Datum05.06.2026 16:30
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie BVG hat die Werbekampagne des rechtspopulistischen Portals "Nius" im Berliner Nahverkehr gestoppt. Auslöser war ein neues Motiv, das nach Ansicht der BVG die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreitet. Zuvor hatte es massive Proteste gegen die provokanten Plakate gegeben, die von einer Mehrheit der Berliner abgelehnt wurden. "Nius" kündigte rechtliche Schritte wegen des Anzeigenstopps an und löste damit erneut eine Debatte aus.
InhaltDas rechte Krawallmedium von Ex-"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt sorgte mit einer Kampagne im Berliner Nahverkehr für Proteste. Nun hat die BVG die Werbung gestoppt, wegen eines neuen Motivs. Wer Werbung schaltet, erhofft sich Aufmerksamkeit. Manchmal sind es gar nicht so sehr die Anzeigen oder Plakate selbst, die sie erzeugen, sondern die Reaktionen darauf. Auf diesen Effekt dürfte das rechtspopulistische Portal "Nius" gehofft haben, als es im öffentlichen Nahverkehr Berlins eine Werbekampagne mit provokativen Sprüchen startete. Die Reaktionen kamen: Es gab eine hunderttausendfach unterschriebene Onlinepetition , die die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) aufforderte, sich gegen "rechtspopulistische Angstmache in Berliner U-Bahnen zu wehren". Es gab einen offenen Brief der Journalismusgewerkschaft von Ver.di, in dem es hieß, die Werbung sei "kein guter Look für eine BVG, die für alle Berliner*innen da ist". Die Aktivismusgruppe Campact ließ gar einen Plakatwagen mit Gegenslogans neben einem Doppeldecker mit "Nius"-Werbung herfahren . Zunächst hatten die Proteste keine Auswirkung: Die BVG verwies darauf, dass erstens ein externer Werbevermarkter für die Befüllung der Werbeflächen im Nahverkehr zuständig sei. Und dass man zweitens als öffentliches Unternehmen Grundsätzen wie Meinungsfreiheit und Gleichbehandlung unterliege. Daher müsse man alle Motive zeigen, die nicht gegen rechtliche Vorgaben verstoßen. Am Freitag hat die BVG die "Nius"-Kampagne nun allerdings doch gestoppt. In einer Pressemitteilung verkündete das Verkehrsunternehmen, man habe den Werbevermarkter aufgefordert, sie "mit sofortiger Wirkung zu beenden." Anlass sei die Veröffentlichung eines Motivs auf Social Media, "das den Eindruck erzeugt, es hinge in der Berliner U-Bahn". Dieses überschreite "aus Sicht der BVG und nach rechtlicher Bewertung die Grenzen der zulässigen Meinungs- und Werbefreiheit". Da eine gekündigte Werbekampagne erst recht Aufmerksamkeit einbringt, machte "Nius"-Chefredakteur Julian Reichelt umgehend bei "X" öffentlich, welcher Slogan gemeint ist: "Wir werden immer beliebter bei sämtlichen beiden Geschlechtern" – offenbar eine Anspielung auf die transfeindliche Haltung seines Portals. 2025 wurde "Nius" zur Zahlung von 6000 Euro verurteilt, weil eine trans Frau dort mehrmals misgendert wurde. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die BVG betont, "das derzeit im Umlauf befindliche Motiv auf Social Media" sei "weder Gegenstand der gebuchten Kampagne noch wurde es von der BVG oder ihrem Vermarkter freigegeben oder veröffentlicht". Reichelt kündigte an, man prüfe wegen des Anzeigenstopps rechtliche Schritte. Lesen Sie hier, wie viel Verlust die Dachgesellschaft von "Nius" macht und wer das Portal finanziert.