SPD-Chefin Bas über Hassnachrichten: »Bin ein personifiziertes Feindbild geworden«

Datum02.06.2026 01:32

Quellewww.spiegel.de

TLDRSPD-Chefin Bärbel Bas thematisiert persönliche Angriffe und Hassnachrichten, insbesondere von rechten Netzwerken. Sie fühlt sich als politisches Feindbild, das gezielt verleumdet wird. Bas betont, dass es sich nicht um sachliche Kritik, sondern um persönlichen Hass handelt, was sie zur Herausforderung macht. Sie erwägt manchmal einen einfacheren Weg, widersetzt sich aber dem Gedanken aufzugeben. Sie erwähnt auch eine kollegiale Beziehung zu CDU-Chef Friedrich Merz.

InhaltIhr schlage purer Hass entgegen: Sozialministerin Bärbel Bas hat über den Umgang mit persönlichen Angriffen gesprochen. "Je härter und stärker das wird, umso mehr denkt man darüber nach, wie lange hält man das aus?" SPD-Chefin Bärbel Bas, 58, fällt es eigenen Angaben zufolge nicht immer leicht, Hasstiraden und Beleidigungen auszuhalten. "Das ist schon sehr persönlich, ja", sagte die Bundessozialministerin beim "Ständehaus-Treff" der "Rheinischen Post" (RP). "Ich bin so ein personifiziertes Feindbild geworden." Es bleibe "nicht so einfach in den Klamotten hängen, was man so lesen muss". Gerade rechte Netzwerke versuchten, starke, selbstbewusste Frauen mit Hass und persönlichen Angriffen kleinzukriegen, sagte Bas. Besonders schlimm sei, wenn das bei Kindern ankomme, deren Eltern sich politisch engagierten. "Und jetzt bin ich schon fast froh, keine eigenen Kinder zu haben." Behalten Sie den Überblick: Jeden Werktag gegen 18 Uhr beantworten SPIEGEL-Autorinnen und -Autoren die wichtigsten Fragen des Tages im Newsletter "Die Lage am Abend" – hintergründig, kompakt, kostenlos. Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail. Viele Anzeigen stelle sie nicht, so Bas. "Aber es ist nicht einfach, das auszuhalten." Es gehe dabei nicht um sachliche Kritik, sondern um puren Hass, "auch um Vergewaltigungsfantasien – was man sich nicht alles anhören muss", sagte die Politikerin. "Also um die Sache immer gern Streit, Auseinandersetzung, aber da geht es darum, die Person kleinzumachen, die Person fertigzumachen, dass sie irgendwann aufgibt." Dazu habe sie allerdings keine Veranlagung. Wenn sie sehr gestresst sei und viel um die Ohren habe, komme ihr aber auch schon mal der Gedanke: "Ich könnte es mir mal irgendwie einfacher machen", räumte Bas ein. Dann denke sie aber letztlich immer wieder: "Nein, den Gefallen tue ich denen nicht." Sie gebe aber zu: "Je härter und stärker das wird, umso mehr denkt man darüber nach, wie lange hält man das aus?" Auf den Vorhalt von RP-Chefredakteur Moritz Döbler, sie würde aber auch – ähnlich wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) – "regelmäßig missverständliche Sätze  raushauen", räumte Bas ein: "Ja, wir telefonieren darüber auch sehr oft. Und deswegen arbeiten wir wahrscheinlich ja auch ganz gut zusammen." Das sei wirklich so. "Wir reden viel auch über das, wer was so über wen gesagt hat." Er habe ihr auch nach einer gemeinsamen Dienstreise im Regierungsflieger "das Du" angeboten, erzählte Bas. Und eine Woche darauf habe sie sich dann im vergangenen Sommer auf eine Äußerung des Kanzlers zum Sozialstaat mit dem Wort "Bullshit" bezogen (mehr dazu hier). Als Merz sich daraufhin bei ihr gemeldet habe, habe sie gleich gefragt, ob er das "Du" jetzt wieder zurückziehen wolle. "Nein, nein, aber wir sollten mal drüber reden", habe der Kanzler geantwortet. "Das kann ja so nicht weitergehen." Stattdessen habe es dann "einen Versöhnungssalat mit zwei Bier" gegeben.