Datum01.06.2026 12:19
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie 2G-Mobilfunkabschaltung in Deutschland ab 2028 betrifft vor allem ältere Autos mit der verpflichtenden eCall-Notruffunktion, da diese oft auf 2G basieren. Neuere Systeme nutzen LTE. Besitzer älterer Fahrzeuge müssen prüfen, ob Updates möglich sind, da andernfalls Probleme bei der TÜV-Prüfung drohen könnten. Auch ältere Handys und vernetzte Geräte könnten betroffen sein, während in einigen Gebieten Funklöcher entstehen könnten.
InhaltFür Neuwagen in der EU ist die sogenannte eCall-Funktion Pflicht: Bei schweren Unfällen wird darüber automatisch ein Notruf abgesetzt. Doch bald wird der Mobilfunkstandard 2G abgeschaltet. Was gilt dann? Der veraltete Mobilfunkstandard 2G nähert sich in Deutschland seinem Ende. Als dritter Mobilfunkbetreiber kündigte O2 Telefónica in München am Montag an, die Technologie in der zweiten Jahreshälfte 2028 in Deutschland abzuschalten. Vodafone und die Deutsche Telekom wollen den Dienst in demselben Jahr abschalten, um die Frequenzen für neuere Mobilfunkstandards nutzen zu können. O2 Telefónica spricht davon, dass die Umstellung für die Endkunden kaum Folgen habe, da die 2G-Technik mit ihren geringen Datenübertragungsraten nach heutigen Maßstäben ohnehin überkommen ist. "Für die meisten Verbraucher ändert sich nichts und sie können dem 2G-Ende in der Regel gelassen entgegensehen", sagte O2-Technikchef Mallik Rao. Eine signifikante Ausnahme gibt es aber: Autos. Seit 2018 ist der sogenannte eCall für Neuwagen in der EU vorgeschrieben, der etwa bei schweren Unfällen automatisch einen Notruf absetzen soll. Die damals in den Autos verbauten Geräte basierten oft auf der alten Funktechnik. Mehr zu dem System lesen Sie hier. Der Nachfolger "Next Generation eCall" wurde erst Anfang 2026 offiziell eingeführt. Er basiert auf moderner LTE-Technik und funktioniert damit in Deutschland auch über 2028 hinaus. Für Autos, die in der Zwischenzeit zugelassen wurden, müssen sich die Besitzer nun selbst erkundigen, ob das jeweilige System auch nach der 2G-Abschaltung noch funktionieren wird. So liefert Volkswagen etwa bereits Updates aus, die alte Systeme auf neue Mobilfunktechnik umstellen. Ob das bei allen Herstellern und Modellen funktioniert, ist allerdings unklar. Sofern bis zur Abschaltung keine gesetzliche Klarstellung erfolgt, könnten Modelle ohne Update-Option sogar Probleme mit dem TÜV bekommen. Der TÜV-Verband hat sich zwar dafür ausgesprochen, dass Autos auch weiterhin eine Prüfplakette bekommen sollten, wenn für sie kein Update verfügbar ist, berichtet die Zeitschrift "Auto, Motor und Sport". Das letzte Wort hat aber der Gesetzgeber. Die 2G-Nachfolgetechnologie 3G wurde bereits 2021 abgeschaltet, 2G lief als eine Art Notfall- und Minimalnetz weiter: Wo das Handy sonst nichts empfing, sollten zumindest Anrufe und Kurznachrichten möglich sein. Laut Bundesnetzagentur decken 2G-Antennen von mindestens einem Betreiber 99,78 Prozent der Fläche Deutschlands ab. Inzwischen ist der Ausbau mit modernen Antennen aber weit vorangeschritten, 4G-Antennen erreichen bereits 97,79 und 5G-Antennen 95,29 Prozent der Landesfläche. Bis Ende 2028 dürften diese Werte weiter steigen. Dennoch könnte man nach dem Ende von 2G etwa bei einem Waldspaziergang in ein Funkloch laufen, denn ob dort, wo aktuell noch 2G funkt, in Zukunft 4G oder 5G funken wird, ist offen. Wer noch immer ein uraltes Handy aus den Nullerjahren nutzt, das nicht mit 4G und 5G kompatibel ist, wird damit in Zukunft keine Mobilfunkverbindung mehr bekommen. Auch viele andere vernetzte Geräte, wie etwa Feuermelder und andere Sensoren, könnten von der Kommunikation abgeschnitten werden. Zumindest Vodafone hat für Industriekunden eine verlängerte Umstellungsfrist bis 2030 vorgesehen.