Datum01.06.2026 17:36
Quellewww.spiegel.de
TLDRTrotz Waffenruhe gab es militärische Aktionen zwischen den USA und dem Iran. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär löste mit Äußerungen zu Bafög und Nebenjobs Empörung bei Studierenden aus. Der tote Wal vor den Küsten sorgt für zahlreiche Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft Schwerin, die auch Vorwürfe gegen Politiker und Helfer prüft.
InhaltDie Wal-Saga beschäftigt die Staatsanwaltschaft Schwerin. USA und Iran greifen Ziele trotz Waffenruhe an. Und Forschungsministerin Dorothee Bär bringt Studierende gegen sich auf. Das ist die Lage am Montagabend. Die drei Fragezeichen heute: Viele Deutsche dürften denken: Die Spritpreise haben sich inzwischen zeitweise wieder unter zwei Euro eingependelt. Irankrieg? War da was? Auch wenn die Intensität der Kampfhandlungen nachgelassen hat, ist der Konflikt längst nicht beigelegt. Die USA und Iran haben trotz einer seit sechs Wochen bestehenden Waffenruhe neue militärische Aktionen gemeldet. Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom griff das US-Militär am Wochenende Radar- und Drohnenanlagen im Süden Irans an, darunter Ziele nahe der Straße von Hormus. Die Angriffe seien eine Reaktion auf "aggressive" iranische Handlungen gewesen, insbesondere die Zerstörung einer US-Drohne über internationalen Gewässern (lesen Sie hier mehr). Die iranischen Revolutionswächter erklärten ihrerseits, einen von den USA genutzten Militärstützpunkt angegriffen zu haben. Details zum Ort wurden nicht genannt. In Kuwait meldete das Militär die Abwehr von Raketen- und Drohnenangriffen. Luftschutzsirenen heulten, die Bevölkerung wurde zur Vorsicht aufgerufen. Kuwait beherbergt US-Truppen. Zur Herkunft der Angriffe machte die Armee keine Angaben. Seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran Ende Februar hatte Teheran wiederholt Ziele in Golfstaaten wie Kuwait beschossen. Israel wiederum drang so weit in den Libanon vor wie seit 26 Jahren nicht mehr. Premier Netanyahu bezeichnete die Einnahme der strategisch wichtigen Burg Beaufort im Libanon als "dramatische Wendung" im Kampf gegen die proiranische Hisbollah-Miliz, die die Waffenruhe nicht anerkennt. Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam warf Israel eine Strategie "der verbrannten Erde und der Kollektivstrafe" vor. Dafür, dass US-Präsident Trump noch vor wenigen Tagen tönte, eine Vereinbarung mit Iran sei "weitgehend ausgehandelt", knallt es doch ganz schön weiter. Beinahe hätte man vergessen, wer gerade Bundesforschungsministerin ist, nun hat sich Dorothee Bär (CSU) wieder in Erinnerung gebracht – allerdings mit zweifelhaften Äußerungen. In einem Interview betonte Bär, Studierende seien privilegiert, weil sie an öffentlichen Hochschulen keine Studiengebühren zahlen müssten. Nebenjobs seien "kein Drama". Und überhaupt: Die im Koalitionsvertrag beschlossene Bafög-Reform sei keineswegs sicher. Noch Ende April hatten Forschungspolitiker von SPD und Union eine Einigung verkündet (hier mehr dazu). Der Studierendenverband fzs sprach nach Bärs Vorpreschen von einer "Frechheit" gegenüber Millionen Studierenden und kündigte Proteste an. Bereits zwei Drittel arbeiteten neben dem Studium, zugleich sei die Armutsquote hoch. Bär verkenne damit den Zweck des Bafög als Instrument für Chancengleichheit. (Lesen Sie hier einen Kommentar dazu. ) Auch politisch stößt die Haltung der Ministerin auf Widerstand. Geplant sind unter anderem höhere Wohnkostenpauschalen sowie eine schrittweise Anhebung des Grundbedarfs. Bär verwies jedoch auf Sparzwänge und Kritik aus den Regierungsfraktionen. Das Ministerium hält offiziell am Zeitplan fest, die Reform zum Wintersemester 2026/27 umzusetzen, stellt aber die gefundene Einigung wieder infrage. Das Deutsche Studierendenwerk kritisierte