Datum05.06.2026 07:30
Quellewww.zeit.de
TLDRBei der Landratswahl in Saalfeld-Rudolstadt, einer SPD-Hochburg, tritt die AfD an, um nach Sonneberg einen weiteren Landratstську zu gewinnen. Amtsinhaber Marko Wolfram (SPD) stellt sich zur Wiederwahl gegen den AfD-Kandidaten Thomas Benninghaus und den unabhängigen Wolfgang Wehr. Angesichts des Erstarkens der AfD auf Landesebene ist das Wahlergebnis ungewiss.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Kommunalwahl“. Lesen Sie jetzt „Landratswahl in SPD-Hochburg - Ausgang offen“. Kann die AfD nach Sonneberg ein zweites Landratsamt in Thüringen erobern? Darum geht es an diesem Sonntag bei der Landratswahl im Kreis Saalfeld-Rudolstadt. Das Landratsamt im ehemaligen Residenzschloss in Saalfeld ist seit Jahren fest in der Hand von Sozialdemokraten. Seit der Kreisgründung 1994 haben mit Ausnahme von zwei Jahren erst die SPD-Landrätin Marion Philipp und in den vergangenen zwölf Jahren SPD-Mann Marko Wolfram die Geschicke des Kreises im Südosten des Freistaates gelenkt. Wolfram, der für eine dritte Amtszeit antritt, muss sich nun mit zwei Herausforderern messen. So recht wagt vor dem Wahltag niemand eine Prognose, wie die Abstimmung in der SPD-Hochburg ausgehen könnte. AfD-Kandidat ist der Landtagsabgeordnete Thomas Benninghaus, der dem Lager von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke zugerechnet wird. Benninghaus hatte bei der Landtagswahl vor zwei Jahren in der Region erstmals ein Direktmandat gewonnen. Kritiker kreiden ihm Äußerungen an, die sie als geschichtsrevisionistisch ansehen - vor allem im Zusammenhang mit dem Gedenken an Opfer des Zweiten Weltkriegs. Benninghaus, Jahrgang 1973, ist nach eigenen Angaben kaufmännischer Fachwirt. Als dritter Bewerber geht Wolfgang Wehr ins Rennen. Er ist Bauingenieur und Professor an der Fachhochschule Erfurt. Wehr, Jahrgang 1964, verweist auf kommunale Erfahrungen als Bürgermeister der Kleinstadt Gräfenthal in der Zeit zwischen 2018 und 2024. Er ist Parteilos, könnte nach Angaben aus dem Kreis aber von BSW und FDP unterstützt werden. Der SPD, die in Umfragen derzeit in Thüringen im Bereich zwischen sechs und sieben Prozent liegt, könnte ein Erfolg bei der Kommunalwahl Selbstbewusstsein geben. Nach Angaben ihrer Landesgeschäftsstelle stellt sie neben Saalfeld-Rudolstadt derzeit die Landräte in den Kreisen Gotha, Kyffhäuser und Nordhausen. 2020 hatte der heute 52 Jahre alte Wolfram, ein diplomierter Volkswirt, die Wahl bereits im ersten Durchgang mit einem Ergebnis von 58,5 Prozent für sich entschieden - ebenfalls gegen zwei Mitbewerber. Damals lag die Wahlbeteiligung bei nur 42,4 Prozent. Doch seitdem haben sich die politischen Verhältnisse zumindest auf Landesebene geändert. Die AfD wurde bei der Landtagswahl 2024 stärkste Partei und liegt bei Umfragen in Thüringen weiterhin vorn. Regionale Umfragen zur Beliebtheit von Parteien gibt es nicht. Bei der SPD heißt es, Wolfram sei beliebt, besondere Ereignisse habe es im Wahlkampf nicht gegeben. Im Juni 2023 hatte die AfD erstmals in Deutschland ein kommunales Spitzenamt gewonnen. Ihr Kandidat Robert Sesselmann setzte sich im Südthüringer Kreis Sonneberg in der Stichwahl gegen den amtierenden Landrat Jürgen Köpper von der CDU durch. Seitdem ist Sesselmann als Landrat im Amt. © dpa-infocom, dpa:260605-930-176148/1