Datum02.06.2026 00:03
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Niedersachsen hat der Bau der Küstenautobahn A20 begonnen, ein für Norddeutschland wichtiges Infrastrukturprojekt. Befürworter sehen Vorteile für Verkehr und Wirtschaft. Umweltschützer kritisieren den Bau scharf, da die Autobahn durch Moore führt und dem Klima schade. Sie fordern stattdessen Investitionen in das Schienennetz. Nach jahrelangen Planungen und rechtlichen Auseinandersetzungen laufen nun die Bauarbeiten für den ersten Abschnitt.
InhaltIn Niedersachsen hat der Bau der Küstenautobahn mit einem symbolischen Spatenstich begonnen. Umweltschützer kritisieren das Projekt wegen der Folgen für Moore und Klima. In Niedersachsen haben Umweltaktivisten gegen den symbolischen Spatenstich zum Bau der Autobahn 20 demonstriert. Nach jahrelangen Planungen und rechtlichen Auseinandersetzungen haben die Bauarbeiten für den ersten Abschnitt der sogenannten Küstenautobahn offiziell begonnen. Beim symbolischen Spatenstich bezeichnete Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) die Küstenautobahn als das "wichtigste Infrastrukturprojekt Norddeutschlands". Die A20 soll die bestehenden Verkehrsachsen im Raum Hamburg entlasten und die deutschen Häfen an Nord- und Ostsee besser miteinander verbinden. Das Projekt ist seit Jahren umstritten. Umweltschützer kritisieren, dass der Bau neuer Autobahnen falsche Verkehrspolitik sei, und fürchten um Naturflächen wie etwa Moore am Rand der geplanten Strecke. "Der Bau der A20 zerstört Moore und heizt das Klima an", sagte Anna Fuchs, Mobilitätsreferentin der Umweltschutzorganisation Robin Wood. Der Organisation zufolge läuft die 214 Kilometer lange Strecke durch Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu etwa 80 Prozent durch kohlenstoffhaltige Moor- und Marschböden. Der Bau widerspreche "den Klimaschutzgesetzen des Landes Niedersachsen und des Bundes". Die Organisation fordere "die Bundesregierung auf, öffentliches Geld nicht in den Bau von noch mehr Autobahnen, sondern in das Schienennetz zu investieren und damit ihren Verpflichtungen zum Schutz von Klima und Umwelt gerecht zu werden", sagte Fuchs. Der erste niedersächsische Abschnitt soll zwischen Westerstede an der A28 und Jaderberg an der A29 nahe Oldenburg entstehen und 13 Kilometer lang sein. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sprach von einem "Signal des Aufbruchs". "Die A 20 sorgt für mehr Mobilität der Bürgerinnen und Bürger, erleichtert den Transport von Waren, löst logistische Herausforderungen und befördert den Tourismus", sagte der SPD-Politiker. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt werden nach Angaben der Autobahn GmbH auf rund 340 Millionen Euro geschätzt. Nach vorbereitenden Arbeiten entlang der Trasse, die bereits im Mai in Wiefelstede begonnen haben, soll Ende 2028 mit dem eigentlichen Straßenbau gestartet werden. Insgesamt soll die A20 in Niedersachsen mehr als 100 Kilometer lang werden. Der zweite Bauabschnitt befindet sich noch im Planfeststellungsverfahren. In Schleswig-Holstein sind von den geplanten 112 Kilometer bislang rund 39 Kilometer fertiggestellt. Dort erfolgte Ende Mai der Spatenstich für einen weiteren knapp zehn Kilometer langen Abschnitt bei Bad Segeberg. Der Weiterbau war 2013 vom Bundesverwaltungsgericht wegen unzureichender Berücksichtigung des Fledermausschutzes gestoppt worden. Nach einer Einigung zwischen dem Land Schleswig-Holstein und dem Umweltverband BUND wurden zusätzliche Schutzmaßnahmen sowie eine mit 14 Millionen Euro ausgestattete Fledermausstiftung vereinbart. Auch in Niedersachsen war das Projekt lange umstritten. Nachdem der BUND eine Klage gegen einen Änderungsbeschluss zurückgezogen hatte, besteht seit 2025 Baurecht für den ersten Abschnitt. Gegen einen späteren Abschnitt zwischen Bremervörde und Elm kündigte der Verband jedoch weitere rechtliche Schritte an. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Swantje Michaelsen bezeichnete die A20 als besonders klima- und umweltschädliches Autobahnprojekt und forderte stattdessen mehr Investitionen in das deutsche Schienennetz. Unterstützung erhält das Vorhaben dagegen von den Industrie- und Handelskammern der Region. Sie sehen in der A20 einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Energiewende und zur Verbesserung der Infrastruktur.