Bär ebenfalls und warf ihr einen fehlenden Bezug zur Lebensrealität vor. Studierende gäben über die Hälfte ihres Einkommens fürs Wohnen aus. Ein Scheitern der Reform könnte laut Experten auch politische Folgen haben. Der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer bezeichnete Bärs Äußerungen als skandalös. Statt sich auf die Seite der Studierenden zu stellen, wiederhole sie "ehrlicherweise saudumm Klischees". Das muss sie sein, die viel beschworene Einigkeit in der Koalition. Seit mehr als zwei Wochen ist der vor der deutschen Ostseeküste gestrandete und später ausgesetzte Buckelwal tot. Am 14. Mai wurde er vor der dänischen Insel Anholt aufgefunden (hier mehr zum weiteren Verlauf). Doch weder er findet seinen Frieden noch die Öffentlichkeit. Schaulustige zerren an ihm herum, Querulanten an den Nerven der Justiz. Die Staatsanwaltschaft Schwerin muss sich mit einer dreistelligen Zahl an Vorgängen mit Walbezug auseinandersetzen – ein bislang einmaliger Fall. Die Eingaben stammen aus ganz Deutschland und umfassen neben Strafanzeigen auch zahlreiche Hinweise und teils kuriose Zuschriften, etwa Hilfsangebote oder ungewöhnliche Behauptungen. Inhaltlich reichen die Anzeigen von Vorwürfen der unterlassenen Hilfeleistung während der Phase des Nicht-Eingreifens bis hin zu möglichen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz im Zusammenhang mit späteren Rettungs- und Transportmaßnahmen. Beschuldigt werden etwa Helfer, Behördenvertreter und Politiker wie Umweltminister Till Backhaus und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig – unabhängig davon, ob sie tatsächlich beteiligt waren. Die Zuständigkeit der Schweriner Staatsanwaltschaft ergibt sich aus dem einstigen Aufenthaltsort des Wals nahe der Insel Poel. Viele Anzeigen werden zunächst lokal aufgenommen und anschließend weitergeleitet. Ob sich aus den Vorgängen tatsächlich strafrechtlich relevante Hinweise ergeben, ist bislang unklar; die Auswertung dauert an. Es wäre nicht verwunderlich, bliebe Wichtigeres so lange liegen. 1986 spricht ein angeblicher Modelscout in Paris die 20-jährige Anna an. Jahrzehnte später liest sie einen SPIEGEL-Artikel über einen Helfer von Jeffrey Epstein – und glaubt, den Mann von damals wiederzuerkennen. Meine Kollegin Alexandra Berlin hat Anna in Paris getroffen. Tastentrickser: Weil bei einem Livekonzert zum Oscar-prämierten Filmmusical "La La Land" in Sydney der Pianist krankheitsbedingt ausfiel, durfte Sterling Nasa, 21, aus dem Publikum einspringen. Komponist Justin Hurwitz und seine Orchestermitglieder suchten verzweifelt Ersatz, fanden ihn aber nicht. "Also dachte ich mir einfach: Na ja, wir haben hier 2500 Leute", sagte Hurwitz laut "Guardian". Er fragte, wer sich zutraut, auf die Bühne zu kommen. Die Freundin von Nasa hob die Hand für ihn. "Ich war zunächst etwas zögerlich", sagt Nasa. Am Ende bekam er Sonderapplaus. Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Wenn Sie in Berlin leben, könnten Sie einen Ausflug planen. Das Zentrum der Hauptstadt wirkt architektonisch orientierungslos zwischen all den historisierenden Projekten und langweiligen Gegenwartsbauten. Ein positives Gegenbeispiel ist der wiedereröffnete DDR-Laden "Mokka-Milch-Bar" an der Karl-Marx-Allee. Jetzt heißt sie "Mokka*Milch": Denkmalgerecht saniert, verbindet sie Geschichte mit neuer Nutzung. Trotz Startproblemen gilt sie als seltener städtebaulicher Lichtblick, findet mein Kollege Tobias Rapp. Lesen Sie hier seinen Text. Wenn Sie keine Zeit haben, hören Sie einfach das dazugehörige Lied von Thomas Natschinski & Gruppe aus dem Jahr 1970. "In der Mokka Milch Eisbar hat sie mich gesehn, in der Mokka Milch Eisbar da ist es geschehn." Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich Ihr Janko Tietz, Leiter des SPIEGEL-Nachrichtenressorts