Hinterlandanbindung zum Tunnel: Kosten für Bahngleise zum Fehmarnbelt steigen deutlich

Datum03.06.2026 14:18

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Kosten der Hinterlandanbindung des Fehmarnbelt-Tunnels steigen deutlich auf voraussichtlich 10,7 Milliarden Euro. Ursprünglich waren 8,1 Milliarden Euro veranschlagt. Dies stößt auf Kritik, da der Bau bereits hinter dem Zeitplan liegt und die Anbindung essentiell ist. Gleichzeitig steigen auch die Kosten für den Sundtunnel erheblich. Der Ausbau wird als dringend notwendig erachtet, kritisiert wird jedoch die deutsche Langsamkeit bei der Umsetzung.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Hinterlandanbindung zum Tunnel“. Lesen Sie jetzt „Kosten für Bahngleise zum Fehmarnbelt steigen deutlich“. Der Bau der sogenannten Hinterlandanbindung des Ostseetunnels zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland kommt die Steuerzahlenden deutlich teurer zu stehen als bislang geplant. Dass es zwischenzeitlich zu Kostensteigerungen gekommen ist, sei unstrittig, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums.  Zuvor hatte das "Flensburger Tageblatt" unter Berufung auf einen Vermerk des Bundesrechnungshofes berichtet, dass für die Gleise zum Tunnel nun mit Kosten von 10,7 Milliarden Euro gerechnet wird. Im November hieß es nach Angaben von Teilnehmenden einer Sitzung des Haushaltsausschusses noch, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) erwarte Kosten von 8,1 Milliarden Euro.  Die Sprecherin des Bundesrechnungshofes erklärte, dass der entsprechende Bericht als Verschlusssache eingestuft ist und erst nach abschließender parlamentarischer Beratung zugänglich gemacht würde.  "Eine unfassbare Summe", betonte der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU). Eine Verdreifachung der Kosten sei untragbar. "Das muss schlanker und schneller gehen." Gleichzeitig werde aber auch deutlich, wie wichtig diese Infrastruktur für das Land ist - aber für den deutschen Staat und die Bahn sei das "ein Schlag ins Gesicht".  Ein "Zurückrudern" ist aus Sicht des Ministers allerdings nicht möglich. "Die Dänen legen ja schon munter Elemente in den Belt rein, dann können wir denen ja nicht mitteilen, wir haben uns das überlegt, wir machen doch nicht mit", führte er aus. Man sei quasi zur Umsetzung verdammt - doch müsse man im Nachgang schauen, wie die Prozesse in Deutschland umgesetzt würden.  Bereits bekannt sind deutliche Kostensteigerungen für den geplanten Sundtunnel zwischen dem schleswig-holsteinischen Festland und Fehmarn. Ursprünglich hatte die Bahn die Kosten für einen Ersatzbau am Fehmarnsund mit 714 Millionen Euro beziffert. Mittlerweile hat die deutsche Infrastrukturgesellschaft Deges die Tunnelkosten jedoch mit 2,306 Milliarden Euro angegeben. Die aus den 1960er Jahren stammende Sundbrücke mit lediglich einem Fahrstreifen je Richtung und einem Bahngleis soll für Fußgänger, Radfahrer und langsame Fahrzeuge erhalten bleiben.  Den Planungen zufolge soll der Fehmarnbelttunnel ab 2029 die deutsche Ostseeinsel Fehmarn und die dänische Insel Lolland verbinden. Der Bau des 18 Kilometer langen Eisenbahn- und Autotunnels läuft bereits. Doch dieser liegt laut Projektgesellschaft mindestens zwei Jahre hinter dem Zeitplan. Auch Deutschland rechnet damit, dass sich der Bau der Hinterlandanbindung über 2029 hinaus verzögern wird.  Die grüne Haushaltspolitikerin Paula Piechotta forderte das Bundesverkehrsministerium auf, Lösungen für eine schnellere und wirtschaftlichere deutsche Schienenanbindung an die Fehmarnbeltquerung vorzulegen. "Ein "Weiter-So" mit der deutschen Langsamkeit beim Schienenausbau wird Dauerstaus und zusätzlichen Verschleiß der Autobahnen und Bundesstraßen zwischen Fehmarn und Hamburg nach sich ziehen", erklärte sie der Deutschen Presse-Agentur.  Zudem sei der schleppende Schienenausbau im Norden kein Einzelfall. Das Bundesverkehrsministerium müsse etwa auch bei der Planung des Brenner-Zulaufs den Stillstand beenden. Piechotta betonte: "Die Anrainer Deutschlands sind nicht länger bereit, Lärm, Gestank und bröckelnde Brücken aufgrund wachsenden Straßenverkehrs hinzunehmen, weil der Bundesregierung der politische Wille für den zügigen Ausbau der Schiene fehlt." © dpa-infocom, dpa:260603-930-167802/1