Gender-Pay-Gap: Prien will EU-Richtlinie zu Lohntransparenz nachverhandeln

Datum05.06.2026 07:28

Quellewww.zeit.de

TLDRBundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) kritisiert die EU-Richtlinie zur Lohntransparenz wegen übermäßiger Bürokratie. Trotz des Ziels, den Gender-Pay-Gap zu verringern, möchte sie Nachverhandlungen zur Entbürokratisierung erreichen. Die Richtlinie, die bis Juni umgesetzt sein sollte, fordert Gehaltsangaben in Stellenausschreibungen und Berichte für größere Unternehmen. Prien teilt das Ziel der Lohngerechtigkeit, zweifelt jedoch an der Möglichkeit einer vollständigen Abschaffung der Richtlinie.

InhaltDeutschland muss eine EU-Richtlinie zu Lohntransparenz umsetzen. Bundesfrauenministerin Karin Prien kritisiert die entstehende Bürokratie und will Änderungen erreichen. Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) hat die EU-Richtlinie zu Lohntransparenz kritisiert. Ein entsprechendes Gesetz würde deutlich mehr Bürokratie mit sich bringen, sagte Prien in einem Podcast des Magazins Politico. Die Bundesregierung sei dabei, "an allen Ecken und Enden" Berichts- und Auskunftspflichten abzubauen. Dazu passe die EU-Richtlinie "gar nicht". Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie muss eigentlich bis 7. Juni in nationales Recht umgesetzt werden. Priens Ministerium hat aber bereits angekündigt, dass die Frist nicht eingehalten wird. Die Richtlinie soll durch verpflichtende Angaben Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern verringern und so für mehr Fairness am Arbeitsmarkt sorgen. Unter anderem sollen Arbeitgeber in Stellenausschreibungen das eingeplante Gehalt angeben müssen. Außerdem bekommen Beschäftigte im Vergleich zur heutigen deutschen Rechtslage mehr Auskunftsansprüche zu den Gehaltsstrukturen in ihrem Unternehmen. Größere Firmen müssen darüber auch Berichte veröffentlichen. Durch Nachverhandlungen will Prien Anpassungen erreichen. "Wir sind in Gesprächen mit unseren europäischen Partnerländern und werden mal sehen, ob wir gemeinsam nochmal etwas erreichen bei der EU-Kommission", sagte Prien. An eine Abschaffung glaubt sie nicht. Wahrscheinlich werde man "um eine bürokratiearme Umsetzung nicht umhinkommen". Trotz ihrer Kritik an der Umsetzung teile sie das Ziel der Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen, sagte Prien. "Wir sind in einer Situation, wo plötzlich alle gleichstellungspolitischen Themen nicht mehr wichtig zu sein scheinen." Das sei ein Fehler. Laut Statistischem Bundesamt bekamen Frauen im vergangenen Jahr im Durchschnitt pro Arbeitsstunde 16 Prozent weniger Lohn als Männer. Der Gender Pay Gap lässt sich zum Teil durch Faktoren wie eine höhere Teilzeitquote von Frauen und ihre höhere Präsenz in schlechter bezahlten Berufen erklären. Allerdings verdienten der Statistik zufolge Arbeitnehmerinnen auch bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie im Durchschnitt sechs Prozent weniger Geld pro Stunde als ihre männlichen Kollegen.