Datum15.10.2025 16:10
Quellewww.spiegel.de
TLDRAm Mittwoch wurde die Stationierung mehrerer Eurofighter in Polen von Verteidigungsminister Boris Pistorius zur Stärkung der Nato-Ostflanke bestätigt. Die Diskussion um die Wiedereinführung der Wehrpflicht hält an. In den USA wurden sechs Ausländern die Visa entzogen, da sie sich unangemessen zum Kirk-Attentat äußerten. Zudem äußerte der erkrankte Thriller-Autor Jussi Adler-Olsen, dass er seine Serie über das "Sonderdezernat Q" an zwei Autorinnen übergibt. Der US-Reisepass fiel aus den Top Ten der Reisefreiheit.
InhaltDie USA entziehen Ausländern das Visum, die sich aus Sicht der Trump-Regierung unanständig über das Kirk-Attentat äußern. Deutschland verlegt Kampfjets nach Polen. Und der an Krebs erkrankte Thriller-Autor Jussi Adler-Olsen spricht über den Tod. Das ist die Lage am Mittwochabend. Die drei Fragezeichen heute: Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird – frei nach dem früheren SPD-Verteidigungsminister Peter Struck – auch in Malbork verteidigt. Heute hat Strucks Amtsnachnachnachnachnachnachnachfolger Boris Pistorius bestätigt, dass die Bundeswehr mehrere Eurofighter auf dem polnischen Militärflugplatz stationiert, um die Nato-Ostflanke zu schützen. Außerdem kündigte Pistorius an, Milliarden Euro für Drohnen auszugeben. Es gehe um alle Arten von Drohnen, also auch um Angriffsdrohnen. Das aggressive Verhalten von Russlands Präsident Wladimir Putin zeige, dass man bei der Stärkung der Verteidigungsbereitschaft nicht einen Moment nachlassen dürfe (Hier mehr). Bleibt die Frage, wo all die Männer und Frauen herkommen sollen, die Deutschlands Sicherheit verteidigen. Der Streit in der schwarz-roten Koalition um die Wehrpflicht ist längst nicht ausgestanden. Soll es ein Losverfahren geben, also eine "Lottoziehung mit Gewehr", wie Marietta Slomka im "heute journal" witzelte? "Das jetzt gefundene Modell mag unvollkommen sein, in der jetzigen Lage ist es aber das, was durchsetzbar und praktisch zu bewältigen ist", findet mein Kollege Severin Weiland. Baut die Bürokratie ab! Das scheint eine der letzten konsensfähigen Losungen unserer Zeit zu sein. Der Neuseeländer Laurence Gregory Watkins, 60, hingegen betreibt Bürokratieaufbau, jedenfalls im Kleinen. Auf der Jagd nach einem Rekord legte der Bibliothekar sich 2253 Namen zu, vor 35 Jahren schon. Das Guinnessbuch kürte ihn zur Person mit den meisten Namen, erst kürzlich erneuerte es die Auszeichnung. Watkins braucht gut 20 Minuten, um die sieben Seiten seiner Geburtsurkunde vorzutragen, darauf stehen schön klingende Namen wie Aloysius, Habakkuk und Whakaritenga, aber auch Akronyme wie AZ2000. "Was bedeutet, dass ich Namen von A bis Z habe und insgesamt 2000 Namen", sagte Watkins. Sein ursprünglicher Reisepass benötigte sechs zusätzliche Seiten, der neue zeige allerdings nur seinen kürzeren Namen und verweise lediglich darauf, dass es weitere 2249 gebe, sagt Watkins. (Hier mehr.) Mit diesem Pass könnte er in 186 Länder ohne Probleme reisen, wie der aktuelle "Henley Passport Index" zeigt, eine Art Rangliste der Reisefreiheit, herausgegeben von einer Londoner Anwaltskanzlei. Neuseeland landet auf Platz sechs. Angeführt wird die Liste von Singapur (193 Reiseziele), Südkorea (190) und Japan (189). Deutschland folgt, zusammen mit Italien, Luxemburg, Spanien und der Schweiz auf dem vierten Platz – in 188 Länder und Gebiete können Bundesbürger fahren, ohne vorher ein Visum beantragen zu müssen. Bemerkenswert: Erstmals ist der US-Reisepass aus den Top Ten gefallen. Die Vereinigten Staaten liegen nur noch auf Platz zwölf, gleichauf mit Malaysia. (Hier mehr.) Vielleicht ist das ausgleichende Gerechtigkeit. Unter Trump fahren die USA einen rigiden Visa-Kurs. Gerade