Uganda aus mit einem Spezialflugzeug nach Berlin geflogen und dann unter hohen Sicherheitsvorkehrungen in die Charité gebracht worden. Anfangs sei der Mann sehr geschwächt gewesen und habe typische Symptome einer Ebola-Virus-Infektion gezeigt, so die Klinik. Zudem habe er eine hohe Viruslast aufgewiesen. Im Zuge einer kombinierten antiviralen Therapie und weiteren begleitenden medizinischen Maßnahmen hätten sich die Krankheitszeichen bereits im Verlauf der ersten Woche deutlich zurückgebildet. Sein Zustand habe sich kontinuierlich gebessert, die Laborwerte hätten sich normalisiert. Der Ebolaausbruch im Kongo und in Uganda ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch weit davon entfernt, unter Kontrolle zu sein. Im Kongo gibt es nach Angaben der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC mittlerweile 381 bestätigte Fälle, darunter 62 Todesfälle. Die WHO geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Im Nachbarland Uganda sind demnach bislang 16 Fälle und 1 Todesfall bestätigt worden. Nach Angaben der WHO ist es nach wie vor schwierig, die Kontakte von Infizierten zu isolieren und zu überwachen. Bislang sei es Gesundheitspersonal vor Ort erst gelungen, 45 Prozent aller Personen nachzuverfolgen, die mit Ebolainfizierten in Kontakt waren. Um die Ausbreitung der Viruskrankheit zu stoppen, sei es aber nötig, 90 Prozent aller Kontaktpersonen zu ermitteln. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einer Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben. Beim zweitschwersten erfassten Ausbruch von 2018 bis 2020 im Ostkongo starben rund 2300 Menschen.