Datum06.06.2026 12:33
Quellewww.spiegel.de
TLDRSpaceX plant einen Börsengang mit einer Bewertung von 1,75 Billionen Dollar, wobei bis zu 30 % der Aktien für Privatanleger reserviert werden könnten. Experten warnen wegen der extrem hohen Bewertung, erheblicher Verluste und geringer Stimmrechte für Privatanleger zur Vorsicht. Der Marktanteil von Privatanlegern in der EU ist gering, und frühere Börsengänge mit Privatanleger-Beteiligung verliefen negativ. Elon Musk zeigt sich optimistisch bezüglich der Umsatzprognosen.
InhaltMit dem geplanten Börsengang seiner Raumfahrtfirma will Elon Musk Geschichte schreiben – und selbst gut verdienen. Experten raten wegen der hohen Bewertung der SpaceX-Aktie und weiterer Risiken zur Vorsicht. Die Arbeit des US-Raumfahrtkonzerns SpaceX ist durch spektakuläre Missionen vielen Menschen bekannt. Doch Experten warnen nun vor den Risiken für Privatanleger beim geplanten Börsengang, auch hierzulande. Das Unternehmen erwägt, bis zu 30 Prozent der Aktienemission im Volumen von 75 Milliarden Dollar für Privatanleger unter anderem in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz zu reservieren. Banken berichten von einem beispiellosen Interesse. Doch Beobachter weisen darauf hin, dass Privatanlegern im Gegensatz zu institutionellen Investoren oft die Ressourcen zur Risikobewertung fehlten. Im Zentrum der Bedenken steht die anvisierte Firmenbewertung von 1,75 Billionen Dollar. "Es handelt sich um ein Unternehmen, das enorme Verluste macht", sagt der Ökonom Meziane Lasfer von der Londoner Bayes Business School. Bei dem Kurs, zu dem es an den Markt kommt, liege das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei 100, was extrem hoch sei. Normalerweise gelte ein Verhältnis von etwa zwei bis drei als sehr gut, so Lasfer. Zudem berge der geringe Streubesitz von weniger als fünf Prozent sowie das Fehlen von Stimmrechten Gefahren. Auch zwei weitere Wissenschaftler und ein Verbraucherschützer rieten Privatanlegern zur Vorsicht. SpaceX-Chef Elon Musk hatte am Donnerstag erklärt, er habe ein gutes Gefühl bei den Umsatzprognosen. Die Einnahmen seien viel berechenbarer geworden. Für den europäischen Kapitalmarkt gilt der Börsengang als wichtiger Test. Der Anteil des in Wertpapieren gehaltenen Vermögens in Privathaushalten liegt in der Europäischen Union bei lediglich 17 Prozent, verglichen mit 43 Prozent in den USA. Die Beteiligung von Privatanlegern an Börsengängen ist in Europa in den vergangenen Jahren selten geworden. Bei den 15 größten britischen Börsengängen im Jahr 2021 gab es nur bei dem Essenslieferanten Deliveroo eine Tranche für Privatanleger. Dessen Aktienkurs war am ersten Handelstag um bis zu 30 Prozent eingebrochen. Auch bei derzeit hoch bewerteten KI-Unternehmen wie Anthropic oder OpenAI warnen Experten vor den Risiken geplanter Börsengänge. Mehr dazu lesen Sie hier.