Datum02.06.2026 20:17
Quellewww.spiegel.de
TLDRUniCredit baut seinen Anteil an der Commerzbank auf über 34 % aus und überschreitet damit die 30 %-Schwelle. Trotz Widerstands des Commerzbank-Managements sichert sich UniCredit die Mehrheit der Aktien. Die Bank plant weitere Käufe durch Optionen und könnte potenziell bis zu 50,8 % der Anteile erwerben. Commerzbank-Vorstand und Betriebsrat lehnen das "feindliche" Übernahmeangebot ab, das keinen Aufschlag bietet und zu massivem Stellenabbau führen könnte.
InhaltDie feindliche Übernahme der Commerzbank durch die UniCredit schreitet voran. Die Italiener bauen ihren Anteil auf mehr als 34 Prozent aus und überschreiten damit die wichtige 30-Prozent-Schwelle. Sie erhalten mehr Inhalte von uns in Ihren Suchergebnissen. Die italienische Großbank UniCredit hat ihren Anteil an der Commerzbank weiter ausgebaut und vorzeitig die Schwelle von 30 Prozent überschritten. Mit dem Übernahmeangebot für den deutschen Rivalen hat UniCredit schon zwei Wochen vor Ablauf der Annahmefrist 7,58 Prozent der Commerzbank-Aktien eingesammelt, teilte das Institut mit. Die bisher starke Resonanz spiegele den Wert wider, den die Investoren in dem Übernahmeangebot von UniCredit sähen, erklärte das Geldhaus. Damit hat UniCredit-Chef Andrea Orcel – trotz des Widerstands des Commerzbank-Vorstands – insgesamt 34,35 Prozent der Anteile sicher. Weitere Käufe wären damit möglich, ohne dass ein höheres Pflichtangebot fällig würde. Zuletzt hatte UniCredit einen Anteil von 26,77 Prozent gemeldet. Orcel arbeitet zugleich daran, die Beteiligung weiter auszubauen. Weitere 3,22 Prozent kann UniCredit nach eigenen Angaben in jedem Fall erwerben, indem die Bank Kaufoptionen zieht, die sie von mehreren Investmentbanken erworben hat. Insgesamt könnte sich Orcel unter Umständen sogar Zugriff auf bis zu 50,8 Prozent der Commerzbank-Anteile verschaffen. Ab der 50-Prozent-Schwelle, also einer Mehrheit, verliert die Commerzbank ihre Eigenständigkeit. UniCredit war im September 2024 nach einem Aktienverkauf des Bundes bei der Commerzbank eingestiegen und wurde zum größten Einzelaktionär vor dem Staat. Konzernchef Orcel wirbt seit Monaten für einen Zusammenschluss und sieht Potenzial für milliardenschwere Einsparungen. Management, Betriebsrat und Beschäftigte der Commerzbank lehnen das Vorgehen als "feindlich" ab. Aufsichtsrat und Vorstand raten den Aktionärinnen und Aktionären, nicht anzudienen – auch weil das Angebot keine Übernahmeprämie enthalte, sondern einen Abschlag. Die Commerzbank warnt zudem vor Risiken, unter anderem wegen des Russlandgeschäfts von UniCredit. Außerdem rechne sie im Übernahmefall mit einem deutlich stärkeren Stellenabbau: Statt der geplanten 3000 Vollzeitstellen bis 2030 könnten nach Darstellung von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp bis zu 11.000 Jobs wegfallen. Den von UniCredit vorgelegten Plan hält sie für unrealistisch. Die Commerzbank verweist auf ihr starkes Ergebnis und will Aktionärinnen und Aktionäre mit Aussicht auf steigende Gewinne und höhere Dividenden halten. Der Bund, der noch gut 12 Prozent der Anteile an dem Institut hält, lehnt eine feindliche Übernahme ebenfalls ab. Was die Italiener mit der Commerzbank wollen was sie den Aktionären anbieten, lesen Sie hier.