Irankrieg: Hisbollah akzeptiert laut Libanon Vorschlag über Waffenruhe

Datum02.06.2026 02:45

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Hisbollah hat laut libanesischen Angaben einem US-Vorschlag zur Einstellung des Beschusses mit Israel zugestimmt. Präsident Trump berichtet von einer Deeskalation, doch Israels Regierungschef Netanjahu droht mit Angriffen auf Beirut, falls die Hisbollah ihre Attacken fortsetzt. Der Libanon ist seit März in den Irankrieg verwickelt, eine von der Hisbollah nicht anerkannte Waffenruhe gilt seit April. US-vermittelte Verhandlungen sind geplant, wobei die Hisbollah nicht daran teilnimmt.

InhaltDie libanesischen Behörden haben von der Hisbollah die Zusicherung erhalten, den gegenseitigen Beschuss mit Israel zu stoppen. Netanjahu droht jedoch mit neuen Angriffen. Im Ringen um eine Friedenslösung im Libanon hat die proiranische Hisbollah-Miliz libanesischen Angaben zufolge einem US-Vorschlag zur Einstellung der Angriffe auf Israel zugestimmt. "Die libanesischen Behörden haben die Bestätigung erhalten, dass die Hisbollah den US-Vorschlag für eine beidseitige Einstellung der Angriffe akzeptiert hat", erklärte die libanesische Botschaft in den USA. Demnach solle der Waffenstillstand auf das gesamte Staatsgebiet des Libanons ausgeweitet werden.  Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump von einem "sehr guten Gespräch" mit hochrangigen Hisbollah-Vertretern berichtet. "Sie haben zugestimmt, dass alle Schusswechsel eingestellt werden – dass Israel sie nicht angreifen wird und sie Israel nicht angreifen werden", erklärte Trump in seinem Onlinedienst. Auch Israel habe ihm ein Ende der gegenseitigen Angriffe zugesagt. Trump schrieb dazu, er habe den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu und die Hisbollah zu einer Deeskalation bewegt. Es würden "keine (israelischen) Truppen nach Beirut entsandt, und alle Truppen, die bereits unterwegs sind, wurden bereits zurückbeordert", schrieb Trump nach einem "sehr produktiven" Telefonat mit Netanjahu. Der israelische Ministerpräsident drohte jedoch mit Angriffen auf die libanesische Hauptstadt Beirut, falls die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel fortführen sollte. "Ich habe heute Abend mit Präsident Trump gesprochen und ihm gesagt, dass Israel terroristische Ziele in Beirut angreifen wird, sollte die Hisbollah ihre Angriffe auf unsere Städte und unsere Bürger nicht einstellen", erklärte Netanjahu laut seinem Büro. Zudem werde die israelische Armee "ihre Einsätze im Südlibanon wie geplant fortsetzen". In der Nacht zum Dienstag meldete das israelische Militär einen Angriff aus dem Libanon. Im Norden des Landes seien zwei Geschosse aus dem Libanon abgefangen worden, teilte die Armee mit. Es habe keine Verletzten gegeben.  Der Libanon war Anfang März in den Irankrieg hineingezogen worden. Die von Teheran finanzierte und militärisch wie politisch aus dem Iran unterstützte Hisbollah-Miliz greift seither israelische Stellungen an, Israel attackiert Ziele im Libanon aus der Luft und rückt zudem mit Bodentruppen weiter vor. Zwischen Israel und dem Libanon gilt seit Mitte April offiziell eine Waffenruhe, die von der Hisbollah allerdings nicht anerkannt wird. Mittlerweile ist die israelische Armee weiter in den Süden des Libanon vorgedrungen als zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem Ende ihrer Besetzung des Gebiets im Jahr 2000. Am Montag veröffentlichte die Armee einen Evakuierungsaufruf für einen südlichen Vorort der libanesischen Hauptstadt Beirut. Nach Angaben der israelischen Armee wurden am Montag zwei israelische Soldaten bei verschiedenen Vorfällen im Süden des Libanons getötet. Damit erhöht sich die Zahl der getöteten israelischen Soldaten im Libanon seit Anfang März auf 27. Zuvor hatte die Armee erklärt, dass seit Beginn der Waffenruhe "900 Hisbollah-Terroristen getötet" worden seien. Für die kommenden Tage sind jedoch weitere von den USA vermittelte Verhandlungen geplant: Ab Dienstag sollen im US-Außenministerium in Washington Vertreter Israels und des Libanons zur nunmehr vierten Gesprächsrunde zusammenkommen. Die Hisbollah lehnt die Gespräche ab, die ohne ihre Beteiligung stattfinden.