Datum03.06.2026 18:46
Quellewww.spiegel.de
TLDREli Lilly reduziert seine Investition in einen geplanten Produktionsstandort in Alzey, Deutschland, um die Hälfte. Konzernchef Dave Ricks begründet dies mit den Sparplänen der Bundesregierung im Gesundheitswesen, die Deutschland im europäischen Vergleich unattraktiv machen. Auch Boehringer Ingelheim stoppt Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe aufgrund schwieriger Rahmenbedingungen und staatlicher Sparmaßnahmen. Beide Unternehmen sehen die Innovation zunehmend außerhalb Deutschlands.
InhaltDer US-Pharmariese Eli Lilly fährt die Investition für den geplanten Produktionsstandort auf den Mindestumfang herunter und verweist auf die Sparpläne der Bundesregierung. Auch ein deutscher Konzern stoppt Investitionen. Der US-Pharmakonzern Eli Lilly will wegen der Sparpläne der Bundesregierung im Gesundheitswesen eine geplante Milliardeninvestition in einen neuen Standort im rheinland-pfälzischen Alzey deutlich reduzieren. Konzernchef Dave Ricks sagte im "Handelsblatt ", Deutschland werde mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz bei der Unterstützung der Branche auf den letzten Platz der europäischen Märkte fallen. Eli Lilly wollte bislang 2,5 Milliarden US-Dollar in die neue Produktionsstätte im rheinhessischen Alzey stecken. Vor dem Hintergrund des aktuellen gesundheitspolitischen Kurses in Deutschland sei nun geplant, den noch ausstehenden Umfang des Projekts um 50 Prozent gegenüber der ursprünglichen Planung zu reduzieren, teilte das Unternehmen mit. Es solle zunächst nur der "Mindestumfang des Hightech-Produktionsstandortes in Alzey" fertiggestellt werden, erklärte Ricks. Auch der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim stoppt in Deutschland geplante Investitionen in einem hohen dreistelligen Millionenbereich. Es gehe um Ausgaben für die Jahre 2027 bis 2030 mit einem Gesamtvolumen von 900 Millionen Euro, teilte das Unternehmen in Ingelheim bei Mainz mit. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet. "Die nächste Innovation geht nach Lage der Dinge aktuell nicht nach Deutschland", sagte Deutschlandchef Médard Schoenmaeckers demnach. Als Gründe für den Schritt nannte Boehringer Ingelheim, ähnlich wie Eli Lilly, die schwierigen Rahmenbedingungen in Deutschland und erwähnte die Sparpläne der Bundesregierung bei den Gesundheitsausgaben. Diese sehen unter anderem höhere Rabatte vor, die Arzneikonzerne Krankenkassen künftig gewähren müssen. Zudem verwies das Unternehmen auf die größere Dynamik in anderen Märkten sowie die geopolitische Lage. Dazu zähle auch ein gewachsener Druck aus den USA. Boehringer Ingelheim hatte, wie andere Pharmaunternehmen, eine Art Abkommen mit der US-Regierung geschlossen, um von Pharmazöllen befreit zu werden. Eine Bedingung dafür ist, in Produktion und Forschung in Amerika zu investieren.