Marjane Satrapi ist tot: »Persepolis«-Autorin mit 56 Jahren gestorben

Datum04.06.2026 11:24

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie französisch-iranische Künstlerin Marjane Satrapi, bekannt für ihre Graphic Novel "Persepolis", ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Ihr Tod wird auf Trauer zurückgeführt, etwa ein Jahr nach dem ihres Mannes. "Persepolis" erzählt autobiografisch von ihrer Jugend während der iranischen Revolution und ihrem Exil, wurde international gefeiert und verfilmt. Satrapis Werk beleuchtet das Alltagsleben in Iran und den Kampf gegen Vorurteile.

InhaltIn Comic und Film erzählte sie vom Aufwachsen in Iran: Für "Persepolis" wurde Marjane Satrapi international gefeiert. Ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes ist die Zeichnerin nun im Alter von 56 Jahren gestorben. Die französisch-iranische Künstlerin Marjane Satrapi ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Wie ihr Umfeld in einem Statement der französischen Nachrichtenagentur AFP mitteilte, sei Satrapi "an Traurigkeit gestorben, etwa über ein Jahr nach dem Tod von Mattias Ripa, ihrem Ehemann und der Liebe seines Lebens". Der Produzent, Schauspieler und Szenarist Ripa starb am 8. April 2025. Französische  Medien berichten  über den Todesfall. Satrapi wurde international bekannt mit ihrer Graphic Novel "Persepolis". Sie erschien ursprünglich zwischen 2000 und 2003 in vier Bänden auf Französisch und wurde bald auch international erfolgreich. In Deutschland wurde "Persepolis" 2004 als "Comic des Jahres" prämiert. 2007 verfilmte sie "Persepolis" gemeinsam mit Vincent Paronnaud als Animationsfilm. In "Persepolis" beschreibt die 1969 im iranischen Rascht geborene Künstlerin autofiktional ihre eigene Kindheit und Jugend: Die Tochter einer linken Mittelschichtsfamilie erlebte als junges Mädchen den Sturz des Schahs und die islamische Revolution in Iran. Ihre Familie schickte sie 1984 ins Exil nach Wien, wo sie – wie schon in Teheran – das französische Gymnasium besuchte. Im Zuge einer Lebenskrise kehrte Satrapi mit 19 Jahren nach Teheran zurück, um an der Islamischen Azad-Universität Visuelle Kommunikation zu studieren. 1994 verließ sie Iran erneut und setzte ihre Studien in Straßburg an der École des Arts Decoratifs fort. 1996 zog sie nach Paris und begann, Comics zu zeichnen. In stilisierten, an expressionistische Holzschnitte erinnernden Bildern erzählt Satrapi in "Persepolis" ironisch-lakonisch von Satrapis Kindheitserlebnissen und Pubertätsnöten und einer Identitätssuche zwischen den Kulturen in Iran und Europa. In Bild und Text spiegeln sich Lebenslust und Humor ebenso wider wie die Schrecken des Regimes in Teheran. Das Werk verkaufte sich über 1 Million Mal und wurde in rund 25 Sprachen übersetzt. Nach der Veröffentlichung musste Satrapi allerdings Repressalien im Heimatland befürchten und konnte daher nicht mehr dorthin reisen. Obwohl "Persepolis" in der westlichen Welt vielfach als Kritik an den politischen Verhältnissen in Iran angesehen wurde, ging es der Autorin primär um etwas anderes: das alltägliche Leben der Menschen dort und den Kampf gegen Vorurteile. Weitere Comics von ihr wie "Sticheleien" oder "Huhn mit Pflaumen" erschienen in den Nullerjahren. Nach der Filmfassung von "Persepolis", die 2008 für den Oscar als bester Animationsfilm nominiert wurde, inszenierte sie auch "Huhn mit Pflaumen" fürs Kino. 2014 führte sie Regie bei dem Spielfilm "The Voices" mit Ryan Reynolds und Gemma Arterton; 2019 drehte sie einen biografischen Spielfilm über die Nobelpreisträgerin Marie Curie (gespielt von Rosamund Pike). Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Im Februar gründete die Académie des beaux-arts, die französische Gelehrtengesellschaft, in die Satrapi 2024 hineingewählt wurde, eine Stiftung für das Kino im Namen von Mattias Ripa und Marjane Satrapi. Im April schrieb Satrapi in mehreren Instagram-Kacheln auf schwarzem Hintergrund: "For I lost the love of my life". Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hier finden Sie – auch anonyme – Hilfsangebote in vermeintlich ausweglosen Lebenslagen. Per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch.