Datum01.06.2026 16:26
Quellewww.spiegel.de
TLDRSchauspielerin Rosamund Pike rügte das Londoner Publikum für Handynutzung während ihres Stücks "Inter Alia". Sie betonte, dass solche Störungen die Verbindung zwischen Schauspielern und Zuschauern unterbrächen. Dieses Problem ist nicht neu; bereits Michael Maertens beklagte 2004 die Handynutzung im Theater. Weitere Stars wie Lesley Manville und Andrew Scott haben sich ebenfalls über störende Handyaktivitäten im Publikum beschwert. Diese Missstände treten auch in deutschen Theatern auf.
InhaltDer Vorhang war schon gefallen, da trat Rosamund Pike erneut vors Londoner Theaterpublikum: Die Schauspielerin kritisierte, dass jemand während des Stückes eine Nachricht getippt habe. 2004 listete der Schauspieler Michael Maertens in der "Welt am Sonntag" die zehn größten Ärgernisse auf, von denen man sich auf der Theaterbühne gestört fühle. Schon damals dabei: der SMS-Austausch auf den oberen Rängen, wo die Schulklassen sitzen. "Auch das bekomme ich mit, obwohl die Handys auf Vibration gestellt sind", schrieb Maertens. Heute tippen alle Generationen Nachrichten ins Handy – und leider auch noch immer im Theater, wie die Darstellerin Rosamund Pike ("Gone Girl", "Saltburn") erleben musste. In Suzie Millers Stück "Inter Alia " spielt sie im Londoner West End eine Kronrichterin, Feministin und Mutter eines Sohnes, der der Vergewaltigung bezichtigt wird. Eine intensive Rolle, für die es auch am Samstagabend in Wyndham's Theatre viel Applaus gab. Doch als Rosamund Pike nach dem letzten Vorhang noch einmal auf die Bühne kam, hatte sie eine Botschaft an ihr Publikum. Theater sei eine große Sache, sagte sie: "Ich versuche Ihnen eine Geschichte zu erzählen, ich spüre Sie, und ich hoffe, Sie spüren mich auch", zitiert der "Guardian" die Schauspielerin. "Jemand hat in diesem Block Textnachrichten geschrieben", sagte Pike: "Sie wissen, wer Sie sind und ich werde Sie nicht bloßstellen". Die genervte Hauptdarstellerin räumte ein: "Vielleicht war es wichtig, und vielleicht sind sie ein Arzt und haben jemandes Leben gerettet". Sie hoffe das jedenfalls, so Pike. "Aber wir sehen das, und wir spüren das". Ihre Aufgabe sei es, alle im Publikum zu fesseln, deshalb sei es so schwer für sie. Für ihre Aussagen sei Rosamund Pike applaudiert worden, zitiert die "Times" eine Stimme aus dem Publikum: "Jemand beim Höhepunkt eines derart emotionalen Stückes eine SMS schreiben zu sehen, breche die Verbindung zum Publikum", das sei Pikes Botschaft gewesen. In den britischen Zeitungen werden weitere Bühnenstars zitiert, die sich ähnlich wie Rosamund Pike geäußert hatten. So hat Lesley Manville ("Mrs. Harris und ein Kleid von Dior") die Unsitte kritisiert, die Verbeugungen am Vorstellungsende zu filmen: "Klatscht oder klatscht nicht, aber haltet nicht einfach eure Handys vor unsere Gesichter", sagte die Schauspielerin. Cynthia Erivo unterbrach eine Londoner Vorstellung von "Dracula" wegen eines Handyfilmers. Und als ein Zuschauer während des "Sein oder Nichtsein"-Monologs seinen Laptop herausholte, um Mails zu schreiben, platzte Andrew Scott der Kragen. Am 4. Dezember soll das Stück "Inter Alia" auch am Berliner Ensemble Premiere haben, in einer deutschen Textfassung von Anne Rabe. Vor Störungen sind Schauspieler allerdings auch hierzulande nicht gefeit. Ein Kritiker der "Süddeutschen Zeitung" berichtete unlängst vom Berliner Theatertreffen: "Nur hoffnungslose Bildungsbürger würden sich darüber wundern, dass Sitznachbarn während einer Sterbeszene im Theater in aller Seelenruhe ihren SMS-Verkehr pflegen."