Studentenprotest 1989: Gedenken und Kritik zu 37 Jahre Tian'anmen-Massaker

Datum04.06.2026 07:16

Quellewww.zeit.de

TLDRTaiwans Präsident Lai Ching-te kritisierte China für die fehlende Aufarbeitung des Tian'anmen-Massakers vor 37 Jahren. Er forderte China auf, sich der Wahrheit zu stellen und einen Dialog zu beginnen. China gedenkt der Ereignisse nicht; der Platz ist stark gesichert. Die Studentenproteste 1989, die mehr Mitsprache und gegen Korruption forderten, wurden vom Militär gewaltsam niedergeschlagen. Hinterbliebene fordern bis heute Aufklärung und Entschädigung. In Hongkong und Taiwan finden Gedenkveranstaltungen statt.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Studentenprotest 1989“. Lesen Sie jetzt „Gedenken und Kritik zu 37 Jahre Tian'anmen-Massaker“. Taiwans Präsident Lai Ching-te hat China für die mangelnde Aufarbeitung des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) vor 37 Jahren in Peking kritisiert. Ein "wahrlich großes Land" sollte nicht auf ein mächtiges Militär setzen, sondern sich den Wunden seiner Geschichte stellen, schrieb Lai auf Facebook. Er hoffe, dass China den Ereignissen ins Auge sehe, die Wahrheit anerkenne und einen Dialog beginne, hieß es.  China gedenkt der Ereignisse vom 4. Juni 1989 nicht. In Peking fahren derzeit in Bussen, die den Tian'anmen-Platz überqueren, neben Sicherheitsleuten auch mehrere uniformierte Polizisten mit. Über den Platz selbst strömen wie sonst auch viele Touristen.  Mit dem Tod von Reform-Hoffnungsträger und KP-Generalsekretär Hu Yaobang Mitte April 1989 erhob sich im Herzen Pekings eine Bewegung für mehr Mitsprache und gegen Korruption. Die Regierung bekam die mehrwöchigen Proteste nicht in den Griff und ließ sie vom Militär zerschlagen. Am frühen Morgen des 4. Junis starben in den Straßen um den Tian'anmen-Platz Hunderte Menschen etwa durch Schüsse. Die genaue Opferzahl ist bis heute nicht bekannt.  Hinterbliebene fordern bis heute Aufklärung und Entschädigung. Die Regierung komme ihrer Verantwortung nicht nach, verweigere Wiedergutmachung und unterdrücke öffentliche Diskussion über die Geschehnisse, teilten die "Mütter des Tian'anmen" vor dem Gedenktag mit.  In der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong spannte der Künstler Chen Sanmu am Mittwoch einen 6,4 Meter langen roten Faden nahe dem Victoria-Park, wo früher traditionell des Massakers gedacht worden war. Seit der Corona-Pandemie untersagt Hongkong die Andacht in dem Park.  Berichten zufolge nahmen Polizisten in Zivilkleidung wenige Minuten später Chens Personalien auf und durchsuchten ihn. Die 6,4 Meter symbolisieren das Datum der Ereignisse. In Taiwans Hauptstadt Taipeh waren für den Nachmittag und Abend (Ortszeit) Gedenkveranstaltungen geplant. Mittlerweile finden die größten Erinnerungstreffen auf der unabhängig regierten Insel statt, die China für sich beansprucht und deren Regierung sie als Separatisten bezeichnet. © dpa-infocom, dpa:260604-930-170925/1