Nach KI-Hype: US-Aktien gehen auf Talfahrt

Datum06.06.2026 07:23

Quellewww.spiegel.de

TLDRNach monatelangem KI-Hype gerieten US-Aktien, insbesondere Technologie- und Chipwerte wie Nvidia und IBM, unter Druck. Dies wird auf die Erwartung von Zinsanhebungen durch die US-Notenbank Fed und Gewinnmitnahmen zurückgeführt. Stark positive Arbeitsmarktdaten und steigende Renditen der US-Staatsanleihen trugen zur Abwertung des Dollars und gefallenen Rohstoffpreisen bei. Ein großer Deal zwischen Google und SpaceX im Bereich KI sorgt jedoch weiterhin für Aufmerksamkeit.

InhaltGetrieben von der Euphorie über künstliche Intelligenz, kannten die US-Börsen monatelang nur den Weg nach oben. Nun ging es für Techunternehmen wie Nvidia oder IBM deutlich bergab. Ein unerwarteter Deal stach jedoch heraus. Viele Anleger dürften sich beim Blick ins Depot gewundert haben: Nach dem monatelangen Hype um künstliche Intelligenz (KI) gingen zahlreiche US-Werte am Freitag auf Talfahrt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor bis zum Mittag (Ortszeit) 0,8 Prozent auf 51.167 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 ‌fiel um 1,7 Prozent auf 7457 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rutschte um 2,9 Prozent auf 26.055 Punkte ab. Auch einzelne Werte verloren deutlich. Aktien von IBM rauschten um mehr als 6,5 Prozent abwärts, Titel von Nvidia fielen um 5,2 Prozent. Der Philadelphia-Chip-Index verlor fünf Prozent, seit Jahresbeginn hat er 92 Prozent zugelegt. Kursgewinne bei Halbleiteraktien hatten die Rekordrally an den US-Märkten maßgeblich befeuert. Seit Jahresbeginn hat der Nasdaq-Index rund 16 Prozent zugelegt. "Die Marktteilnehmer preisen eine 100-prozentige Wahrscheinlichkeit ​für eine Zinserhöhung der Fed im Laufe dieses Jahres ein. Das treibt die Zinsmärkte nach oben und gibt einigen Anlegern Anlass, Gewinne mitzunehmen", ⁠sagte Charlie Ripley, Stratege ⁠bei Allianz Investment Management. Am US-Arbeitsmarkt entstanden im Mai trotz der Unsicherheit durch den Irankrieg doppelt so viele Jobs wie erwartet. Unter dem Strich wurden 172.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. An den Terminmärkten wurde die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der ‌US-Notenbank Fed im Dezember nach der Datenveröffentlichung bei 63 Prozent gesehen, nach zuvor 48 Prozent. ​ Für den Juni-Entscheid gingen ‌die Börsianer nach wie vor von einer anhaltenden Zinspause aus. Die Fed, die Vollbeschäftigung fördern und Preisstabilität sichern soll, hat den Leitzins jüngst in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent konstant gehalten. An den Anleihemärkten kletterten die Renditen der zehnjährigen US-Treasuries auf 4,58 Prozent, der US-Dollar erhielt Auftrieb. Im Gegenzug sank der Euro. Bedingt durch den steigenden Dollar und wachsende Inflationsängste fielen die Preise für Gold und Industriemetalle. Die Ölpreise gaben um mehr als zwei ‌Prozent nach, obwohl die ersehnte Einigung im Irankrieg weiter ausblieb. Ganz vorbei ist der KI-Höhenflug unterdessen noch immer nicht: Der Internetkonzern Google will für den Zugriff auf einen riesigen Chip-Cluster monatlich 920 Millionen Dollar, umgerechnet knapp 800 Millionen Euro, an das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX zahlen. Diese Vereinbarung geht aus den Unterlagen für den Börsengang des Konzerns von Techmilliardärs Elon Musk hervor. Er will SpaceX am 12. Juni an die Technologiebörse Nasdaq bringen und damit rund 75 Milliarden Dollar einsammeln – das wäre der bisher größte Börsengang der Geschichte.