Viele wünschen sich laut Umfrage eine Pflicht zum Fahrradhelm, nur wenige tragen einen

Datum03.06.2026 12:13

Quellewww.spiegel.de

TLDREine Forsa-Umfrage zeigt: Über ein Drittel der Radfahrer verzichtet auf einen Helm, oft wegen kurzer Strecken oder Bequemlichkeit. Obwohl die Zustimmung zu einer Helmpflicht hoch ist (54%, bei E-Bikes 66%), gibt es in Deutschland keine gesetzliche Pflicht. Andere Länder haben teils strenge Regelungen für bestimmte Altersgruppen. Experten warnen, eine Pflicht könnte vom Radfahren abhalten.

InhaltViele Radfahrer tragen lieber keinen Helm, dafür nennen sie verschiedene Gründe. Gesetzlicher Zwang jedoch stößt auf erstaunlich hohe Zustimmung. Mehr als jeder dritte Radfahrer verzichtet einer Umfrage zufolge auf einen Helm während der Fahrt. Besonders jüngere Menschen zwischen 18 und 29 Jahren tragen demnach keinen Kopfschutz, das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Sender RTL und n-tv. Fast die Hälfte von ihnen lege nach eigenen Angaben keinen Helm an. Als häufigsten Grund gegen das Tragen nannten 42 Prozent aller Befragten kurze Fahrstrecken. Andere verwiesen auf unbequeme Helme (23 Prozent), auf Vergesslichkeit (21 Prozent), ein einengendes Gefühl (18 Prozent), vorsichtigen Fahrstil (17 Prozent) und Ästhetik (14 Prozent). Jeweils etwas mehr als ein Drittel der 1003 Befragten gab bei der Umfrage an, entweder immer oder nie einen Helm zu tragen. Noch geringer als in der Umfrage erscheint der tatsächlich auf den Straßen gemessene Anteil der Radfahrer mit Helm. Nach Angaben  der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen waren es 2025 innerorts 37 Prozent, spürbar weniger als in den Vorjahren. Mehrheitlich mit Helm fuhren Menschen auf E-Bikes und sechs- bis zehnjährige Kinder. Besonders niedrig und stark rückläufig war der Anteil in den Altersgruppen zwischen 17 und 30 Jahren. Helme können bei Unfällen oder Stürzen das Risiko schwerer Kopfverletzungen verringern. Laut vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes starben im vergangenen Jahr 462 Radfahrerinnen und -fahrer bei einem Unfall, darunter 217 mit einem Pedelec, das umgangssprachlich auch als E-Bike bezeichnet wird. Das waren 3,8 Prozent mehr als im Jahr 2024. Im Vergleich zu 2015 nahm die Zahl der getöteten Radlerinnen und Radler hierzulande um 20,6 Prozent zu. Der Anstieg sei auf die zunehmende Zahl von E-Bike-Nutzern zurückzuführen, erläuterte das Bundesamt. Bei wie vielen Unfällen ein Helm hätte schützen können, geht aus der Statistik nicht hervor. Eine Helmpflicht für Fahrradfahrer gibt es in Deutschland bisher nicht. Laut der Umfrage befürworten allerdings 54 Prozent aller Befragten eine solche. Bei Fahrten mit E-Bikes waren sogar 66 Prozent dafür. In anderen Ländern muss dagegen Helm getragen werden – zumindest gilt das für bestimmte Altersgruppen. Im Nachbarland Tschechien müssen Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren einen Helm auf dem Rad tragen. Für Erwachsene wird es nur empfohlen. In Spanien müssen alle außerhalb geschlossener Ortschaften einen Helm aufsetzen, innerorts nur Jüngere unter 16. In Österreich schreiben die Behörden vor: "Kinder bis zum zwölften Geburtstag müssen bei der Benutzung von jedem Fahrrad einen Radhelm tragen." In Schweden gibt es eine Helmpflicht für alle unter 15 Jahren. In den Niederlanden bereitet die Regierung eine Helmpflicht für unter 18-Jährige auf E-Bikes vor . Vor dem Hintergrund des Aufkommens stark motorisierter Fatbikes lehnt die Radfahrerlobby Fietsersbond eine Helmpflicht nicht mehr pauschal ab. Grundsätzlich fürchten sie und viele Experten jedoch, ein Zwang zum Helm könnte Menschen vom Radfahren abhalten und so den Straßenverkehr insgesamt gefährlicher machen.