Datum03.06.2026 06:19
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Kunstinstallation "La Caverne du Pont Neuf" des Künstlers JR in Paris wurde kurz vor der Eröffnung beschädigt und die geplante Öffnung verschoben. Das aufblasbare Kunstwerk, eine Hommage an Christo und Jeanne-Claude, soll Besuchern ein immersives Erlebnis bieten, mit einer Höhlenlandschaft und einer Tonkulisse von Thomas Bangalter. JR ist bekannt für großformatige Foto-Installationen im öffentlichen Raum.
InhaltWenige Tage vor der Eröffnung ist das temporäre Werk des Künstlers JR in Paris beschädigt worden. Die verhüllte Brücke kann nicht wie geplant für Besucher öffnen. Die imposante Verhüllung der Pariser Brücke Pont Neuf ist wenige Tage vor der geplanten Publikumsöffnung beschädigt worden. Wie das Team des französischen Künstlers JR mitteilte, arbeiten technische Experten daran, die genauen Gründe herauszufinden. Die begehbare Höhle La Caverne du Pont Neuf (auf Deutsch: Die Höhle des Pont Neuf) soll nun nicht wie geplant am 6. Juni öffnen, sondern erst zu einem späteren, bisher nicht festgelegten Zeitpunkt. Das Kunstwerk ist eine aufblasbare Höhlenlandschaft aus Stoff, 120 Meter lang, 20 Meter breit und bis zu 18 Meter hoch. Das Projekt ist eine Hommage an Christo und Jeanne-Claude, deren legendäre Verhüllung der ältesten Pariser Brücke – wie die des Berliner Reichstags 1995 – einst weltweit für Aufsehen sorgte. Wie schon Christo geht es auch JR weniger um das Objekt selbst als um die Veränderung des Blicks auf die Stadt. La Caverne du Pont Neuf ist für JR bislang das größte Projekt seiner Laufbahn. Bekannt wurde der französische Künstler mit großformatigen Foto-Installationen im öffentlichen Raum und Trompe-l'oeil-Installationen. "Es soll ein immersives Erlebnis werden", sagte JR über sein Werk. In der Höhle wird eine Tonkulisse zu hören sein, die der ehemalige Daft-Punk-Musiker Thomas Bangalter kreiert hat. "Es soll das Ungeschliffene und Wilde der raffinierten Eleganz der Pariser Bauten gegenüberstellen", sagte JR, zu dessen Markenzeichen Hut und Sonnenbrille zählen. Das Motiv der Höhle hat er schon früher verarbeitet, etwa in einer Fotomontage auf der Fassade der Pariser Opéra Garnier. "Eine Höhle zu betreten, macht immer etwas Angst und ist zugleich faszinierend", fügt er hinzu. Paris sei zudem eine Stadt, "die gut geeignet ist für monumentale Werke". Frühere Werke von JR waren politischer und kontroverser, etwa die großformatigen Porträts von Grimassen schneidenden Israelis und Palästinensern auf den Sperranlagen zwischen Israel und dem Westjordanland. In den Favelas von Rio de Janeiro plakatierte er riesengroße Gesichter und Augen von Frauen, die dort leben, unter ihnen Angehörige von getöteten Jugendlichen. In Paris blieben vor allem seine spielerischen Umgestaltungen der gläsernen Pyramide im Hof des Louvre-Museums in Erinnerung: 2016 bedeckte JR die Pyramide mit Fotos der dahinterliegenden Fassade, sodass sie wie verschwunden schien. Drei Jahre später gestaltete er den Boden rund um die Pyramide so, dass es aussah, als sei sie in ein tiefes Loch gefallen.