Antje von Dewitz und Sebastian Klein: »Privat mehrere Millionen anzuhäufen, ist immer unanständig«

Datum02.06.2026 11:08

Quellewww.zeit.de

TLDRAntje von Dewitz (Vaude) und Sebastian Klein (Blinkist) diskutieren in einem Podcast ihr Verhältnis zu Profit und Vermögen. Klein, ehemals auf schnellen Reichtum aus, verteilte 90% seines durch Blinkist verdienten Vermögens an gemeinwohlorientierte Projekte, da er sich von Geld und Menschen entfremdet fühlte. Von Dewitz hingegen betrachtet Profit als überlebensnotwendig, um ihr Familienunternehmen Vaude nachhaltig und ohne Ausbeutung zu führen. Beide betonen die Bedeutung von sozialer Verantwortung und werfen kritische Fragen zur Vermögensverteilung auf.

InhaltAntje von Dewitz setzt auf Nachhaltigkeit, Sebastian Klein investiert in gemeinwohlorientierte Projekte. Im Podcast erzählen sie, wie wichtig Profit für sie ist. "Die Ursache von fast allen größeren gesellschaftlichen Problemen liegt darin, wie wir Vermögen verteilen", sagt Sebastian Klein im Podcast Frisch an die Arbeit. Der 44-jährige Unternehmer hat 2012 zusammen mit Freunden die App Blinkist gegründet, die Sachbücher in kurzen Texten zusammenfasst. "Mein größter Wunsch war damals, möglichst schnell möglichst viel Geld zu verdienen." Mit dem Verkauf der App wurde Klein im Jahr 2023 zum Multimillionär. Der plötzliche Reichtum habe ihn verändert, sagt er. "Ich wollte immer mehr. Plötzlich hatte ich das Gefühl, ich entferne mich dadurch von Menschen und einfachen Freuden, die eigentlich viel wichtiger sind im Leben." Klein gründete die Investmentfirma Karma Capital und gab 90 Prozent seines Vermögens an kleine, gemeinwohlorientierte Initiativen, die nicht profitorientiert sind. Für Antje von Dewitz ist Profit hingegen "überlebenswichtig", wie sie im Podcast sagt. "Ich bin auf Profit angewiesen, er erlaubt mir, nachhaltig zu wirtschaften und nicht auf Ausbeutung zu setzen, wie andere Unternehmen." Sie hat das Familienunternehmen Vaude im Jahr 2009 von ihrem Vater übernommen – eine Firma, die Outdoor- und Bergsportartikel verkauft. Von Dewitz richtete die Firma auf Nachhaltigkeit aus, nach eigenen Angaben achtet sie auf faire Arbeitsbedingungen und transparente Lieferketten. Im Podcast spricht die 53-Jährige darüber, wie schwierig es am Anfang war, ihre Ideen zur Nachhaltigkeit im Unternehmen durchzusetzen. Auch berichtet sie über ihre Erfahrungen als Frau in einer Führungsposition. Am Anfang sei die Belegschaft skeptisch gewesen, erzählt sie. Da seien Fragen gekommen wie: Weiß dein Vater, was du da machst? Doch die soziale Verantwortung des Unternehmens sei ihr immer wichtig gewesen. Für ihr Engagement bekam sie zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2024 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Die aktuelle Podcastfolge von Frisch an die Arbeit wurde live bei der Führungskräftemesse Future Leader Summit im Congress Center Hamburg (CCH) aufgezeichnet. Rund eine Stunde sprach Host Elise Landschek auf dem Podium mit ihren Gästen Antje von Dewitz und Sebastian Klein zum Thema "Führen mit Verantwortung: Perspektiven auf Macht, Geld und Gesellschaft". Dieser Podcast ist die gekürzte Fassung der Veranstaltung. "Frisch an die Arbeit" wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek. Das Team erreichen Sie unter frischandiearbeit@zeit.de.