Ukraine-Krieg: Drohnen legen Petersburger Flughafen zeitweise lahm

Datum06.06.2026 10:17

Quellewww.spiegel.de

TLDRAm letzten Tag des Petersburger Wirtschaftsforums haben ukrainische Drohnen den Flughafen Pulkowo zeitweise lahmgelegt, was zu Flugverspätungen und -streichungen führte. Diese groß angelegten Angriffe beeinträchtigten auch weitere Orte in Russland, darunter den Hafen von Kronstadt. Die Störung fiel mit der Abreise von Delegationen des Forums zusammen. Russland meldete den Abschuss vieler Drohnen, während die Ukraine ihre Abwehrmaßnahmen gegen den anhaltenden russischen Angriffskrieg fortsetzt. Präsident Putin räumte geringe wirtschaftliche Schäden ein und betonte die Stärkung der Flugabwehr.

InhaltAusgerechnet am letzten Tag des Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg kommt es am dortigen Flughafen zu Ausfällen. Die massiven ukrainische Drohnenangriffen sorgen offenbar noch an weiteren Orte für Probleme für Russland. Am letzten Tag des internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg haben die ukrainischen Streitkräfte die Millionenstadt erneut unter Beschuss genommen. Gouverneur Alexander Beglow und auch der Zivilschutz informierten die Menschen über einen "großangelegten Angriff durch militärische Drohnen". Die Flugabwehr sei aktiv, hieß es in einer Mitteilung in dem Messengerdienst Telegram. Auf dem für die internationalen Gäste des Forums wichtigen Flughafen Pulkowo gab es am Samstagmorgen und Samstagvormittag zeitweilig keine Starts und Landungen wegen der Gefahr. Laut der offiziellen Website des Flughafens verspäteten sich seit sechs Uhr Ortszeit zahlreiche Abflüge und Ankünfte deutlich oder wurden gestrichen. Mehrere Flüge warteten demnach offenbar stundenlang auf eine Landung warten. Der Flughafen Pulkowo hat einen eigenen Abfertigungsbereich für Geschäftsreisende und VIP-Delegationen und gilt im Raum Sankt Petersburg als einziger relevanter Flughafen für internationale Flüge. Die Störung des Flugbetriebs könnte deshalb theoretisch auch für Delegationen, die an dem umstrittenen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg teilnehmen und am Samstag abreisen wollen, problematisch sein. Aus Deutschland war etwa eine Delegation der AfD zum Wirtschaftsforum gereist. "Gemäß den Empfehlungen des Einsatzstabs bitte ich die Einwohner von St. Petersburg, in ihren Wohnungen zu bleiben und nicht auf die Straße zu gehen", schrieb der Gouverneur bei Telegram. "Es kann zu Unterbrechungen des mobilen Internets kommen." Schon am ersten Tag des Wirtschaftsforums am Mittwoch bildeten sich nach dem Angriff auf eine Ölraffinerie schwarze Rauschwolken am blauen Himmel über der Altstadt, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. Im Leningrader Gebiet um St. Petersburg (früher Leningrad) meldete Gouverneur Alexander Drosdenko ebenfalls Drohnenalarm. Die Flugabwehr habe 141 Drohnen abgeschossen. Demnach kam es zu Bränden. Auch im von der russischen Kriegsmarine genutzten Ostseehafen von Kronstadt habe es Angriffe gegeben, hieß es. Berichte über Drohnenschläge gab es zudem aus dem Gebiet Krasnodar im Süden sowie aus anderen Teilen Russlands. Auch der Hafen von Mariupol in dem von Moskau annektierten Gebiet Donezk sei betroffen, hieß es. Nach Explosionen seien in Öldepots in Brand geraten, berichteten Medien. In sozialen Netzwerken kursierten von unabhängiger Seite zunächst nicht überprüfbare Videos, auf dem große Feuer und Rauchwolken zu sehen waren. Die ukrainischen Drohnenattacken gegen die russische Ölindustrie und militärische Ziele waren mehrfach Thema bei dem Wirtschaftsforum, das am Samstag ausklingt. Die Ukraine wehrt sich mit diesen Gegenangriffen gegen den seit gut vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg. Kremlchef Wladimir Putin räumte beim Forum am Freitagabend ein, dass es durch die Angriffe einen "gewissen Schaden" für die Wirtschaft gebe. "Diese Attacken führen natürlich zu nichts Gutem", sagte er. Wichtig sei eine Stärkung der Flugabwehr, Risiken für die Wirtschaft Russlands gebe es aber nicht, meinte der Präsident. Das Angebot des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu einem Treffen für Friedensverhandlungen lehnte er ab.