Delfin-Weibchen merken sich offenbar, welche Männchen aggressiv sind

Datum03.06.2026 12:09

Quellewww.spiegel.de

TLDRDelfinweibchen in Australien können aggressiven Männchen durch deren Pfeiftöne wiedererkennen und meiden. Die Tiere scheinen sich die Töne von Männchen zu merken, die sie während der Paarungszeit bedrängt haben. Diese Fähigkeit ermöglicht es den Weibchen, ihre Paarungspartner strategisch auszuwählen und ihre Reproduktionserfolge zu steigern, was die Komplexität des sozialen Verhaltens bei Delfinen unterstreicht.

InhaltIn der Paarungszeit bedrängen Delfinmännchen die Weibchen mitunter tagelang, um sie von der Konkurrenz fernzuhalten. Forschende zeigen: Die Weibchen können diese Tiere wiedererkennen. Mit Folgen. Mit wem sie sich fortpflanzen wollen, überlegen sich Delfinweibchen offenbar gut. Forschende haben in der Shark Bay, einer Bucht an der Westküste Australiens, untersucht, wie Weibchen auf Männchen reagieren, denen sie schon einmal begegnet sind. Dabei haben sie festgestellt, dass die Weibchen bestimmte Männchen meiden. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachblatt "PNAS " veröffentlicht. In der Paarungszeit schließen sich Delfinmännchen oft zusammen, "um die Weibchen so lange wie möglich bei sich zu halten", sagte Studienleiterin Stephanie King von der Universität Bristol in Großbritannien dem "Guardian ". "Sie schränken die Bewegungsfreiheit der Weibchen ein." Über Stunden, mitunter mehrere Tage, bedrängen solche Gruppen die Weibchen im Wasser und halten sie so von anderen Männchen fern. Über spezielle Pfeiftöne verständigen sich die Männchen dabei und erkennen sich wieder. Die Forschenden wollten herausfinden, wie diese Töne auf die Weibchen wirken. Dazu haben King und ihr Team 34 der charakteristischen Töne gesammelt. Diese haben sie unter Wasser abgespielt und 17 Weibchen unter anderem mit Drohnen dabei beobachtet, wie sie auf die Töne reagierten. Das Ergebnis: Grundsätzlich paarungsbereite Weibchen zeigten Abwehrreaktionen bei den Tönen von Männchen, die sie zuvor bedrängt hatten. Bei nicht paarungsbereiten, etwa älteren Weibchen, war eine ähnliche Abwehr nicht zu beobachten. Den Forschenden deutet das Verhalten der Weibchen darauf hin, dass diese die Männchen über eine längere Zeit beobachten, wiedererkennen und auf Basis ihrer Erfahrung mit den Tieren eine Entscheidung über eine mögliche Paarung treffen können. Delfinweibchen können also offenbar "ihre Beziehungen und die Partnerwahl strategisch steuern", heißt es in der Studie. Die Arbeit sei eine "wertvolle Feldstudie, die die Komplexität von Delfingesellschaften bestätigt", sagte Walforscher Mike Bossley, der nicht an der Untersuchung beteiligt war, dem "Guardian". "Im Wesentlichen geht es darum, die Persönlichkeit jedes Männchens zu kennen – und diese Informationen zu nutzen, um zu entscheiden, wer der Vater ihres Kalbs sein soll."