Datum04.06.2026 13:10
Quellewww.spiegel.de
TLDRIn Braunschweig steht ein Betreiber-Ehepaar und die Leiterin einer Pflegeeinrichtung im Harz vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, jahrelang Bewohner systematisch mit Medikamenten ruhiggestellt und eingesperrt zu haben, um einen störungsfreien Betrieb zu gewährleisten und Profit zu machen. Den vier Angeklagten werden Misshandlung Schutzbefohlener, Körperverletzung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Fälschungen von Gesundheitsberichten und Lügen gegenüber Ärzten sind Teil der Anklage. Der Prozess dauert voraussichtlich bis Januar 2027.
InhaltDie Staatsanwaltschaft wirft dem Betreiber-Ehepaar und der Leiterin einer Pflegeeinrichtung vor, jahrelang Bewohner mit Medikamenten ruhiggestellt und eingesperrt zu haben. Der Prozess könnte bis Ende Januar 2027 dauern. Ein "Herrschaftsregime" mit Kontrolle, Angst und Leid sollen vier Angeklagte in einem Pflegeheim im Harz geschaffen haben, das wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Braunschweig verlas der Staatsanwalt zwei Stunden lang die Vorwürfe. Die Menschen in dem Heim seien demnach über Jahre hinweg mit Medikamenten ruhiggestellt und hinter Bettgittern eingesperrt worden. Das Motiv laut Staatsanwaltschaft: Profitgier. Die Vorwürfe richten sich in 17 Fällen gegen drei Angeklagte: ein Ehepaar mit einem 60-jährigen Mann und einer 63-jährigen Frau als Betreiber. Eine 51-jährige Frau soll als Leiterin wie ein "verlängerter Arm" des Ehepaars gewirkt haben. In 14 Fällen soll eine 59-jährige Angeklagte als verantwortliche Pflegedienstleiterin Beihilfe geleistet haben. Den Angeklagten wird unter anderem Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung in besonders schwerem Fall und gewerbsmäßiger Bandenbetrug vorgeworfen. Laut Anklage wurden Berichte zum Gesundheitszustand gefälscht und Ärzte belogen. Die Bewohner seien insbesondere durch sedierende Medikamente systematisch ausgeschaltet worden. Der Vorwurf: So sollte aus Sicht der Angeklagten ein möglichst störungsfreier Pflegebetrieb gewährleistet werden. Sehr "lauffreudige" Menschen sollen hinter Bettgittern eingesperrt worden sein. Solche Zustände hätten von Oktober 2017 bis September 2020 in der Einrichtung mit 68 Plätzen geherrscht. Mehr als 50 Verhandlungstermine sind für den Prozess bis Ende Januar 2027 angesetzt. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.