Datum03.06.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRHamburg ist ein wichtiger Gewürzumschlagsplatz. Der globale Safranhandel leidet unter geopolitischen Spannungen im Iran, was zu Lieferengpässen führt. Aktuell ist der Besuch des Hamburger Michel kostenlos, im Gegensatz zum Kölner Dom. Mehrere Gewalttaten und ein Prozess gegen einen Reichsbürger werden gemeldet. Die gescheiterte Olympia-Bewerbung Hamburgs wird als Eliteprojekt kritisiert. Flusswärmepumpen, die Flüsse zur Beheizung nutzen, bergen Potenzial für die Energiewende.
InhaltDie Elbvertiefung am Mittwoch – Mit Pfeffersäcken, freiem Eintritt in den Michel und einer Analyse, dass der Wunsch nach Olympischen Spielen ein Projekt der Elite war heute machen wir an dieser Stelle eine Olympia-Pause und widmen uns einem weniger umstrittenen Thema: Hamburg ist die Hauptstadt der Pfeffersäcke. Etwa 12.150 Tonnen Pfeffer haben Händler 2025 in die Hansestadt importiert, so das Statistikamt Nord. Mehr als von jedem anderen Gewürz. Über den Hafen würden pro Jahr geschätzt 80.000 Tonnen Rohgewürze umgeschlagen, sagt Viola Vierk. "Hamburg ist der drittgrößte Umschlagplatz der Welt für Gewürze – nach Singapur und New York." Vierk muss es wissen. Sie war lange selbst Gewürzhändlerin. Vor 33 Jahren gründete sie das Gewürzmuseum in der Speicherstadt. Wenn es um die Deutschen und das Würzen geht, wird sie ungehalten. "Die Leute nehmen viel zu viel Salz", schimpft sie dann. Sie seien da eher fantasielos. Gehört habe ich diese Tadel bei einer "Hanseatischen Pfeffersacktour". Das Museum bietet solche Touren an. Bei meiner schwärmte Vierk von Schokoladenpfeffer, Tonkabohnen und Zimtblüten. Und davon, wie sehr Safran die Stimmung aufhellen könne. Sie selbst streue sich morgens ein paar Fäden in den Tee, verriet sie. Mich hat sie damit angesteckt, ich mache das jetzt auch. Wenn der Tee nach Safran riecht und die Fäden gelbe Schlieren ziehen, hebt das meine Laune. Kürzlich war ich wieder im Museum, um ein Döschen Gute Laune zu kaufen. Billig ist das nicht, Safran gehört zu den teuersten Gewürzen der Welt. Ich solle mich eindecken, riet mir die Mitarbeiterin. Safran werde knapp. Das ließ mich aufhorchen. Ich rief Hamburgs größten Safranhändler an, er heißt Christoph Hantke und er bestätigte das. Hinter der Knappheit steckt ein Konflikt, der auf den ersten Blick wenig mit Hamburgs Gewürzlagern zu tun hat – und mehr mit harter Geopolitik. Vom weltweit verkauften Safran stammen mehr als 90 Prozent aus dem Iran. Seit Ende Februar, als Israel und die USA Ziele in Teheran angriffen, sind die Lieferungen per Flugzeug so gut wie unterbrochen. Auch Händler Hantke bekommt kaum noch Ware. Mehr dazu lesen Sie in diesem Artikel (Z+). Die Tour im Gewürzmuseum hat übrigens Spaß gemacht. Aber falls Sie jetzt auch eine machen möchten, achten Sie auf die Nebenwirkungen. Sonst endet das so wie früher bei den Butterfahrten. Man kauft Dinge, hier: Gewürze, von denen man vorher nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Kristina Läsker Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de. Während Besucher im Kölner Dom künftig zwölf Euro Eintritt zahlen müssen, bleibt der Besuch des Hamburger Michel kostenlos, bestätigte eine Sprecherin der Hauptkirche. Allerdings werde um eine Spende gebeten. Wie bereits heute schon kosten Besuche auf dem Turm und in der Krypta extra. In einem Supermarkt in Altona ist am Montagabend ein Mann niedergestochen worden. Später erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen. Laut Polizei waren zwei 29 und 31 Jahre alte Männer vor dem Markt in einen Streit geraten, dieser Streit verlagerte sich dann ins Innere. