Datum15.10.2025 16:12
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer ehemalige Arzt Taleb Al Abdulmohsen, der am Magdeburger Weihnachtsmarkt ein Attentat verübte, wies laut einem Bericht seines früheren Arbeitgebers erhebliche fachliche Defizite auf. Er soll falsche Diagnosen gestellt und Patienten nicht korrekt behandelt haben. Trotz wiederholter Auffälligkeiten und einer geplanten Kündigung konnte der Arbeitgeber das Attentat nicht vorhersagen. Abdulmohsen wurde drei Tage nach dem Anschlag fristlos entlassen. Das Attentat, bei dem sechs Menschen starben, wirft Fragen zum Sicherheitskonzept des Weihnachtsmarktes auf.
InhaltAls Arzt soll Taleb Al Abdulmohsen fachliche Defizite aufgewiesen und Patienten falsch behandelt haben, heißt es in einem Bericht. Den Anschlag hätte der Arbeitgeber nach eigener Aussage aber nicht verhindern können. Der Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt ist an seinem Arbeitsplatz immer wieder auffällig geworden. Das geht aus einem Bericht seines ehemaligen Arbeitgebers hervor. Taleb Al Abdulmohsen arbeitete von März 2020 bis zum Anschlag im Dezember 2024 als Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie im Maßregelvollzug in der Salus-Klinik in Bernburg. Dem Bericht zufolge hätten zahlreiche Personen Hinweise eingereicht, wonach Abdulmohsen Patienten "fachlich nicht korrekt behandelt" oder falsche Diagnosen gestellt habe. Neun solcher Vorfälle seien rekapituliert worden, in sechs Fällen bestätigten sich die kritischen Schilderungen. Zum Tod eines Patienten im April 2024, über den der SPIEGEL berichtete , gibt es der Prüfung zufolge "keinen Kausalzusammenhang". Ein Attentat habe der Arbeitgeber auf dieser Grundlage nicht vorhersehen oder verhindern können, heißt es in dem Bericht. Die interne Sonderprüfung wurde von drei Mitarbeitenden durchgeführt, die von einem externen Juristen begleitet und beraten wurden. Insgesamt wurden den Angaben zufolge 70 Mitarbeitende befragt, die mit Abdulmohsen zusammengearbeitet hatten. Zudem seien mehr als eine Million Dateien durchsucht, teils gesichtet und überprüft worden. Während seiner Zeit in Bernburg war Abdulmohsen unter anderem durch lange, wirre Mails, Unzuverlässigkeit und wenig Engagement aufgefallen. Ihm wurde dem Bericht zufolge "bis zuletzt keine psychotherapeutische Behandlung zugetraut", weil seine Tätigkeit und sein Einsatz nicht dem durchschnittlichen Leistungsniveau entsprachen. Außerdem habe er fachliche Defizite aufgewiesen. Er sei als verschlossener Einzelgänger aufgetreten, der zu Kolleginnen und Kollegen keine engeren Beziehungen aufgebaut habe. Auch Recherchen des SPIEGEL zeigten wiederholt, dass Abdulmohsen auf der Arbeit auffällig wurde. Im Sommer 2024 sei er demnach "wie ein Stier" ins Dienstzimmer gestürmt. "Ich befinde mich in einem Krieg", habe der Attentäter gesagt, "dessen Ausgang entweder sterben oder umbringen sein wird." Binnen einem Jahr ließ er sich für insgesamt 43 Tage krankschreiben. Im Laufe der Zeit habe es verschiedene Punkte gegeben, die "ein Tätigwerden der Salus gGmbH als Arbeitgeberin möglich gemacht hätten", erklärte das Unternehmen. Geplant gewesen sei etwa, "Anfang 2025 eine personenbedingte Kündigung aufgrund seiner Fehlzeiten zu prüfen". Abdulmohsen wurde den Angaben zufolge drei Tage nach dem Attentat in Magdeburg fristlos gekündigt. Am 20. Dezember 2024 war der Arzt mit einem Auto über den Magdeburger Weihnachtsmarkt gerast. Er tötete sechs Menschen, mehr als 300 wurden teils schwer verletzt. Wann der Prozess gegen ihn eröffnet wird, ist bislang unklar. Bald beginnt der Weihnachtsmarkt in der Hauptstadt Sachsen-Anhalts erneut – doch auch in diesem Jahr lässt der Schutz offenbar zu wünschen übrig. Mehr dazu lesen Sie hier.