Datum01.06.2026 17:37
Quellewww.spiegel.de
TLDRGute Laune bei Lehrkräften fördert bessere Noten und Motivation bei Schülern. Eine internationale Studie zeigt, dass positive Emotionen im Unterricht zu effektiverem Lehren, gesteigertem Selbstvertrauen der Schüler und verbesserten Lernergebnissen führen. Verärgerte Lehrer hingegen bewirken das Gegenteil. Die Forschenden betonen, wie wichtig das emotionale Wohlbefinden von Lehrkräften für den schulischen Erfolg ist und fordern, Lehrerstress zu reduzieren.
InhaltEine Studie zeigt, wie sich die Stimmung von Lehrkräften auf ihre Schüler auswirkt: im Positiven wie im Negativen. Wie es Lehrerinnen und Lehrer geht, spielt eine wichtige Rolle für die Lernmotivation ihrer Schüler. Das zeigt eine Analyse von Forschenden unter anderem aus München, Berlin und Kiel. Demnach macht es einen großen Unterschied, ob Lehrkräfte im Unterricht Freude oder Ärger empfinden. Lehren sei nicht nur eine intellektuelle, sondern auch emotionale Tätigkeit, sagte Marina Elena Pfeifer von der Ludwig-Maximilians-Universität München, Hauptautorin der Studie. Wenn Lehrkräfte Freude an ihrem Tun empfinden, bieten sie demnach einen hochwertigeren Unterricht, der das Selbstvertrauen der Schüler in ihre Fähigkeiten sowie ihr Interesse und ihre schulischen Leistungen stärkt. Verärgerte Lehrer hingegen gehen mit einem schlechteren Unterricht und schlechteren Lernergebnissen der Schüler einher, wie die Forschenden um Pfeifer im "Journal of Educational Psychology" berichten . Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten Daten von 679 Mathelehrern und mehr als 17.500 um die 15 Jahre alten Schülern in acht Ländern zusammengetragen. Einbezogen wurden Schulen in Chile, China, Kolumbien, Deutschland, Japan, Mexiko, Spanien und Großbritannien. Alle Klassen bearbeiteten für eine gute Vergleichbarkeit dieselbe Mathematiklektion: die Einführung quadratischer Gleichungen. Die Lehrkräfte wurden mithilfe einer Methode namens "Teacher Emotions Scale" befragt, wie viel Freude sie während des Unterrichts hatten oder wie groß ihre Verärgerung war. Die Wahl sei auf Freude und Ärger gefallen, weil dies nach vorhergehenden Analysen die prägnantesten positiven und negativen Emotionen von Lehrkräften im Unterricht seien, erklären die Forschenden. Sie baten die teilnehmenden Kinder, den Unterricht ihrer Lehrerinnen und Lehrer zu bewerten. Außerdem sollten die Mädchen und Jungen über ihr Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten und ihr Interesse am Fach berichten. Demnach waren Lehrer, die mehr Freude empfanden, im Mittel eher in der Lage, den Unterricht effektiv zu gestalten, unterstützende Beziehungen zu den Schülern aufzubauen und kognitiv anregende Unterrichtsstrategien anzuwenden. Das wiederum war mit einem höheren Selbstvertrauen der Schüler, größerem Interesse am Lernen und besseren Testergebnissen verbunden. Lehrer, die eher Ärger empfanden, schnitten in der Wahrnehmung ihrer Schüler in allen drei Kategorien schlechter ab. Auch die Lernergebnisse ihrer Schüler waren schlechter. Vermutlich geraten Lehrer leicht in selbstverstärkende Kreisläufe, wie Pfeifer erklärte. "Ein verärgerter Lehrer könnte Schwierigkeiten haben, die Klasse effektiv zu führen, was zu schlechten Leistungen der Schüler führt, was wiederum dazu führt, dass sich der Lehrer noch frustrierter und erfolgloser fühlt – ein Teufelskreis." Ein fröhlicher Lehrer wiederum schaffe eine positive Spirale, bei der effektiver Unterricht zum Erfolg der Schüler führt – "was den Lehrer noch glücklicher und stolzer auf seine Arbeit macht". Am faszinierendsten sei die Übereinstimmung der Ergebnisse in den verschiedenen Ländern gewesen, sagte Pfeifer. "Trotz erheblicher kultureller, wirtschaftlicher und sprachlicher Unterschiede blieben die Mechanismen, durch die die Emotionen eines Lehrers die Unterrichtsqualität und die Schülerleistungen beeinflussen, weltweit bemerkenswert ähnlich." Es sei wichtig, die positive Haltung von Lehrkräften zu fördern, schließen die Forschenden aus ihren Ergebnissen. "Die wichtigste Schlussfolgerung für die Praxis ist, dass die Förderung des emotionalen Wohlbefindens von Lehrkräften nicht nur ein "nettes Extra" ist – sie ist entscheidend für den Lernerfolg der Schüler", so Pfeifer. Schulen und politische Entscheidungsträger sollten der Reduzierung von Lehrerstress daher Priorität einräumen.