Datum05.06.2026 07:13
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Staatsanwaltschaft Berlin hat die Ermittlungsgruppe "Telum" zur Bekämpfung von Schusswaffendelikten und organisierter Kriminalität eingerichtet. Seit Februar befinden sich 29 Verdächtige in U-Haft, 126 Verfahren werden bearbeitet. Hauptsächlich geht es um Schutzgelderpressung und Einschüchterung durch Schüsse. Die Justiz setzt auf die Zerschlagung krimineller Netzwerke, um die Gewalt einzudämmen, die 2025 deutlich zugenommen hat.
InhaltSchutzgelderpressung als Geschäft, Schüsse zur Einschüchterung: Berlin hat zuletzt vermehrt Schusswaffendelikte registriert. Inzwischen gehen die Ermittler mit speziellen Teams gegen kriminelle Netzwerke vor. Wegen der Zunahme von Schüssen in Berlin gründete die Staatsanwaltschaft vor rund drei Monaten die Ermittlungsgruppe "Telum" – inzwischen befinden sich 29 Verdächtige in Untersuchungshaft. Das teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit. Insgesamt bearbeiten die Juristen demnach 126 Verfahren (Stichtag 27. Mai). In acht weiteren Fällen sei Anklage erhoben worden. In einem Fall begann am Dienstag vor dem Landgericht Berlin der Prozess: Es geht um Schutzgelderpressung und Schüsse als Denkzettel. Vier Männer im Alter von 21 bis 26 Jahren stehen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchter schwerer räuberischer Erpressung und Bedrohung vor Gericht. Die Ermittlungsgruppe "Telum" (lateinisch für "Angriffswaffe") wurde Ende Februar eingerichtet, um die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität zu verstärken . Die Staatsanwaltschaft reagierte damit auf die speziell gegen Organisierte Kriminalität und illegalen Waffenhandel eingerichtete Ermittlungseinheit "Ferrum" ("Eisen") des Landeskriminalamtes. Beide Gruppen arbeiten eng zusammen. Die Berliner Polizei richtete "Ferrum" im November 2025 ein, nachdem die Schusswaffengewalt in der Hauptstadt deutlich zugenommen hatte. Hintergrund waren wiederholte Straftaten gegen türkisch-kurdische Gewerbetreibende, insbesondere Schüsse auf deren Lokale durch mutmaßlich türkisch-kurdische Mitglieder der Organisierten Kriminalität. Justizsenatorin Felor Badenberg zeigt sich zufrieden: "Die bisherigen Ermittlungserfolge bestätigen, dass wir damit genau am richtigen Punkt ansetzen. Einschüchterung hat als Geschäftsmodell keine Zukunft in Berlin", sagte sie. "Schutzgelderpressungen und Schussabgaben in Berlin sind nur die sichtbare Spitze eines kriminellen Systems", so die CDU-Politikerin. Ziel sei es, nicht nur einzelne Täter zur Verantwortung zu ziehen, sondern "kriminelle Netzwerke dauerhaft zu zerschlagen". Erst am Mittwoch wurde in Berlin ein 38-Jähriger in Schöneberg festgenommen, der im März auf zwei Brüder in Kreuzberg geschossen haben soll. Ende Mai wurden nach Schüssen im Graefekiez vier Verdächtige gefasst. Mitte Mai gelang ein wichtiger Schlag gegen eine mutmaßliche Bande von sogenannten Schutzgeld-Erpressern bei dem bislang größten Einsatz mit rund 570 Einsatzkräften. Neun verdächtige Männer im Alter von 23 bis 63 Jahren wurden festgenommen. Es geht unter anderem um den Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die Polizei beschlagnahmte Drogen, Bargeld, eine Schusswaffe, Schusswaffenteile, Schreckschusswaffen, zwei Autos sowie Datenträger und Handys. 2025 zählte die Berliner Polizei 1119 Fälle von Schusswaffengebrauch, etwas mehr als die Hälfte waren Drohungen, in 515 Fällen wurde geschossen. Das waren insgesamt 68 Prozent mehr Straftaten, bei denen mit Waffen gedroht oder geschossen wurde, als im Jahr 2024.