Düsseldorf stoppt Planungen für Milliardenprojekt »Opernhaus der Zukunft«

Datum05.06.2026 17:42

Quellewww.spiegel.de

TLDRDüsseldorf stoppt die Pläne für einen milliardenschweren Neubau des Opernhauses. Angesichts finanzieller Engpässe sei eine Sanierung des bestehenden Hauses die wirtschaftlichere Lösung. Oberbürgermeister Stephan Keller begründete die Entscheidung mit den aktuellen Haushaltsbedingungen. Stattdessen sollen alternative städtebauliche Maßnahmen am geplanten Standort geprüft werden. Der Spielbetrieb der Deutschen Oper am Rhein, die Düsseldorf mit Duisburg teilt, ist weiterhin gesichert.

InhaltDen Architekturwettbewerb gab es schon. Doch Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt bekommt nun doch keinen Opern-Neubau. Düsseldorfs OB Stephan Keller verwies auf den Haushalt, nun soll das bisherige Haus saniert werden. Das Prestigeprojekt eines milliardenschweren neuen Opernhauses in Düsseldorf fällt dem Spardruck zum Opfer. Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) habe entschieden, die weitere Planung für das neue Opernhaus zu stoppen, teilte die Stadt mit . Das alte Opernhaus soll nun "ertüchtigt" werden. Der Spielbetrieb der Deutschen Oper am Rhein sei gesichert. Als Grund für die Kehrtwende nannte die Landeshauptstadt die "aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen", an denen sich die Investitionsplanung ausrichten müsse. "Die Entscheidung, die Planung für das Projekt Opernhaus der Zukunft zu stoppen, ist mir alles andere als leicht gefallen", sagte Keller. Wie die "Rheinische Post" aus Ratskreisen berichtet, rutsche die Stadt Düsseldorf in immer größere Finanzprobleme. Die neue Oper habe zwar einen Kostendeckel von einer Milliarde Euro, aber mit den Finanzierungskosten über 50 Jahre müsse man von insgesamt rund 1,8 Milliarden Euro ausgehen. Es stünden auch andere Ausgaben wie neue Schulen und eine neue Brücke an. Der Düsseldorfer Stadtrat hatte Ende 2021 einen Neubau des Opernhauses beschlossen, der nach früheren Angaben mindestens 716 Millionen Euro kosten sollte. Eine aufwendige Sanierung des bestehenden Opernhauses aus der Nachkriegszeit war zunächst verworfen worden. Für den Neubau des Opernhauses hatte es bereits einen Architekturwettbewerb gegeben. Der siegreiche Entwurf stammte vom Architekturbüro Snøhetta Oslo AS. Oberbürgermeister Keller lobte auch jetzt noch die Idee, die Deutsche Oper am Rhein, die Clara-Schumann-Musikschule und die Musikbibliothek an einem Standort zusammenzuführen, für ihn ein "Dreiklang aus Kultur, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe". An dem geplanten Standort des Neubaus am Wehrhahn sollen alternative städtebauliche Maßnahmen geprüft werden: "So könnte ein urbanes Quartier, beispielsweise aus Gastronomie, Einzelhandel und Wohnen, entstehen, das ähnlich einer Oper zur Aufwertung des Areals am östlichen Ende der Schadowstraße beitragen könnte." Düsseldorf bildet gemeinsam mit Duisburg die Theatergemeinschaft "Deutsche Oper am Rhein" mit einem Ensemble, aber zwei Hauptspielstätten. Mit der Spielzeit 2027/28 soll die 2025 ernannte Dramaturgin Ina Karr ihre Stellung als neue Generalintendantin der Rheinoper antreten. Sie war zuvor in Luzern tätig. Dort lehnte die Bevölkerung einen Theaterneubau ab, was Karr als "Katastrophe" bezeichnete. Lesen Sie hier mehr  über die Opern-Neubaupläne in Hamburg und ein Interview  mit deren Finanzier Klaus-Michael Kühne.