Datum04.06.2026 09:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDeutschland scheiterte bei der Kandidatur für einen UN-Sicherheitsratssitz. Der ehemalige UN-Botschafter Heusgen kritisiert die zu späte und unzureichende Lobbyarbeit der Bundesregierung. Er bemängelt zudem die geringe Präsenz deutscher Spitzenpolitiker bei der UN-Generalversammlung und deutet die deutsche Haltung zum Gaza-Krieg als mögliche Ursache für die Ablehnung an, da hier "doppelte Standards" wahrgenommen wurden.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Vereinte Nationen“. Lesen Sie jetzt „Kein Sicherheitsrat: Heusgen sieht Rolle von Merz kritisch“. Der frühere deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen sieht eine Mitverantwortung der Bundesregierung für das Scheitern Deutschlands bei der Kandidatur für einen Sitz im UN-Sicherheitsrat. "Wir haben, nachdem wir zum letzten Mal im Sicherheitsrat waren, 19/20, uns erstmal zurückgelehnt und diese Werbekampagne nicht so intensiv betrieben, wie wir es hätten machen müssen", sagte Heusgen im RBB-Inforadio. "Wir sind dann im letzten Jahr eingestiegen, massiv eingestiegen, aber da waren eben viele Stimmen schon vergeben." Deutschland scheiterte mit seiner Kandidatur für einen Sitz im mächtigen Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Im ersten Wahlgang unterlag die Bundesrepublik in New York Portugal und Österreich. Deutschland war bisher sechsmal im Sicherheitsrat vertreten, zuletzt 2019 und 2020, fiel aber bei einer Kandidatur laut Diplomaten bisher noch nie durch. Der ehemalige Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz hält auch die Rolle von Kanzler Friedrich Merz (CDU) für einen Grund. "Wenn 130 Staats- und Regierungschefs an der Generalversammlung teilnehmen und der deutsche Bundeskanzler nicht, wenn Österreich mit dem Bundespräsidenten, dem Bundeskanzler, der Außenministerin kommt und Deutschland mit dem unglaublich aktiven Außenminister, nur in Anführungsstrichen, dann widerspiegelt das etwas die Wertschätzung für die UNO", sage Heusgen. Der Diplomat sieht zudem die Unterstützung Israels durch Deutschland als mögliche Ursache. "Diese Ansetzung doppelter Standards, das ist uns leider dann auch jetzt vorgeworfen worden", sagte er. "Dürfte auch einen Beitrag geleistet haben dazu, dass wir eben nicht gewählt worden sind." Kritiker halten der Bundesregierung vor, sich beim Gaza-Krieg Vorwürfen anderer Staaten nicht angeschlossen zu haben, dass Israel völkerrechtswidrig vorgehe. Vertreter der Bundesregierung entgegneten, man habe Israel immer wieder zum Schutz der Zivilbevölkerung aufgerufen. Heusgen ist Berater des Unternehmens FGS Global in Berlin. Von 2005 bis 2017 war Heusgen außen- und sicherheitspolitischer Berater der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, von 2017 bis 2021 vertrat er Deutschland als Botschafter bei den Vereinten Nationen. © dpa-infocom, dpa:260604-930-171238/1