Datum04.06.2026 16:36
Quellewww.zeit.de
TLDRWissenschaftler in Sachsen-Anhalt, darunter Vertreter der Leopoldina und des Leibniz-Instituts, warnen vor den negativen Folgen eines AfD-Wahlsiegs für Forschung und Hochschulen. Sie befürchten eine Gefährdung der internationalen Attraktivität des Wissenschaftsstandorts, negative Auswirkungen auf die Fachkräftegewinnung und eine veränderte gesellschaftliche Stimmung. Die AfD plant laut Wahlprogramm Umstrukturierungen und die Abschaffung von Gender Studies sowie des Bologna-Systems, was von den Forschern kritisiert wird.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Landtagswahl 2026“. Lesen Sie jetzt „Wissenschaftler warnen vor Folgen eines AfD-Wahlsiegs“. Führende Wissenschaftler aus Sachsen-Anhalt warnen vor möglichen Folgen eines AfD-Wahlsiegs für Forschung und Hochschulen. Die Präsidentin der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Bettina Rockenbach, und der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Reint Gropp, äußerten sich in einem Podcast des Leipziger Senders "detektor.fm" besorgt über die Entwicklung vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Gropp sieht nach eigenen Angaben vor allem die internationale Attraktivität des Wissenschaftsstandorts gefährdet. An seinem Institut arbeiteten Menschen aus 14 Nationen, sagte er. Ein Wahlsieg der AfD könne das gesellschaftliche Klima verändern. Menschen könnten sich dann "ermächtigt fühlen, gegen Ausländer zu pöbeln", sagte er. Bereits heute berichteten internationale Beschäftigte seines Instituts von Erfahrungen mit Polizeikontrollen. Einige machten Umwege, wenn sie Polizisten sähen, weil sie sich bedroht fühlten. Die AfD in Sachsen-Anhalt kündigt in ihrem Wahlprogramm unter anderem an, Hochschulen umzubauen, Gender Studies abzuschaffen und das Bologna-System mit Bachelor- und Masterabschlüssen einzustellen. Gropp hält das für den falschen Weg. Die international vergleichbaren Abschlüsse seien ein "Riesenfortschritt". Ihre Abschaffung wäre "völliger Unsinn". Der Ökonom warnte zudem vor Folgen für die Gewinnung von Fachkräften. Schon das Wahlergebnis könne Auswirkungen haben. "Wir haben sogar Schwierigkeiten, Leute aus Köln einzustellen, weil die sagen, da will ich nicht wohnen", sagte Gropp. Zugleich forderte er von Wissenschaftsorganisationen mehr Einsatz für Wissenschaftsfreiheit, Willkommenskultur und Offenheit. Einrichtungen wie die Leibniz-Gemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft oder die Max-Planck-Gesellschaft müssten sich stärker zu diesen Themen äußern. Rockenbach betonte die Bedeutung freier Forschung für Innovationen und die Lösung gesellschaftlicher Probleme. Wachstum, Wohlstand und die Bewältigung des demografischen Wandels seien auf wissenschaftliche Erkenntnisse angewiesen. "Wir brauchen das, damit wir einfach unsere Lebensgrundlage, unser Wachstum, unsere Innovation in den nächsten Jahren kriegen", sagte sie. Die AfD wird in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Vor der Landtagswahl im September lag die Partei jüngst in mehreren Umfragen vor der CDU, die derzeit eine Koalition mit SPD und FDP anführt. Die AfD strebt nach eigenen Angaben eine Regierungsübernahme an. © dpa-infocom, dpa:260604-930-173977/1