Datum05.06.2026 08:57
Quellewww.spiegel.de
TLDRAlice Schwarzer warnt vor Rentennachteilen für Frauen. Obwohl der Gehaltsunterschied statistisch geringer ist, arbeiten Frauen oft in Teilzeit, um sich um Kinder zu kümmern, was ihre eigenen Rentenansprüche schmälert. Dies führt zu finanziellen Nachteilen im Alter, insbesondere bei Trennungen. Schwarzer kritisiert fehlende Kinderbetreuungsinfrastruktur und betont, dass Männer karrieretechnisch schneller vorankommen, während Frauen zurückstecken.
InhaltAuf dem Papier ist der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen gesunken. Doch bei der Rente sieht Deutschlands bekannteste Feministin Frauen im Nachteil. Für die Publizistin Alice Schwarzer steht das Thema Rente ganz oben auf der Agenda der deutschen Frauenbewegung. "Die überwältigende Mehrheit der Frauen mit kleinen Kindern arbeitet in Teilzeit. Und während die Frau Teilzeit arbeitet und den Haushalt schmeißt, macht der Mann Karriere", sagte Schwarzer der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Köln. "Den größten Karrieresprung machen die Männer, wenn das erste und das zweite Kind kommen. Das zeigen uns die Studien", sagte die Emma-Herausgeberin. Die Teilzeit erweise sich für viele Frauen als Sackgasse: "In dem Moment, wo eine Beziehung auseinanderbricht und die Frau auf ihre selbst erworbenen Rentenrechte angewiesen ist, ist sie natürlich ganz arm dran." Der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen liege auf dem Papier bei sechs Prozent. "Das sind immer noch sechs Prozent zu viel", sagte Schwarzer. Dabei hätten viele Frauen trotz vergleichbarer Gesamtarbeitsleistung weniger Rente zu erwarten als Männer. Frauen würden dann oft ihre Erwerbsarbeit unterbrechen, sagte Schwarzer: "Denn sie macht Familienpause, wo sie sich nur um die kleinen Kinder kümmert, und arbeitet in Teilzeit." Die mangelnde Infrastruktur bei der Kinderbetreuung sei ebenfalls ein Problem, sagte Deutschlands bekannteste Feministin. So fehlten etwa Ganztagsschulen oder Ganztagskindergärten. "Und die Tatsache, dass das in Ostdeutschland günstiger aussah, verbessert unsere Statistiken, sonst wäre es noch viel schlimmer."