Hummeln lösen selbstständig Probleme: Wenn eine Zuckerlösung lockt, werden sie kreativ

Datum05.06.2026 14:23

Quellewww.spiegel.de

TLDRHummeln können laut einer Studie selbstständig komplexe Probleme lösen. In einem Experiment schoben sie gezielt einen Ball unter eine künstliche Blume, um an eine Zuckerlösung zu gelangen. Die Ergebnisse legen nahe, dass Hummeln neue Aufgaben nicht nur durch Versuch und Irrtum, sondern spontan und zielgerichtet bewältigen. Diese Fähigkeit stellt die Annahme infrage, dass solch hohe kognitive Leistungen nur Wirbeltieren mit großen Gehirnen vorbehalten sind.

InhaltDas Gehirn einer Hummel besteht nur aus einer Million Nervenzellen und ist doch zu erstaunlichen Leistungen imstande. Ein Experiment zeigt, wie gut die Insekten selbstständig Probleme lösen. Hummeln können einer Studie zufolge selbstständig Probleme lösen. In einem Experiment verschoben sie eine Kugel so geschickt, dass sie an eine Zuckerlösung gelangten, berichtet ein Team um den Verhaltensökologen Olli Loukola von der finnischen Universität Oulu im Magazin "Science" . Die Ergebnisse würden darauf hindeuten, dass Hummeln "neuartige Aufgaben spontan und zielgerichtet lösen können – und nicht nur durch Versuch und Irrtum", schreibt das Team. Hummeln gehören zur Familie der sogenannten Echten Bienen. Ihr Gehirn ist etwa so klein wie ein Sesamkorn und enthält ungefähr eine Million Nervenzellen, das entspricht etwa einem Hunderttausendstel des menschlichen Gehirns. Dennoch ist es erstaunlich leistungsfähig, wie verschiedene Studien ergaben: Hummeln spielen mit Bällen, können bis vier oder fünf zählen und Gesichter erkennen. Die finnischen Forschenden setzten Hummeln in ein rundes Gefäß mit dem Durchmesser einer Untertasse. In diesem lag ein kleiner Ball aus Polystyrol. An der Decke war eine künstliche blaue Blume mit einer Zuckerlösung befestigt. Das Gefäß war so konstruiert, dass die Hummeln nicht darin schweben konnten, um die Blume zu erreichen. Wozu sie die Kugel nutzen konnten, führte die Forschungsgruppe den Hummeln nicht vor. Hatten diese zuvor den Ball und eine ähnliche Blume, die für sie erreichbar war, unabhängig voneinander erkunden können, schob die Mehrheit der Hummeln den Ball dennoch zuverlässig unter die Blume an der Decke, kletterte auf ihn und gelangte so an die Zuckerlösung. Um zu untersuchen, wie zielgerichtet das Verhalten der Hummeln ist, verschärfte die Gruppe die Versuchsanordnung. Sie unterteilte das Gefäß in zwei Abteilungen. Nur in einer befand sich eine Blume. Die Hummeln durften das Gefäß inspizieren, sahen jedoch die Blume nicht von dem Ort aus, an dem die Kugel lag. 23 von 30 Hummeln schoben die Kugel auch in diesem Fall an die richtige Stelle. Der Befund füge den geistigen Fähigkeiten der Bienen "eine weitere Ebene der Komplexität hinzu", sagte Gema Martin-Ordas, Kognitionsforscherin an der schottischen Universität Stirling, auf Anfrage von "Science" . Sie war selbst nicht an der Arbeit beteiligt. Die finnischen Forschenden schreiben in ihrem Artikel, das Experiment stelle "die Vorstellung infrage, dass derart fortgeschrittene kognitive Fähigkeiten ausschließlich Wirbeltieren mit großem Gehirn vorbehalten sind".