Meinung: News des Tages: Uno-Sicherheitsrat, Boeing 787, Nastassja Kinski und Wim Wenders

Datum05.06.2026 17:34

Quellewww.spiegel.de

TLDRDeutschland bewirbt sich erneut um einen Sitz im Uno-Sicherheitsrat. Dies hat Kanzler Merz nach der gescheiterten Kandidatur bekannt gegeben. Am Frankfurter Flughafen untersuchen Experten einen Vorfall, bei dem das Bugfahrwerk einer Boeing 787 einklappte und fünf Personen verletzte. Nastassja Kinski fordert die Löschung einer Nacktszene aus Wim Wenders' Film "Falsche Bewegung", was gesellschaftliche Debatten über Kunstfreiheit und Jugendschutz auslöst.

InhaltAm größten deutschen Flughafen untersuchen Experten die Lufthansa-Maschine, deren Fahrwerk plötzlich wegklappte. Deutschland bewirbt sich erneut um einen Sitz im Uno-Sicherheitsrat. Und Nastassja Kinski äußert sich zur Debatte über die Nacktszene im Wenders-Film. Das ist die Lage am Freitagabend. Die drei Fragezeichen heute: Deutschland wird sich nach der gescheiterten Kandidatur für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für die Periode 2035/36 erneut um einen Sitz im mächtigsten Uno-Gremium bewerben. Das kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz an. Mit der frühen Bewerbung sind offenbar zwei Ziele verbunden, ein kommunikatives und ein taktisches. Zum einen soll der Anspruch Deutschlands deutlich werden, international eine aktive Rolle zu spielen. Zum anderen soll niemand später sagen können, er habe vom deutschen Wunsch nichts gewusst. Und es passt zur verstolperten Kommunikation von Außenminister Wadephul, der nach der Niederlage in den sozialen Medien ein Video  mit Rocky-Balboa-Zitaten posten ließ: "It ain’t about how hard you hit. It’s about how hard you can get hit and keep moving forward." Angebrachter und hübscher wäre das Lebensmotto von Dieter Hallervorden gewesen: "Immer einmal mehr aufstehen als hinfallen." Mein Kollege Roland Nelles findet, es liege nahe, die Schuld für die Schmach bei der Bundesregierung zu suchen. "Doch so einfach ist es nicht." In Frankfurt haben sie den kaputten Boeing-Dreamliner 787-9 abgeschleppt und auf das sogenannte Technikgelände gebracht, wo sich Experten der – herrliches deutsches Wort! – Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung die Maschine vornehmen (hier mehr). Wobei es genau genommen kein Flugunfall war, was sich am Donnerstag auf dem größten deutschen Airport ereignete. Kein Absturz, keine Bauchlandung, eher ein "Knicks", wie es ein Kollege nannte: Während Lufthansa- und Flughafen-Mitarbeiter die Maschine für den Flug LH450 nach Los Angeles vorbereiteten, klappte sich um 12.45 Uhr unerwartet das Bugfahrwerk ein. Fünf Mitarbeitende wurden verletzt, hieß es. Die Passagiere, die am Gate A15 in Terminal 1 warteten, konnten also sehen, wie die Boeing boing machte. Einigen wir uns auf das Wort Vorfall. Einen ähnlichen gab es in London im Jahr 2021, wie meine Kollegen Henrik Bahlmann und Marco Evers berichten. "Die Ursache damals: Das Bodenwartungsteam sollte die Funktion des Fahrwerks kontrollieren", schreiben die Kollegen. "Dafür musste ein Techniker einen Sicherungsbolzen am Bugfahrwerk anbringen, um zu verhindern, dass es während der Arbeiten einfahren könnte." Der Techniker habe diesen Bolzen allerdings nicht in die dafür vorgesehene Öffnung gesteckt, sondern in eine andere von gleicher Größe. Dummerweise liegt sie nur Zentimeter von der richtigen Bohrung entfernt. Kein Wunder, dass manche Vielflieger gern witzeln: "If it’s Boeing, I’m not going." Die Schauspielerin Nastassja Kinski hat auf die Debatte über eine Nacktszene in dem Film "Falsche Bewegung" von Wim Wenders reagiert. Es sei nicht leicht, aber seit Langem fällig gewesen, diesen Moment anzusprechen, schrieb Kinski in einem Instagram-Post. Was bisher geschah: In ihrem Post nahm Kinski keinen Bezug auf die Entscheidung des Filmemachers. Ihr Anwalt hatte Wenders’ Mitteilung begrüßt, sie aber auch als "längst überfällig" bezeichnet. Meine Kollegin Ulrike Knöfel aus unserem Kulturressort findet: "Wir müssen die Kunstfreiheit sehr ernst nehmen. Dazu gehört, dass Kunstwerke nicht mal eben gecancelt werden sollten, auch nicht nach Jahrzehnten." Aber dieser Fall betreffe auch den Schutz von Jugendlichen. "Hier geht es um die hoch sexualisierte Darstellung der damals erst 13 Jahre alten, weitgehend nackten Nastassja Kinski." Dass sie verlange, die Szene zu löschen, sei auf jeden Fall verständlich. Vielleicht wolle Kinski auch ein größeres gesellschaftliches Zeichen setzen, "denn die grundsätzlichen Fragen gehen ja über sie und Wenders hinaus, und auch das ist ernst zu nehmen". Wer noch immer auf eine Mäßigung der AfD hofft, sollte auf diese Wahl schauen, finden meine Kollegin Carlotta Böttcher und mein Kollege Peter Maxwill: In der sächsischen Stadt Aue-Bad Schlema könnte am Sonntag der Neonazi und IT-Berater Stefan Hartung zum Oberbürgermeister gewählt werden. Er ist Mitglied der "Freien Sachsen, die AfD überlässt ihm das Feld. Lady Saga: Madonna, 67, hat am New Yorker Times Square ein 15-minütiges Überraschungskonzert gegeben. Im pinkfarbenen Korsett, silbernen Stiefeln und mit blauer Brille spielte sie unter anderem Hits wie "Hung Up" und "I Love New York". Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Könnten Sie ins Kino gehen und sich, falls Sie in den Achtzigerjahren aufgewachsen sind, in Ihre Kindheit zurückversetzen lassen. Gerade ist der neue "Masters of the Universe"-Film angelaufen, in dem He-Man sein Zauberschwert wiederfindet, nach Eternia zurückkehrt, seine Mannen Fisto, Ram Man und Mekaneck um sich scharrt, um den Planeten vom Joch seines Erzfeindes Skeletor zu befreien. Wenn Sie kaum ein Wort des letzten Satzes verstanden haben, sollten Sie allerdings dringend etwas anderes machen. Mein Kollege Lars-Olav Beier findet den Film "vergnüglich, aber nicht allzu tiefgründig". Man tut ihm "keinen Gefallen, wenn man ihm zu viel Bedeutung zumisst". (Hier mehr dazu .) Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende. Nehmen Sie es, gnihi, nicht zu Schwert. HerzlichIhr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion