Meinung: Rätselhaftes Gehirn, Alternativen zur Zigarette und der gammelnde Ötzi - Die Lese-Empfehlungen der Woche aus der Wissenschaftsredaktion des SPIEGEL (Kopie)

Datum06.06.2026 09:44

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer SPIEGEL empfiehlt Artikel über spezialisierte "Konzeptneuronen" im Gehirn, die einzelne Konzepte wie Angela Merkel oder Kuchen erkennen können. Forscher beobachten diese Zellen bei Operationen. Eine weitere Empfehlung betrifft die Erstellung der bisher größten Karte der Magnetfelder im Universum, basierend auf der Analyse von Lichtsignalen aus dem westlichen Australien.

InhaltRätselhaftes Gehirn, Alternativen zur Zigarette und der gammelnde Ötzi: Die Leseempfehlungen der Woche aus der Wissenschaftsredaktion des SPIEGEL. Dass Ihr Gehirn Fantastisches vollbringt, erleben Sie jeden Tag. Aber Sie ahnen nicht einmal, wie ihm das gelingt. Das geht Neurowissenschaftlern kaum anders. Selbst wenn sie den Geheimnissen des Denkorgans stets näher kommen, so neigen diese dazu, immer rätselhafter zu werden. Wussten Sie zum Beispiel, dass im Oberstübchen spezialisierte Nervenzellen existieren, die nur die Aufgabe haben, Angela Merkel zu erkennen? Oder Geld? Oder James Bond, ganz gleich, ob der gespielt wird von Sean Connery oder Daniel Craig? Diese Neuronen gibt es tatsächlich. Auch eine auf Männer mit Bärten fixierte Zelle haben Experten gefunden, ebenso eine, die nur für den früheren US-Präsidenten Bill Clinton feuert, nicht aber für dessen Nachfolger George W. Bush. Diese Zellen werden "Konzeptneuronen" genannt – und vielleicht sind sie ein Schlüssel zum Verständnis des menschlichen Denkens und Gedächtnisses. Früher glaubten Forschende, dass viele Hirnzellen zusammenarbeiten müssten, um abstrakte Konzepte, Begriffe oder Objekte vor dem geistigen Auge entstehen zu lassen. Jetzt wird klar: Nein, einzelne Superspezialisten im Kopf spielen eine Schlüsselrolle im neuronalen Orchester, das Gedanken zur Aufführung bringt. Mein Kollege Johann Grolle war dabei, als Bonner Neurowissenschaftler jetzt einer Patientin mit Drähten im Kopf beim Denken zuschauen konnten. Juliane M., 33, leidet an Epilepsie und hat sich deswegen für eine sehr besondere Operation entschieden. Dabei wurden ihr vorübergehend bestimmte Forschungselektroden ins Gehirn implantiert. Sie können solche Konzeptneuronen aufspüren, wenn der Patientin bestimmte Bilder gezeigt werden. In M.s Fall konnten sie eine Kuchen-Zelle identifizieren. "Sie feuert zuverlässig bei Bildern von Kirschtorte, Marmor- und Apfelkuchen, Bienenstich und Donauwelle, ganz gleich, ob nur ein Tortenstück oder ein ganzer Kuchen zu sehen ist", schreibt Johann. Backwaren allgemein interessierten das Neuron nicht: "Bei Fotos, die Brot oder Croissants zeigten, blieb die Kuchen-Zelle stumm". Das faszinierende Stück über unsere so seltsamen wie wunderbaren Hirnzellen lesen Sie hier . Herzlich Ihr Marco Evers Die Vermessung des Himmels: Im Westen Australiens haben Forschende das Firmament gescannt mit 36 sogenannten Parabolantennen, die sogar noch Lichtsignale empfangen aus Millionen anderer Galaxien. Damit ist es ihnen nun gelungen, die bislang größte Karte der Magnetfelder im Universum zu erstellen. Der Magnetismus ist eine prägende Kraft im All, beteiligt etwa bei der Entstehung von Sternen. Aber – er ist unsichtbar. Die Experten konnten ihn indirekt darstellen, indem sie im Detail maßen, wie stark die Magnetfelder das Licht verdrehen. (Feedback & Anregungen? )