Ermittlungen verschärft: Schüsse in Berlin - rund 30 Verdächtige in Haft

Datum05.06.2026 04:45

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 126 Verdächtige im Zusammenhang mit Schusswaffendelikten und Schutzgelderpressung. 29 seien in Untersuchungshaft, vier Männer stehen wegen Körperverletzung und Erpressung vor Gericht. Die Ermittlungsgruppe "Telum" arbeitet seit Februar eng mit der Polizeieinheit "Ferrum" zusammen, um organisierte Kriminalität zu bekämpfen. Senatsrätin Felor Badenberg betont das Ziel, kriminelle Netzwerke zu zerschlagen. Die Zahl der Schusswaffenfälle in Berlin stieg 2025 signifikant an.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Ermittlungen verschärft“. Lesen Sie jetzt „Schüsse in Berlin - rund 30 Verdächtige in Haft“. Rund drei Monate nach der wegen einer Zunahme von Schüssen in Berlin gegründeten Ermittlungsgruppe "Telum" bei der Staatsanwaltschaft befinden sich 29 Verdächtige in Untersuchungshaft. Das teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage der Deutschen-Presse-Agentur mit. Insgesamt bearbeiten die Juristen 126 Verfahren (Stichtag 27. Mai). In acht weiteren Fällen wurde Anklage erhoben, wie es weiter hieß.  In einem Fall begann am Dienstag vor dem Landgericht Berlin der Prozess: Es geht um Schutzgelderpressung und Schüsse als Denkzettel. Vier Männer im Alter von 21 bis 26 Jahren stehen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchter schwerer räuberischer Erpressung und Bedrohung vor Gericht. Die Ermittlungsgruppe "Telum" (lateinisch für "Angriffswaffe") wurde Ende Februar eingerichtet, um die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (OK) zu verstärken. Die Staatsanwaltschaft reagierte damit auf die Sondereinheit des Landeskriminalamts "Ferrum" (lateinisch für "Eisen"), die es seit November 2025 gibt. Beide Gruppen arbeiten eng zusammen.  Die Berliner Polizei richtete "Ferrum" ein, nachdem die Schusswaffengewalt in der Hauptstadt deutlich zugenommen hatte. Hintergrund waren wiederholte Straftaten gegen türkisch-kurdische Gewerbetreibende, insbesondere Schüsse auf deren Lokale durch mutmaßlich türkisch-kurdische Mitglieder der organisierten Kriminalität. Justizsenatorin Felor Badenberg zeigt sich zufrieden: "Die bisherigen Ermittlungserfolge bestätigen, dass wir damit genau am richtigen Punkt ansetzen. Einschüchterung hat als Geschäftsmodell keine Zukunft in Berlin", sagte sie der dpa. "Schutzgelderpressungen und Schussabgaben in Berlin sind nur die sichtbare Spitze eines kriminellen Systems", so die CDU-Politikerin weiter. Ziel sei es, nicht nur einzelne Täter zur Verantwortung zu ziehen, sondern "kriminelle Netzwerke dauerhaft zu zerschlagen". Erst am Mittwoch wurde in Berlin ein 38-Jähriger in Schöneberg festgenommen, der im März auf zwei Brüder in Kreuzberg geschossen haben soll. Ende Mai wurden nach Schüssen im Graefekiez vier Verdächtige gefasst.  Mitte Mai gelang ein wichtiger Schlag gegen eine mutmaßliche Bande von sogenannten Schutzgeld-Erpressern bei dem bislang größten Einsatz mit rund 570 Einsatzkräften. Neun verdächtige Männer im Alter von 23 bis 63 Jahren wurden festgenommen. Es geht unter anderem um den Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die Polizei beschlagnahmte Drogen, Bargeld, eine Schusswaffe, Schusswaffenteile, Schreckschusswaffen, zwei Autos sowie Datenträger und Handys.  Im Jahr 2025 zählte die Berliner Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch, etwas mehr als die Hälfte waren Drohungen, in 515 Fällen wurde geschossen. Das waren insgesamt 68 Prozent mehr Straftaten, bei denen mit Waffen gedroht oder geschossen wurde, als im Vorjahr 2024. © dpa-infocom, dpa:260605-930-175744/1