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Sechs Monate nach Schüssen bei einem Polizeieinsatz in Lurup hat am Landgericht ein Prozess gegen einen 74-jährigen mutmaßlichen Reichsbürger begonnen, dessen Haus zwangsversteigert werden sollte. Die Anklage wirft ihm versuchten Mord an Polizisten vor. Am Montagabend ist in Westerland auf Sylt das Vordach eines Mehrfamilienhauses mit Geschäften abgebrochen und auf den Bürgersteig gestürzt. Verletzt wurde niemand. Die Polizei hält Baumängel an dem Gebäude gegenüber dem Schwimmbad "Sylter Welle" für die Ursache. Nach Schüssen auf einen 42-jährigen Hamburger in Buxtehude hat die Polizei eine Mordkommission eingerichtet. Der Mann sei außer Lebensgefahr, seine Lage bleibe aber kritisch. Wer ihn verletzte und warum, ist unklar. Hamburgs verlorene Olympia-Entscheidung zeigt auch: Wer Menschen mitnehmen will, muss wissen, wohin. Für den US-amerikanischen Stadtgeografen und Sozialwissenschaftler John Rennie Short, der 16 Jahre vor dem gescheiterten Referendum des Hamburger Senats eine hellsichtige Olympia-Analyse schrieb, hatte die Ausrichtung der Spiele wenig mit Sport zu tun. Es ging für ihn um "boosterism", also eine Art Gigantismus im Stadtmarketing. Städte werden dabei von ihren politischen Führungen nicht als Orte einer zu gestaltenden Lebenswirklichkeit aufgefasst, sondern als im Wettbewerb befindliche globale Akteure, die im Kampf um Wachstumschancen unablässig um Aufmerksamkeit und Kapital konkurrieren. "Gastgeber der Spiele zu sein", schrieb Short, "verschafft den städtischen Eliten Anreiz und Gelegenheit, ihre Städte in einem zunehmend wettbewerbsorientierten Umfeld neu aufzustellen." Dafür benötigten sie "eine Fassade der Massenunterstützung, um die enormen Kosten zu rechtfertigen und eine öffentliche Legitimation in die Zukunft zu projizieren". Als der Stadtforscher diese Sätze schrieb, hatte das IOC seine Wende zum Weniger, zu nachhaltigeren, weniger bombastischen Spielen noch nicht vollzogen. Den städtischen Eliten ging es damals eher um Firmensitze und monumentale Veranstaltungsorte als um einen grünen Umbau, wie ihn die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo 2024 mit den Spielen in ihrer Stadt verband. Wie gut Shorts Analyse dennoch bis heute zutrifft, war in Hamburg schon am Abend des Referendums zu erleben, als das Olympialager sich nicht etwa im Rathaus versammelte, wo das Volk seine gewählten Vertreter hinschickt, sondern nebenan in den Räumen der Handelskammer. Die politische Elite Hamburgs, bestehend aus dem Senat, der Roten und der Grünen Bürgerschaftsfraktion und der CDU-Opposition, war im Kampf um die Olympischen Spiele für kurze Zeit ein Bündnis eingegangen. Die ökonomische Elite der Stadt hatte die Pro-Kampagne mit Millionenbeträgen unterstützt. Eventveranstalter und PR-Leute organisierten einen eigenen Demonstrationszug. Die Sportvereine, die in einer wirklich olympiabegeisterten Stadt an vorderster Front für die Spiele werben würden, wurden durch die Alexander Otto Sportstiftung, benannt nach dem jüngsten Sohn der gleichnamigen Unternehmerfamilie, mit einer Millionenspende für einen Olympia-Wettbewerb geködert. Am Ende war das Eliteprojekt nur in den reichsten und auf ihre Weise auch recht elitären Stadtteilen Hamburgs mehrheitsfähig. Lesen Sie hier den vollständigen Text (Z+) von ZEIT-Redakteur Frank Drieschner. Wie der Rhein und die Elbe unsere Wohnzimmer beheizen könnten Flüsse speichern Wärme, Flusswärmepumpen nutzen sie. Die Anlagen haben enormes Potenzial für die Wärmewende, aber bislang gibt es sie in Deutschland kaum. Warum? Die Antwort sucht ZEIT-Autorin Maike Rademacher. → Zum Artikel (Z+) Heute Abend ist der Biologe und Moorforscher Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises, in der Botschaft der Wildtiere zu Gast. Dort wird der Dokumentarfilm Wie geht Natur gezeigt. Er zeichnet das Leben und Wirken von Michael Succow nach. Succow hat in den Jahren 1989 und 1990 in Deutschland maßgeblich am damals größten Naturschutzprogramm mitgearbeitet: Es entstanden fünf neue Nationalparks, sechs Biosphärenreservate und drei Naturparks. Auch international engagierte er sich für den Naturschutz. Im Anschluss an den Film gibt ein Podiumsgespräch mit Michael Succow, seiner Tochter Kathrin und dem Geschäftsführer der Succow Stiftung, Jan Peters. "Wie geht Natur", 3.6., 18.30 Uhr; Botschaft der Wildtiere, Lucy-Borchardt-Straße 2; Tickets gibt es hier Vier Männer lehnen sich über die Motorhaube eines Transporters, zwischen ihnen auf der Haube liegt ein Papier. Sie schauen drauf und schnacken darüber. Einer klopft Takte auf dem Metall. "Hör doch mal auf damit. Ein Auto hat doch auch Gefühle!" Pause. "Jo, stimmt. Hett sik bedankt!" Gehört von Renate Antonie Krause Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.