hat die US-Regierung sechs Ausländern die Aufenthaltsgenehmigung entzogen, weil sie sich zum Mord an Charlie Kirk geäußert haben. Einer der Kommentare war auf Deutsch verfasst: "Wenn Faschisten sterben, beschweren sich Demokraten nicht." Das Außenministerium hatte zuvor gewarnt, gegen Ausländer vorzugehen, die Kirks Tod "loben, rationalisieren oder verharmlosen". Im Land der freien Rede reichen jetzt Geschmacklosigkeiten, um rausgeschmissen zu werden. Schalten wir den Fernseher an. Fast egal, wohin Sie zappen – es läuft ein Krimi. Zu den erfolgreichsten zählen die von Jussi Adler-Olsen. Der dänische Autor ist ein Star, seine Thriller verkaufen sich in Massen und werden oft verfilmt. Jetzt lässt er seine beliebteste Serie über das "Sonderdezernat Q" von zwei Frauen weiterschreiben – Adler-Olsen, 75, ist unheilbar an Knochenmarkkrebs erkrankt. Meine Kollegin Carola Padtberg wollte wissen, was einen Schriftsteller dazu bewegt, sein Lebenswerk in die Hände anderer zu geben. Sie besuchte Adler-Olsen in seinem Zuhause im dänischen Hørsholm, wohin er auch Stine Bolther, 49, und Line Holm, 50, zu einem gemeinsamen Frühstück eingeladen hatte – die beiden übernehmen die Serie von ihm . Carola traf einen Mann, der immer noch neugierig ist – und zwei Frauen, die sein Werk mit viel Respekt modernisieren wollen. "Adler-Olsen weiß, dass sein Name ein gewichtiger Faktor für die dänische Buchbranche ist – und möchte sie am Leben erhalten, auch über seinen Tod hinaus", sagt Carola. Sie war überrascht, mit wie viel Zuversicht Adler-Olsen über das sprach, was ihn erwartet. "Sein Humor ist ihm wohl eine große Stütze." Sex und der liebe Gott: Der Visionär und Sänger D’Angelo ist gestorben. Er hatte die Gabe, Konzerte in unvergessliche Soul-Messen zu verwandeln. Sein Meisterwerk war auch sein Verderben, es weckte die Dämonen, die ihn bis zum Schluss verfolgten . "Der Zauberer von Öz": Mesut Özil, 37, Ex-Spieler von Werder Bremen, Real Madrid und dem FC Arsenal, Held der WM 2014, bekommt noch einmal eine große Bühne. Das Bremer Theater zeigt ein Stück über seine Karriere. Der Autor Akin Emanuel Şipal, 34, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Es geht um die Gesellschaft, um den Migrationsdiskurs und darum, wie sich diese verschiedenen Dinge ergänzen und überlagern." Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Könnten Sie sich aufraffen und ins Kino gehen! Dort läuft "A House of Dynamite", der neue Film von Regisseurin Kathryn Bigelow. Es ist ein Actionfilm, in dem keine Bombe explodiert, kein Soldat zur Waffe greift und der doch einer der erschütterndsten Kriegsfilme der letzten Zeit ist, wie mein Kollege Oliver Kaever schreibt (Hier mehr ). Eine mit einem Atomsprengkopf bestückte Rakete rast auf den nordamerikanischen Kontinent zu. Zeit bis zum Einschlag in Chicago: 20 Minuten. Der US-Präsident muss eine unmenschliche Entscheidung treffen: Soll er den Einschlag der Atombombe mit Millionen von Opfern hinnehmen – oder zurückschlagen und die sichere atomare Apokalypse auslösen? Regisseurin Bigelow ("Gefährliche Brandung", "Hurt Locker", "Zero Dark Thirty") schickt die Zuschauer gleich mehrmals durch diesen nervenaufreibenden Countdown. Der wahre Horror entfaltet sich erst nach dem Film, der mit Stille endet: Donald Trump und Wladimir Putin verfügen über gigantische Atomwaffenarsenale. Wer möchte diesen beiden Männern die im Film entworfene, unmenschliche Entscheidung anvertrauen? Falls Sie es doch nicht ins Kino schaffen – der Film läuft ab 24. Oktober auch auf Netflix. Dann können Sie zwischendurch, wenn es zu bedrückend wird, auch pausieren.Ich wünsche Ihnen einen interessanten Abend. HerzlichIhr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion