Datum03.06.2026 04:22
Quellewww.spiegel.de
TLDRBei Markus Lanz eskalierte eine Debatte über die FDP und Rentensysteme in eine Auseinandersetzung über das Ende der Ampelkoalition. Karl Lauterbach zeigte sich traumatisiert von der FDP, während Marie-Agnes Strack-Zimmermann mit Kubicki rang und insinuiert, dass die Partei ihre Identität verloren habe. Strack-Zimmermanns Sorge vor einer Zusammenarbeit der FDP mit der AfD motivierte ihre Kandidatur. Nach ihrem Ausscheiden widmete sich Lanz mit Lauterbach und anderen Gästen der Rentendiskussion.
InhaltStatt über die FDP zu diskutieren, eskaliert bei "Markus Lanz" der Streit über das Ende der Ampel. Karl Lauterbach ist davon offenbar noch immer traumatisiert. Marie-Agnes Strack-Zimmermann stichelt passiv-aggressiv. Sie erhalten mehr Inhalte von uns in Ihren Suchergebnissen. Was in der derzeitigen Rentendiskussion oft vergessen wird: Wenn die Deutschen länger arbeiten müssten, würden in diesem Land bald Zustände wie in der FDP herrschen. Dort hat am Wochenende die 68-jährige Marie-Agnes Strack-Zimmermann den 74-jährigen Wolfgang Kubicki bei der Wahl zum Parteivorsitzenden herausgefordert. Am Dienstagabend nun war Strack-Zimmermann in die Talkshow von Markus Lanz zugeschaltet. Die Sendung hatte zwei Themen: Den Zustand der FDP und den der Rentensysteme. In beiden Fällen nicht gut, könnte man sagen. Lanz allerdings vermied derartige Analogien, sondern konfrontierte die aus ihrem Brüsseler Büro zugeschaltete Strack-Zimmermann zuerst einmal mit einem Zitat ihres Kontrahenten Kubicki: Nun wisse sie, "wo der Hammer hängt" hatte der ihr beschieden, nachdem sie ihm auf dem Parteitag unterlegen war. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. "In der Werkzeugschublade" konterte Strack-Zimmermann nun bei Lanz und fügte ein wenig maliziös hinzu, die Redewendung mit dem Hammer sei "nicht ganz neu". Womöglich ein Seitenhieb darauf, dass Kubicki noch älter ist als sie selbst und nun dennoch die Zukunft der FDP darstellt – aber welche Zukunft eigentlich? Und für welche politische Richtung soll die Partei dann eigentlich stehen? Ist die Kubicki-FDP nun rechts- oder gar nationalliberal, ist sie wirtschaftsliberal oder in ihrem Kern eigentlich immer noch linksliberal, so wie der junge Kubicki das einmal war? Markus Lanz hätte diesen Fragekomplex in seiner Sendung offensichtlich gern eingehender behandelt, immer wieder kam er auf die "Brandmauer" zur AfD zu sprechen, die der neue FDP-Generalsekretär Martin Hagen gerade als "Popanz" bezeichnet hatte (mehr hier ). Dass dies in der Diskussion dann fast gar keine Rolle mehr spielte, lag an Karl Lauterbach. Der SPD-Politiker ist seit dem Ende der Ampelkoalition im Herbst 2024 offenbar derart dauerhaft traumatisiert, dass allein die Erwähnung des Begriffs "FDP" ihn triggert. Wie heißt es in der anderen, im psychoterapeutischen Sektor gern benutzten Hammer-Redewendung unserer Zeit: "Wer einen Hammer hat, sieht überall Nägel." Lauterbach liess sich kaum stoppen in seiner Suada über das "Lügengerede von Lindner", den "unseriösen Charakter dieser Partei" bis er irgendwann sogar im Jahr 1973 angekommen war, als der spätere Bundespräsident Walter Scheel, ein Liberaler, das Volkslied "Hoch auf dem gelben Wagen" auf Single aufgenommen hatte. Lauterbach war damals zehn Jahre alt und die Basis für ein frühkindliches Trauma offenbar schon gelegt: Ein singender Bundespräsident! Für Lauterbach heute noch ein weiterer Beweis dafür, dass man sich von den Liberalen besser fernhält. Dass ihm Markus Lanz ausgerechnet an dieser Stelle ins Wort fiel, hatte fast schon etwas unfreiwillig Komisches. Seine Sendung erinnerte da längst an eine aus dem Ruder gelaufene Therapiesitzung. "Hören sie sich eigentlich reden?", blaffte Strack-Zimmermann Lauterbach an, um fortzufahren: "Ich käme nie auf die Idee, Ihnen zu sagen, dass man sie nicht mehr als Minister wollte, weil sie allen auf den Geist gegangen sind." Die feine Kunst des Passiv-Aggressiven. Keine Therapierunde kommt ohne sie aus. Nach 35 Minuten verabschiedete sich Strack-Zimmermann aus der Sendung, Lanz war es kurz zuvor immerhin noch gelungen, ihr wenigstens eine Antwort von politischem Gewicht zu entlocken: "Haben Sie Sorge, dass die FDP mit der AfD gemeinsame Sache macht? Strack-Zimmermann: "Ich hatte diese Sorge, deshalb habe ich kandidiert." Lauterbach, der sich bis dahin x-beinig in seinen Studiostuhl gekauert hatte, entspannte sich merklich, als die FDP-Politikerin weg war. Nun konnten er und Lanz sich gemeinsam mit den beiden anderen Studiogästen, dem Journalisten Robin Alexander und dem Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen, dem anderen Thema der Sendung zuwenden: der Rente. Für die These, dass es dem Land besser ginge, wenn die Menschen länger arbeiten würden, liefert allerdings zumindest der Zustand der FDP keinerlei Belege.