Datum04.06.2026 20:50
Quellewww.spiegel.de
TLDRIn Südfrankreich wurde die Leiche eines vermissten elfjährigen Mädchens entdeckt. Ein Tatverdächtiger, der bereits wegen sexueller Übergriffe polizeilich bekannt war, wurde festgenommen. Der Fall löste Empörung aus und wirft Fragen zur Behandlung von Opferaussagen und Ermittlungspraktiken auf, was zu behördeninternen Untersuchungen und einer Sondersitzung von Ministern führte.
InhaltSeit Tagen wird ein Mädchen in Frankreich vermisst. Doch Suchtrupps kamen offenbar zu spät. Ein Tatverdächtiger ist festgenommen worden. Dass er überhaupt noch frei herumlief, beschäftigt jetzt die Politik. Im Südwesten Frankreichs ist eine Kinderleiche gefunden worden. Es wird vermutet, dass es sich bei dem Opfer um ein seit sechs Tagen vermisstes Mädchen handelt. Durch eine Autopsie soll die Identität formell festgestellt werden, teilt die Staatsanwaltschaft von Agen mit. Auch die Todesursache werde noch geprüft. Bei der Suche in einem Waldgebiet nahe der Ortschaft Fleurance waren 170 Gendarmen und eine Reiterstaffel aus Freiwilligen beteiligt. Die Leiche sei von Polizisten in einem Silo auf dem Gelände eines Bauernhofs im Département Gers gefunden worden, heißt es laut der Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen. Der Fall hat landesweit Empörung ausgelöst, weil der Verdächtige, der sich in Polizeigewahrsam befindet, zuvor bereits mehrfach wegen sexueller Übergriffe und Vergewaltigung von Minderjährigen angezeigt worden war. "Dies wirft die Frage auf, welches Gewicht Aussagen von Opfern haben und wie in solchen Fällen ermittelt wird", sagte Regierungssprecherin Maud Bregeon laut der Nachrichtenagentur AFP. Das elfjährige Mädchen war zuletzt im Auto des 41-Jährigen gesehen worden, mit dessen Tochter sie befreundet war. Der Mann verweigerte bei seiner Vernehmung jegliche Aussage. Die Kleidung an der Leiche stimmt laut Staatsanwaltschaft mit der überein, die die Elfjährige getragen hatte, als sie zuletzt gesehen worden war. Ein Ermittlungsverfahren nach einer Anzeige wegen Vergewaltigung Minderjähriger gegen den Mann von 2024 war mangels Beweisen eingestellt worden. Nach einer weiteren Vergewaltigungsanzeige von 2025 waren neun Monate lang weder der Verdächtige noch Zeugen angehört worden. Die Regierung hat deswegen behördeninterne Ermittlungen eingeleitet. Premierminister Sébastien Lecornu berief die Innen- und Justizminister in dem Fall für Freitag zu einer Sitzung ein. Die "Warnsignale" hätten dazu führen müssen, die Fälle zusammenzuführen und ein Eilverfahren einzuleiten, sagte die auf Sexualdelikte spezialisierte Anwältin Carine Durrieu Diebolt. Sie prangerte rückständige Justizmethoden an, etwa das Versenden von Akten auf dem Postweg.