Datum02.06.2026 15:10
Quellewww.spiegel.de
TLDRMatthias Lilienthal übernimmt die Berliner Volksbühne und startet mit einem provokanten Projekt: einem 25-Meter-Schwimmbecken vor dem Haus, das als "Volksbad" für alle, gratis und ohne Ausweispflicht, zugänglich sein soll. Dies dient teils als theatralisches Event, teils als Protest gegen den Infrastrukturverfall. Lilienthal kehrt nach prägender Tätigkeit an der Volksbühne, dem HAU und den Münchner Kammerspielen zurück. Ein vielfältiges Programm mit bekannten und neuen Künstlern ist geplant, inklusive der Wiedereröffnung des Praters.
InhaltMatthias Lilienthal übernimmt die Volksbühne in Berlin. Zum Auftakt will er ein 25-Meter-Schwimmbecken vor dem Haus aufstellen. Das "Volksbad" soll offen für alle sein, "gratis und ohne Ausweispflicht". Sie erhalten mehr Inhalte von uns in Ihren Suchergebnissen. Zum Auftakt seiner Intendanz will Matthias Lilienthal die Berliner Volksbühne vorübergehend zum Schwimmbad machen. Statt Bühne oder Podium soll es anfangs ein Schwimmbecken und eine Pommesbude geben, wie er mit seinem Team ankündigte. Vor dem Gebäude am Rosa-Luxemburg-Platz wird demnach von August bis Oktober ein 25 Meter langes Schwimmbecken aufgebaut. Einerseits sei das die Möglichkeit zu sagen, "die Volksbühne versteht unter theatralischen Events auch, wenn zwei Leute sich nass spritzen", sagte Lilienthal bei der Vorstellung seiner Pläne. Andererseits sei es aber auch Protest gegen den Verfall der Infrastruktur, den man in Berlin etwa bei Bahnen, Schulen, Universitäten und Schwimmbädern erlebe. "Uns freut es sehr, dass wir den Freibadmangel für zwei Monate ein klein bisschen relativieren", sagte Lilienthal. Das "Volksbad" soll man laut Mitteilung "gratis und ohne Ausweispflicht" besuchen können. Lilienthal übernimmt die Volksbühne, nachdem der bisherige Intendant René Pollesch vor zwei Jahren gestorben war. Lilienthal hatte schon früher an der Volksbühne gearbeitet, leitete das Berliner HAU und die Münchner Kammerspiele. Nun kehrt er an die Volksbühne zurück. Zum Ensemble gehören weiterhin etwa Kathrin Angerer, Martin Wuttke und Sophie Rois. Neu hinzu kommt die Österreicherin Julia Riedler, die 2025 vom Fachmagazin "Theater heute" zur Schauspielerin des Jahres gekürt worden war und gerade mit "Fräulein Else" beim Theatertreffen war. Lesen Sie hier , warum Riedler Nacktheit auf der Bühne prinzipiell weder anstößig noch aufregend findet. Das Performancekollektiv Rimini Protokoll wird sich mit dem Mauerfall beschäftigen. Geplant sind zum Beispiel auch Arbeiten der Japanerin Satoko Ichihara, des brasilianischen Performanceduos Wallace Ferreira und Davi Pontes sowie von Lena Brasch, Christopher Rüping und Toshiki Okada. Bespielt werden soll auch wieder der Prater, eine Spielstätte, die mehr als ein Jahrzehnt geschlossen war. Dort ist etwa die Uraufführung von "Die Perfektionen" nach dem Roman von Vincenzo Latronico in der Regie von Anta Recke geplant. Die Choreografin Florentina Holzinger, die zu Lilienthals Beraterinnenteam gehört, soll im Mai 2028 eine neue Produktion an der Volksbühne zeigen. Sie ist für radikale Performancestücke wie "Sancta" und "A Year without Summer" bekannt und bespielt derzeit auch den österreichischen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig. Lesen Sie hier mehr über die Performance, bei der Holzinger unter anderem mit dem Urin der Besucherinnen und Besucher arbeitete.