Christian Ulmen gab der »Zeit« ein Interview, über das sie nicht berichten darf

Datum03.06.2026 14:12

Quellewww.spiegel.de

TLDRChristian Ulmen gab der "Zeit" ein Interview zu den "virtuellen Vergewaltigungsvorwürfen" seiner Ex-Frau Collien Fernandes, zitierte aber keine Aussagen. Ulmen und sein Anwalt verweigerten die Freigabe von Zitaten nach ausführlichen Gesprächen mit der "Zeit", was dem üblichen Autorisierungsprozess entspricht. Fernandes beschuldigt Ulmen, durch Fakeprofile und erotische Inhalte sexuelle Gewalt angewendet zu haben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt gegen Ulmen.

InhaltIm SPIEGEL warf Collien Fernandes ihrem Ex-Mann vor, sie "virtuell vergewaltigt" zu haben. Nun berichtet die "Zeit", der Schauspieler habe sich zunächst in einem Interview dazu geäußert – und dann keine Zitate freigegeben. Im Fall Collien Fernandes berichtet die "Zeit" über ein stundenlanges Gespräch mit Christian Ulmen, aus dem die Wochenzeitung aber nicht zitieren darf. Es wäre die erste öffentliche Reaktion von Ulmen auf die Vorwürfe gewesen, die seine Ex-Frau Collien Fernandes SPIEGEL gegen ihn erhoben hatte. Das Interview der "Zeit" mit Christian Ulmen fand laut einem Bericht der Wochenzeitung Ende März, also kurz nach der Veröffentlichung des SPIEGEL am 19. März, statt. Ulmen soll in dem fünfstündigen Gespräch umfassende Antworten gegeben haben, heißt es nun in einem Bericht in der aktuellen "Zeit"-Ausgabe . Auch mit Ulmens Anwalt, dem Medienrechtler Christian Schertz, führten "Zeit"-Journalistinnen demnach später ein Interview. Beide hätten aber aus den Gesprächen anschließend keinerlei Zitate freigegeben. Hintergrund für den Vorgang ist laut der "Zeit" der im Journalismus übliche Autorisierungsprozess. Eine interviewte Person darf – wenn zuvor abgesprochen – mitentscheiden, welche Zitate in ihrem Namen veröffentlicht werden. Ulmen und Schertz haben demnach entschieden, dass keines ihrer Zitate erscheinen darf. Es habe eine "wochenlange Auseinandersetzung über Formulierungen" gegeben, heißt es. Der Fall Fernandes beschäftigte die Gesellschaft über die Justiz hinaus. Und er ist komplex: Es geht um digitale sexualisierte Gewalt und um mutmaßliche körperliche Übergriffe. Die Schauspielerin beschuldigte ihren Ex-Mann, sie "virtuell vergewaltigt" zu haben. Ulmen soll täuschend echt aussehende Fakeprofile von ihr erstellt haben, "Hunderte von Männern" kontaktiert haben. Der Schauspieler soll sich als Fernandes ausgegeben und mit Männern Chats und Gespräche mit sexuellen Inhalten geführt haben. Und er soll erotische Bilder und Videos verschickt haben, die den Eindruck erweckten, als handele es sich um Aufnahmen von Fernandes (lesen Sie die ganze SPIEGEL-Recherche hier ). Der SPIEGEL hatte Ulmen bereits Anfang März einen umfangreichen Fragenkatalog geschickt. Er selbst äußerte sich nicht dazu. Ulmens Anwälte boten dem SPIEGEL ein Hintergrundgespräch an. Die Juristen gingen dabei auf einen Teil der Vorwürfe gegen Ulmen ein – zuvor hatten sie es allerdings zur Bedingung gemacht, dass nicht über ihre Einlassungen berichtet werden darf. Die Anwälte, die Ulmen seit der SPIEGEL-Veröffentlichung vertreten, sprachen im Zusammenhang mit den Vorwürfen zunächst unspezifisch von "unwahren Tatsachen". In einer Pressemitteilung schrieben sie, dass Christian Ulmen zu keinem Zeitpunkt Deepfake-Videos von Fernandes oder anderen Personen hergestellt oder verbreitet habe. Zu einem mutmaßlichen Vorfall körperlicher Gewalt von Christian Ulmen gegen Collien Fernandes im Januar 2023 sagten sie, dass es damals zu "keinerlei einseitigen Gewalthandlungen und/oder Bedrohungen" durch Ulmen gekommen. Ihr Mandant habe gegenüber Fernandes generell keine körperlichen Übergriffe begangen, sie nicht am Körper verletzt beziehungsweise schwer bedroht. Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft Potsdam seit Ende Mai gegen Christian Ulmen – und zwar auf Grundlage der Anzeige von Fernandes. Zuvor hatte die Behörde lediglich geprüft, ob ein Anfangsverdacht besteht. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Fall Fernandes lesen Sie hier .