Vorfall am Gate Z15 in Frankfurt: Wie kam es zu der abrupten Bauchlandung der Lufthansa-Maschine?

Datum04.06.2026 20:12

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Lufthansa-Flugzeug vom Typ Boeing 787-9 ist am Frankfurter Flughafen mit eingeknicktem Bugfahrwerk auf dem Rumpf gelandet. Mehrere Crewmitglieder und Bodenpersonal wurden verletzt. Die Ursache ist noch unklar, doch der Vorfall ähnelt einem ähnlichen Fall in London 2021, bei dem ein Wartungsfehler vermutet wurde. Die Untersuchung läuft, eine Reparatur könnte Monate dauern.

InhaltAn einem Gate des Frankfurter Flughafens gab plötzlich das Bugfahrwerk einer Lufthansa-Maschine nach. Mitglieder der Crew und des Bodenpersonals wurden verletzt. Die Bilder erinnern an einen Fall aus London im Jahr 2021. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Es sind ungewöhnliche Bilder vom Frankfurter Flughafen, die am Donnerstag um die Welt gehen: Eine Boeing 787-9 der Lufthansa liegt bäuchlings auf dem Asphalt. Das Bugfahrwerk war ohne Vorwarnung eingeknickt. Rund 75 Minuten vor dem geplanten Start nach Los Angeles krachte die Maschine vor Gate Z15 unvermittelt zu Boden. Auf den Bildern ist zu erkennen, dass der Rumpf des Flugzeugs stark beschädigt ist. Passagiere waren glücklicherweise nicht an Bord, jedoch Crewmitglieder und Bodenpersonal. Wie die Lufthansa am Abend dem SPIEGEL bestätigte, seien mehrere verletzte Personen ins Krankenhaus gebracht worden. Darunter zwei der insgesamt 13 Crewmitglieder der Lufthansa. Aber auch mehrere Mitarbeitende von Dienstleistungsunternehmen, dem Bodenpersonal, kamen zur weiteren Behandlung in eine Klinik. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Informationen zur Ursache gibt es bisher nicht. Die Lufthansa hält sich bedeckt. Ein Sprecher verwies am Abend auf laufende Untersuchungen, das Flugzeug sei noch nicht einmal von den Behörden freigegeben. Bei Zwischenfällen rund um die Luftfahrt ermittelt in Deutschland die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU). Erst wenn die BFU grünes Licht gibt, darf die Maschine zurück in den Hangar geschleppt werden. Bis sie wieder fliegt, könnte es Monate dauern. Einen Anhaltspunkt, was zur abrupten Bauchlandung geführt haben könnte, findet sich in einem ähnlichen Fall vom 18. Juni 2021. Damals am Flughafen London Heathrow. In den Morgenstunden jenes Tages wurde eine Boeing 787 von British Airways für einen Frachtflug nach Frankfurt vorbereitet, als plötzlich das Bugfahrwerk einklappte und die Maschine ebenso auf die Nase krachte wie nun der Lufthansa-Jet. Ernsthaft verletzt wurde niemand, doch das Flugzeug hatte sich am Rumpf starke Schäden zugezogen. Erst fünf Monate später konnte der Flieger wieder in Dienst gestellt werden. Die Ursache damals: Das Bodenwartungsteam sollte die Funktion des Fahrwerks kontrollieren. Dafür musste ein Techniker einen Sicherungsbolzen am Bugfahrwerk anbringen, um zu verhindern, dass es während der Arbeiten einfahren könnte. Der Techniker hatte diesen Bolzen allerdings nicht in die dafür vorgesehene Öffnung gesteckt, sondern in eine andere von gleicher Größe, die dummerweise nur Zentimeter von der richtigen Bohrung entfernt lag. Der Hersteller Boeing hatte zu dem Zeitpunkt bereits vor seinem eigenen Design gewarnt und empfohlen, die falsche Bohrung mit einem Stopfen zu verschließen, um Verwechselungen vorzubeugen. Diese Maßnahme hatte British Airways aber noch nicht umgesetzt. Ob die Lufthansa nun ebenfalls Opfer eines solchen Irrtums wurde, ist noch nicht klar. Auch der Sprecher wollte sich nicht an Spekulationen beteiligen. Der Flieger, einer von insgesamt 17 Dreamlinern in der Lufthansa-Flotte, ist allerdings brandneu: Erst im Januar wurde sie an die deutsche Fluggesellschaft ausgeliefert. Die falsche Öffnung an ihrem Bugfahrwerk sollte demnach mit einem Stopfen gesichert sein. Boeing ließ ausrichten, dass man seinen Kunden unterstütze.